Ende einer Rhöner Institution

Trachten-Boutique Kümpel schließt nach 67 Jahren - "Es nützt ja nichts"

Nach 67 Jahren schließt die Trachten-Boutique Kümpel. Inhaber Gerd Diegelmann hat mit O|N über den Entschluss seiner Familie gesprochen.
Fotos: Marvin Myketin

06.06.2026 / HILDERS (RHÖN) - Zwischen Dirndln, Trachtenjacken und liebevoll dekorierten Schaufenstern geht eine Ära zu Ende. Die Trachtenboutique Kümpel in Hilders (Rhön) im Landkreis Fulda schließt zum 30. Juni ihre Türen. Fast 70 Jahre lang war das Familienunternehmen eine feste Adresse für Trachtenmode in der Rhön und weit darüber hinaus. Nun zwingen gesundheitliche und altersbedingte Gründe die Inhaber Kirsten Kümpel-Diegelmann und Gerd Diegelmann zum Abschied.



In den Schaufenstern hängen bereits die Ausverkaufs-Schilder - für viele Kunden ist das ein ungewohnter Anblick. Schließlich gehört das Geschäft seit Generationen zum Ortsbild von Hilders. "Die Kunden sind natürlich bedröppelt. Wir haben viele Stammkunden und natürlich ist das schwierig. In der Region gibt es einfach auch nicht mehr viel", sagt Gerd Diegelmann im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Das steckt hinter dem Aus: "Keine leichte Entscheidung"

Die Geschichte des Geschäfts begann im Jahr 1959, als Gerhard Kümpel die "Strickerei Kümpel" gründete. Daraus entwickelte sich über die Jahrzehnte die heute bekannte Trachtenboutique. Tochter Kirsten führte das Unternehmen später in zweiter Generation weiter und machte das Geschäft mit ihrem Gespür für Mode und ihrem Blick für besondere Stücke weit über die Grenzen der Rhön bekannt.

Doch die vergangenen Jahre waren nicht einfach. Während der Corona-Pandemie verlor das Unternehmen Mitarbeiter. 2022 erkrankte Kirsten Kümpel-Diegelmann zudem schwer - gleichzeitig wurde die Suche nach qualifiziertem Personal immer schwieriger. Zuletzt unterstützte die Familie noch eine Mitarbeiterin. "Wir haben einfach kein gutes Personal mehr gefunden und gesundheits- und alterstechnisch können wir es so nicht mehr stemmen", berichtet der 70-Jährige. Auch eine Nachfolgelösung blieb aus. "Wir haben schon gesucht, aber leider keine passenden Nachfolger finden können."

Die Entscheidung ist sichtlich alles andere als leicht gefallen. "Es tut einem natürlich leid, aber es geht einfach so nicht mehr. Natürlich könnte man die Schließung noch einige Zeit vor sich hertreiben, aber das nützt ja nichts". Der wachsende Online-Handel hat nichts mit der Schließung zu tun, wie Diegelmann betont. Die Boutique habe ihre Preise stets angepasst und mit persönlicher Beratung überzeugt.

Zahlreiche schöne Momente

Mit solch einem Traditionsgeschäft sind natürlich unzählige Erinnerungen verbunden. Diegelmann denkt an Modenschauen, Volksfeste und die vielen Menschen zurück, die über Jahrzehnte durch die Tür kamen. "Das war immer sehr, sehr lustig", erzählt er im Gespräch mit O|N und erinnert sich an die Vorbereitungen für Veranstaltungen oder an Kunden, die zum ersten Mal eine Tracht anprobierten. Ein Bild ist ihm dabei besonders im Gedächtnis geblieben: "Wenn junge Mädchen kommen, die vorher noch nie Berührung mit dem Thema hatten, dann kommen sie aus der Kabine und die Mundwinkel sind in den Ohren. Weil sie sich einfach gefallen." Solche Momente seien es gewesen, die die Arbeit über Jahrzehnte besonders gemacht hätten.

Das sagen die Kunden zu dem Aus

Auch die Kunden spüren, dass mit der Schließung mehr verloren geht als nur ein Geschäft. Ein Kunde bringt es gegenüber O|N auf den Punkt: "Das ist natürlich traurig, weil es der einzige Laden dieser Art im Landkreis Fulda ist." Gerade jetzt, wo Volksfeste und traditionelle Veranstaltungen wieder großen Zulauf hätten, sei der Verlust spürbar. Er selbst habe sich bei Kümpel einen maßgeschneiderten Janker anfertigen lassen. "Der hat perfekt gepasst. Deswegen ist das einfach sehr schade."

Was nach dem Ausverkauf mit den rund 200 Quadratmetern Verkaufsfläche passiert, ist derzeit noch unklar. Sicher ist dagegen: Mit der Schließung der Trachtenboutique Kümpel verliert die Rhön ein Stück Heimatgeschichte. (Emely Schrön) +++

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