Storm für alle

Gefeierte Welturaufführung des neuen Spotlight-Musicals "Der Schimmelreiter"

Auf einer lebensgroßen Pferdepuppe reitet Sascha Kurth als Hauke Haien über die Bühne
Fotos: Christian Tech

07.06.2026 / FULDA - "Das gab es so bei Spotlight noch nie", ein Satz aus dem Mund von Musicalmacher und Geschäftsführer Peter Scholz den die Mehrheit der Hörer wohl eher in Bezug auf neue Erfolge erwartet. Am Freitagabend bezog er sich aber vielmehr auf eine kleine Panne gleich zu Beginn der Welturaufführung. In den ersten Sekunden des Stückes setzte die Technik aus, die in der neuen Produktion "Der Schimmelreiter" für optische Illusionen und imposante Bildwelten sorgt. Doch die kleine Unebenheit war schnell behoben und schon wenige Minuten später bot das Ensemble in der Inszenierung von Regisseur Simon Eichenberger ein wahres Musical-Feuerwerk dar. Und weckte bei seinem Publikum Jubelstürme.



"Der Schimmelreiter" basiert auf Theodor Storms gleichnamiger Novelle aus dem Jahr 1888. Spotlight Musicals bringt das Werk in Fulda erstmals als Musiktheaterstück auf die Bühne. Bereits in der Vergangenheit feierte die Musicalproduktion aus der Domstadt große Erfolge mit Adaptionen bekannter Romane wie "Der Medicus", "Die Schatzinsel" oder "Die Päpstin".

Dennis Martins Herzensprojekt

"Ich glaube, ich war noch nie so aufgeregt bei einer Premiere, aber das liegt vermutlich daran, dass das für mich ein Herzensprojekt ist", erzählt Komponist und Produzent Dennis Martin am Freitagabend vor der Premiere gegenüber OSTHESSEN|NEWS über sein neuestes Bühnenstück. Seit knapp fast 25 Jahren bereits trägt er die Idee in sich. Nun wurde daraus endlich Realität.

Wenige Minuten später schon hebt sich dann der Vorhang. Gleich zu Beginn wird klar: Hier handelt es sich um die wohl aufwändigste und technisch ausgefeilteste aller bisherigen Spotlight-Produktionen. Denn nur wenige Sekunden danach setzt die Technik aus und das Stück muss unterbrochen werden. Einige Minuten Wartezeit für die Lösung des Problems werden von Spotlight-Geschäftsführer Peter Scholz unterhaltsam überbrückt. "Ich werde immer gefragt, ob ich aufgeregt bin, und sage "Nein", aber jetzt werde ich es", erklärt er dem lachenden Publikum. Dieses nimmt ihm und seinem Team die Panne nämlich keineswegs übel.

Als das Problem kurz darauf behoben ist, zeigt sich: Die Geduld der Zuschauer soll belohnt werden. Mittels Projektionen werden sie in eine faszinierende, mystische und doch realistische Welt entführt. Sind unterwegs auf den und um die Deiche des Hohen Nordens, an Land und sogar unter Wasser.

Underdog Hauke Haien wird zum stillen Helden

Unter der Regie von Simon Eichenberger schaffen es Hauptdarsteller Sascha Kurth als der oftmals missverstandene, etwas eigene, aber hochintelligente Außenseiter Hauke Haien und die anderen Ensemblemitglieder, sowohl schauspielerisch als auch gesanglich und tänzerisch alle in ihren Bann zu ziehen. An seiner Seite spielt Pamina Lenn die Rolle der Elke Volkerts, Tochter des Deichgrafin und schließlich Haukes Frau und Mutter seines Kindes. Beide fesseln mit ihrem versierten und facettenreichen Gesang und intensiven Spiel und zeichnen gemeinsam den Weg Haukes vom Jungen mit dem besonderen Verständnis für die Mathematik bis zum Deichgrafen.

Hauke hat eine Vision. Er möchte einen neuen Deich bauen, so geplant und berechnet, dass er für hunderte von Jahren den Fluten standhalten und die Menschen vor ihnen bewahren soll. Doch seine neuen Ideen stoßen nicht bei allen auf Zuspruch. Großknecht Ole Peters (gespielt von Dennis Henschel) ist Hauke ein Dorn im Auge. Immer wieder hetzt er die anderen Knechte gegen ihn auf. Schikaniert ihn, veralbert ihn und will den Bau des neuen Deichs, selbst als Hauke als Elkes Mann zum neuen Deichgrafen geworden ist, verhindern. Henschel wird in der Rolle zum echten Ekel: Trinkfreudiger, prolliger aber gleichermaßen fesselnder Bösewicht. Auch gesanglich beeindruckt er seine Zuhörer mit seiner kraftvollen, pointierten Darbietung.

An Henschels Seite spielt in der Rolle der Vollina Harders Anja Backus. Gesanglich zeigt sie sich äußerst versiert und präzise, mit geradezu durchdringender Stimme, mitreißendem Spiel und toller Präsenz. In weiteren Rollen zu sehen sind unter anderem Kaatje Dierks (als unheimliche, verschrobene Trin Jans mit markdurchdringender Stimme), Thorsten Tinney (als Haukes Vater, Schulmeister und Oberdeichgraf, glaubhaft bis schrullig) und Volker Metzger (sorgt als fauler, gefräßiger Deichgraf Tede Volkerts für zahlreiche Lacher im Publikum). Als namensgebender Schimmel fungiert eine lebensgroße, vollbewegliche Pferdepuppe, bewegt von mehreren Darstellern. Sie wurde eigens für die Produktion angefertigt.

Das Stück erzählt vom Spannungsverhältnis zwischen Aberglauben und Vernunft, religiösen und weltlichen Ansichten, Reichtum und Besitzlosigkeit. Es erinnert uns an die Macht der Meinung und Meinungsmache, aber es zeigt auch am Beispiel Haukes, wie aus dem Jungen aus einfachen Verhältnissen mit Fleiß und Unterstützung derer, die an ihn und seine Ideen glauben, der neue Deichgraf werden kann. Letztlich gelingt Haukes Plan: Der Deich hält den Fluten über Jahre stand und beschützt die Menschen vor dem Wasser. Er wird sogar nach ihm benannt. Die einzigen Opfer werden Hauke selbst, Elke und ihre Tochter Wienke - und damit auch Teil der Legende.

Nach einer rund zweistündigen Performance voller Spannung, Mystik, Illusion und großer Emotionen dankt das Publikum Darstellern und Team mit tosendem, langanhaltendem Applaus und Standing Ovations. Weitere Eindrücke der Weltpremiere sowie der Feier sehen Sie in unserem Video. (Sabrina Ilona Teufel-Hesse)+++

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