Michael Brand warnt vor Hass

Erinnern, mahnen, schützen - Gedenkveranstaltung für Walter Lübcke im RP

Mahnende Worte am Todestag Walter Lübckes – Brand warnt vor Hass, Desinformation und Angriffen auf die Demokratie
Fotos: Ralf Flohr

04.06.2026 / FULDA/KASSEL - Aus Anlass des Todestages des ermordeten Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke hat der mit Lübcke befreundete heimische Bundestagsabgeordnete Michael Brand in seiner Eigenschaft als Parlamentarischer Staatssekretär für die Bundesregierung bei einer Gedenkstunde in Anwesenheit von Lübcke-Sohn Christoph und dem heutigen Regierungspräsidenten Mark Weinmeister sowie Vertretern von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gesprochen.



Eingeladen hatte die Nordhessische Regionalauswahl, die vor dem Regierungspräsidium in Erinnerung an ihren Sportkameraden Walter Lübcke eine Europabank, darauf die Deutschlandflagge sowie der Flußverlauf der Fulda, gestiftet hat und am Todestag erinnert, wie der Vorsitzende Hartmut Schäfer bei der Begrüßung betonte.

Warnung vor digitaler Hetze und Desinformation

Staatssekretär Michael Brand wies bei seiner Rede vor dem Regierungspräsidium unter anderem darauf hin, dass Walter Lübcke ein Opfer von gezielter Diffamierung, Verbreitung von Lügen und Gerüchten geworden sei. "Vernunft und Humanität stehen auch heute unter konstanter Attacke", erläuterte Brand und wies darauf hin, dass "der Angriff von innen und außen kommt, gezielt ausgeführt durch digitale Plattformen, die wir alle auf unseren Handys haben". Da werde "nicht nur Zwietracht gesät und versucht, die Deutschen gegeneinander aufzuhetzen". Im Kern gehe es den Angreifern darum, "unser Gesellschaftsbild zerstören zu wollen, und das schon seit langem", so Brand.

"Denn wenn unser Bild von der Wirklichkeit nicht mehr stimmt, wenn immer mehr die Wahrheit und Fakten nicht mehr akzeptieren, sondern anzweifeln, da gilt der Grundsatz: Alles ist möglich, und alles ist erlaubt. In einem solchen Klima von Misstrauen, von Aggression und Respektlosigkeit, von Hass und Hetze, da gedeiht Gewalt", warnte der Parlamentarische Staatssekretär.

Gefahr durch gezielte Kampagnen und Manipulation

Mit "Kampagnen und falschen Schlagzeilen soll Vertrauen erschlagen und damit auch das Denken und die Vernunft und die kritische Prüfung außer Kraft gesetzt werden". Die Menschen sollten "nicht mehr fähig sein, selbst zu entscheiden, ob etwas wahr ist oder nicht wahr, ob etwas völlig übertrieben ist oder gerechtfertigt. Mit gezielten Kampagnen sollen wir sozusagen durchs Dorf oder durchs Land getrieben werden", klagte Brand an. Dieses seit Jahren zu beobachtende Vorgehen sei "strategisch angelegt, da gibt es Täter und es gibt Opfer. Und es gibt die Schreibtischtäter, die Strategen solcher Kampagnen".

Dabei wollten die Leute im Hintergrund "möglichst viele unbedarfte, unsichere oder auch uninformierte Menschen mit dem Virus der Zwietracht, der Respektlosigkeit, der Wut und auch des Hasses infizieren", so Brand, "um das Vertrauen zu zerstören, das jede Gemeinschaft braucht – jede Freundschaft, jede Familie, jedes Dorf und auch ein ganzes Land", so Brand.

Erinnerung an Walter Lübckes Haltung und Werte

Dr. Walter Lübcke sei einer gewesen, "der Vertrauen ausgestrahlt hat, der auch Vertrauen gebaut hat", sagte der Abgeordnete. Er habe mit Lübcke auch über solche Fragen gesprochen. "Weil er für die Werte und die Kultur des europäischen Abendlandes eingetreten ist, haben Extremisten ihn zur Zielscheibe gemacht", erinnert Michael Brand. Niemand habe damit gerechnet, dass "in diesem Klima von Hass sprichwörtlich alles möglich und jedes Tabu gebrochen werden könnte". Inzwischen habe "auch der Letzte begriffen, dass wir es mit Gegnern zu tun haben, innen und außen, deren Bereitschaft zur Zerstörung unserer Gesellschaft wir nicht unterschätzen dürfen", appellierte der Abgeordnete.

Die gute Nachricht "und die große Hoffnung" sei, "dass die Demokratie millionenfache Unterstützung hat und eine überwältigende Mehrheit in unserem Land unsere Demokratie und unsere offene Gesellschaft nicht nur unterstützt, sondern auch aktiv mitträgt." Dies geschehe beispielsweise durch Millionen ehrenamtlich Engagierte, in Vereinen und Initiativen, aber auch in täglichen Unterhaltungen im Freundeskreis und in der Familie.

Abschließend rief Brand zum Einsatz für Demokratie und Rechtsstaat auf und appellierte: "Wir alle müssen uns täglich auf unsere Weise dafür einsetzen, dass Respekt und Toleranz erhalten bleiben – und sich Hass, Wut und Gewalt in dieser Gesellschaft nicht weiterverbreiten wie Krebs."

Christoph Lübcke berichtete vom gemeinsamen Besuch des Bundeskanzlers Friedrich Merz mit der Familie am Grab seines Vaters als "gute Geste, die unseren Vater ehrt, und das Signal sendet, dass wir alle wehrhaft sein müssen". Er dankte den Anwesenden für ihre Haltung und das Festhalten daran als "ermutigendes Zeichen". (js/pm)+++

X