Zwischen Aufbruch und Abbruch

Ausstellung im Dommuseum zeigt Kirchenbauten im Bistum Fulda seit 1946

Zur Ausstellung gehören auch liturgische Gegenstände und weitere Exponate, die Heimatvertriebene, Geflüchtete und Evakuierte nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihren Herkunftsregionen mitgebracht hatten.
Fotos: Bistum Fulda / Dr. Arnulf Müller

06.06.2026 / FULDA - Eine neue Sonderausstellung im Fuldaer Dommuseum nimmt Kirchenbauten im Bistum Fulda seit dem Zweiten Weltkrieg in den Blick. Unter dem Titel "Zwischen Aufbruch und Abbruch" zeigt sie bis zum 10. Januar 2027, wie nach 1945 zahlreiche Kirchen entstanden, welche Bedeutung sie für Gemeinden und Heimatvertriebene hatten und welche Fragen sich heute mit Blick auf Nutzung, Erhalt oder Aufgabe kirchlicher Gebäude stellen. Anlass sind unter anderem der Hessentag in Fulda und das 80-jährige Bestehen des Landes Hessen.



Mehr als 200 Kirchen und Kapellen sind zwischen 1946 und 1969 im Bistum Fulda entstanden. Eine neue Sonderausstellung im Fuldaer Dommuseum widmet sich diesen Bauten, ihrer Geschichte und ihrer heutigen Bedeutung. Die Ausstellung trägt den Titel "Zwischen Aufbruch und Abbruch. Kirchenbauten im Bistum Fulda seit 1946" und ist bis zum 10. Januar 2027 zu sehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Katholikinnen und Katholiken als Heimatvertriebene, Geflüchtete und Evakuierte in das Gebiet des Bistums Fulda, unter anderem aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern und dem Sudetenland. In vielen Orten wurden neue Kirchen und Kapellen errichtet. Sie wurden zu Orten des Gottesdienstes, aber auch zu Mittelpunkten kirchlichen und gemeinschaftlichen Lebens.

Kirchen nach 1945

Die Ausstellung zeigt historische Aufnahmen, Pläne, Dokumente und Exponate. Einige Stücke wurden von Heimatvertriebenen aus ihren Herkunftsregionen mitgebracht. Ergänzt wird die Schau durch Zeitzeugeninterviews sowie einen Onlinekatalog mit Informationen zu mehr als 260 Kirchenbauten im Bistum Fulda.

Im Mittelpunkt stehen sogenannte Nachkriegskirchen, ihre Architektur, ihre künstlerische Gestaltung und ihre Bedeutung für die Menschen vor Ort. Sichtbar wird dabei auch die Vielfalt der baulichen und künstlerischen Lösungen, die in den Jahrzehnten nach 1945 entstanden sind.

Zeugnisse ihrer Zeit

Bei der Eröffnung führten die Kuratorinnen Astrid Schlegel von der Fachstelle Kunst, Kultur, Museum des Bistums Fulda, die Kunstwissenschaftlerin Dr. Johanna Anders sowie die Lektorin, Kunst- und Architekturhistorikerin Dr. Verena Smit in die Ausstellung ein. Sie ordneten die Kirchenbauten als Zeugnisse kirchlicher, gesellschaftlicher und architektonischer Entwicklung ein.

Zugleich richtet die Ausstellung den Blick auf aktuelle Fragen. Viele Gemeinden werden kleiner, pastorale Strukturen verändern sich, und nicht alle kirchlichen Gebäude können dauerhaft in bisheriger Form erhalten werden. Damit stellt sich auch die Frage, wie sakrale Räume künftig genutzt werden können.

Halt und Hoffnung

Weihbischof und Domdechant Prof. Dr. Karlheinz Diez dankte bei der Eröffnung den Kuratorinnen und allen Beteiligten. Er verwies darauf, dass der Bau vieler Kirchen nach 1945 eng mit der Erfahrung von Krieg, Flucht und Vertreibung verbunden war. Für viele Menschen habe gemeinschaftlich gelebter Glaube damals Halt und Orientierung bedeutet.

Möglich geworden seien zahlreiche Kirchenbauten auch durch Eigenleistung, Spendenbereitschaft und das Engagement der Gemeinden. Heute stünden viele Diözesen vor der Aufgabe, vertraute kirchliche Strukturen und Gebäude neu zu betrachten.

Beispiel Helsa

Beispielhaft greift die Ausstellung die Wegkirche Mariae Himmelfahrt in Helsa auf. Dort wurde 1951 eine frühere Reichsarbeitsdienst-Baracke erworben und zu einem Gottesdienstraum für rund 500 Flüchtlinge und Heimatvertriebene umgebaut. Später wurde die Kirche um eine Sakristei und einen Gemeinderaum ergänzt.

Die Wegkirche zählt zu den erhaltenen Piuskirchen Nordhessens, wurde jedoch per Dekret vom 14. September 2025 profaniert. Inzwischen ist sie verkauft. Die verbliebenen Katholikinnen und Katholiken nutzen die evangelische Kirche des Ortes in ökumenischer Gemeinschaft.

Gebäude im Wandel

Die Ausstellung ist auch im Zusammenhang mit dem Hessentag in Fulda und dem 80-jährigen Bestehen des Landes Hessen entstanden. Sie verbindet einen historischen Rückblick mit aktuellen Fragen nach Erhalt, Nutzung und Zukunft kirchlicher Gebäude.

Die Ausstellung macht deutlich, dass Kirchengebäude immer auch von gesellschaftlichen und kirchlichen Entwicklungen geprägt sind. Viele der nach 1945 entstandenen Kirchen waren Ausdruck von Aufbruch, Heimat und wachsendem Gemeindeleben. Heute stehen manche dieser Gebäude vor neuen Fragen: Wie können sie weiter genutzt, erhalten oder gegebenenfalls in andere Formen überführt werden?

Strategie und Beteiligung

An diese Fragen knüpft auch die Immobilienstrategie des Bistums Fulda an. Sie wird derzeit in den künftigen 28 Pfarreien vorgestellt und vor Ort beraten. Gremienmitglieder und hauptamtliche Mitarbeitende werden über Grundgedanken, Förderkategorien und künftige Rahmenbedingungen für Gebäude und Baumaßnahmen informiert. Ziel ist es, tragfähige Perspektiven für kirchliche Gebäude zu entwickeln; wo dies nicht gelingt, können Verkauf und Profanierung notwendig werden.

Musikalisch gestaltet wurde die Vernissage von Dino Wurtinger und Berthold Möller. Die Ausstellung "Zwischen Aufbruch und Abbruch. Kirchenbauten im Bistum Fulda seit 1946" ist bis zum 10. Januar 2027 im Fuldaer Dommuseum zu sehen. www.bistum-fulda.de (js/pm)+++

X