"Meine Kunden sind so traurig wie ich!"
Filiale Art of Chocolate in der Marktstraße muss zum Monatsende schließen
Alle Filialen von Art of Chocolate müssen schließen, auch die in der Marktstraße
Fotos: Marvin Myketin
07.06.2026 / FULDA -
Und wieder muss sich Fulda von einem kleinen, aber feinen Fachgeschäft verabschieden: Die Filiale von Art of Chocolate in der Marktstraße 16 muss am Monatsende die Tür für immer verschließen - wie die acht anderen Filialen in ganz Deutschland auch. Filialleiterin Christel Alt trifft das - gerade mal zwei Jahre vor dem verdienten Ruhestand - besonders hart, denn sie hat den Laden mit aufgebaut und mit viel Sachverstand und Empathie für ihre Kunden geleitet.
"Seit meine Stammkundschaft von der bevorstehenden Schließung erfahren hat, hören die Klagen und Beileidsbekundungen gar nicht mehr auf", berichtet Christel Alt. Sie ist über das überraschende endgültige Aus genauso traurig wie ihre zahlreichen Kunden und ihre beiden Kolleginnen. "Der Trend zu immer mehr Geschäften, die endgültig schließen, und der trostlose Leerstand vieler ehemals florierender Läden können einen wirklich beängstigen und deprimieren", klagt sie.
Dabei sei der sinnliche Genuss, den jeder erlebt, der den kleinen Laden betritt, unvergleichlich. "Schokolade kann man doch nicht im Internet kaufen", ist sie überzeugt. "Alle freuen sich immer, wie wunderbar es hier duftet, und schwelgen in unserem einzigartigen Angebot. Wo sonst gibt es noch solche Qualität, zum Beispiel Ingwerstäbchen oder diese feinen Pralinen?"
Hintergrund der Filialschließungen ist der Verkauf der Chocolate Family an die Windel-Group in Osnabrück im Oktober letzten Jahres. "Der große Konzern versteht sich eben vor allem als Hersteller. Die kleinen Filialen passen nicht mehr in sein Konzept", erklärt Christel Alt die Beweggründe für die Schließungen. Eigentlich hätte schon Ende Mai endgültig Schluss sein sollen, doch sie konnte sich bei ihrem Chef mit dem Hinweis auf den bevorstehenden Hessentag durchsetzen. "Den wollte ich unbedingt noch mitnehmen."
Einer ihrer langjährigen Stammkunden ist übrigens Bischof Heinz Josef Algermissen, der hier seit vielen Jahren feine Süßwaren einkauft und sich auch gern beraten lässt. "Er war gerade heute Vormittag wieder hier und konnte es auch gar nicht fassen, dass wir Ende des Monats zumachen müssen", erzählt die 65-Jährige. Sie muss sich jetzt für die letzten beiden Jahre ihres Arbeitslebens noch einen neuen Job suchen. Wer ein gutes Angebot für die erfahrene Filialleiterin hat, kann sich gern bei unserer Redaktion melden. (Carla Ihle-Becker) +++