Erfolgsbeispiel für gelebten Naturschutz

Wie ein Biberprojekt zum Gewinn für die Artenvielfalt wurde

Freuten sich über die neue Hinweistafel an der Teichanlage Wallersdorf (von links): RP-Dezernatsleiterin Antje te Molder, Bibermanager Sebastian Weller, Umweltbeauftragter Arno Eifert, Bürgermeister Lars Wicke, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Annelie Bloß und Maika Landes (beide Forstamt Romrod).
Fotos: RP Gießen

04.06.2026 / GREBENAU - "Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es ein Traum, was sich hier entwickeln kann." Sebastian Weller, Bibermanager des Regierungspräsidiums Gießen, steht die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, als er auf die Teichanlage Wallersdorf im Vogelsbergkreis blickt. Vögel zwitschern ununterbrochen und fliegen umher, Frösche quaken, eine Gänsefamilie schwimmt im Wasser und ein Graureiher stakst herum.



Was sich rund um die Anlage sowie unter der Wasseroberfläche tummelt, lässt sich nur erahnen. Aber fest steht: "Die Teichanlage ist ein extrem wertvoller Lebensraum geworden, in dem sich nicht nur heimische Tiere, sondern auch sehr selten gewordene Arten wohlfühlen", betont Weller. Wie das gekommen ist und dass dafür kein geringerer als der Biber verantwortlich ist, darüber informiert seit neuestem eine Hinweistafel. Der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Grebenaus Bürgermeister Lars Wicke und Bibermanager Sebastian Weller packten gerne an, als es darum ging, die Tafel aufzuhängen.

Wie der Biber die Teichanlage veränderte

Früher war die Anlage in Privatbesitz. Im Jahr 2023 zog der Biber hier ein. "Der Biber ist dem Menschen sehr ähnlich, er verändert seinen Lebensraum nach seinen Bedürfnissen", merkte Bürgermeister Wicke an. Das gefällt aber nicht jedem. Doch anstatt zu versuchen, ihn zu vergrämen, wandte sich der Eigentümer damals an Sebastian Weller. "Schon bald wurde der Biber sehr aktiv", erinnert er sich. Eine Lösung musste her, da schnell auch die umliegenden Flächen beeinträchtigt waren. Und diese Lösung bestand im Fall der Teichanlage daraus, dass das Land die gesamte Anlage aus Mitteln der hessischen Biodiversitätsstrategie erworben hat. Derzeit werden außerdem benachbarte Flächen angekauft. So kann sich der Biber, inzwischen wahrscheinlich eine Familie, austoben – und die Natur und andere Tiere, darunter viele seltene Arten, profitieren davon.

"Seit 2018 hat sich der Biber in Grebenau wieder angesiedelt. Er ist gekommen, um zu bleiben. Das geht nicht konfliktfrei. Die Population ist inzwischen auf über 30 Tiere angewachsen. Wir setzen uns gemeinsam für eine "friedliche Koexistenz" zwischen Grundeigentümern und Baumeister Biber ein", betonte Arno Eifert.

Ausgleich zwischen Naturschutz und Landwirtschaft

"An vielen Orten leiden Landwirte unter dem Biber. Auf der anderen Seite ist er aber ein wichtiges Tier, wenn es um den Schutz der Natur und anderer Tiere geht. Umso wichtiger ist es, dass alle Beteiligten von der Kommune über Naturschützer und Hessen Forst bis hin zu uns miteinander zu sprechen, vernünftig abwägen und einen Konsens finden", sagte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Im Fall der Teichanlage Wallersdorf ist das richtig gut gelaufen. "Das ist ein schönes Beispiel, wie es gehen kann, wenn alle an einem Strang ziehen", freute sich Weller. "Grebenau ist eine Vorzeigekommune", war er voll des Lobes.

Konsequente Entscheidungen für Natur und Sicherheit

Das hörten Bürgermeister Lars Wicke und der Umweltbeauftragte Arno Eifert natürlich gerne. Der Rathauschef lobte im Gegenzug die konsequenten Entscheidungen, die im Sinne der Sache gefallen sind. So wurde beispielsweise eine Hochspannungs-Freileitung, deren Mast mitten im Teich stand, zurückgebaut und die Leitung in die Erde gelegt. "Ohne den Biber wäre das sicher nicht so schnell möglich gewesen", war Lars Wicke überzeugt. Andererseits werden auch Entscheidungen getroffen, die dem Biber nicht gefallen, aber unabdingbar sind. Etwa, dass in Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde des Vogelsbergkreises ein Notüberlauf geschaffen wurde. Er wird von Hessen Forst immer wieder freigeräumt, damit sich das Wasser nicht zu hoch staut und weitere Flächen überflutet. "Bibermanagement bedeutet eben auch, einzugreifen, wenn größere Auswirkungen auf unsere Kulturlandschaft bestehen. Gehandelt werden muss außerdem, bevor beispielsweise Kläranlagen oder Verteilerkästen unter Wasser stehen", sagte Weller.

Wie der Biber die Landschaft neu gestaltet

An der Teichanlage Wallersdorf hat der Biber auf jeden Fall genug Freiraum und Platz, wie ein Blick über die Fläche beweist. Inzwischen ist die ursprüngliche Struktur der Anlage verschwunden. Der Biber hat fast alle Teiche zu einer Wasserfläche verbunden. "Der Biber macht kostenlos das, wofür an anderer Stelle im Zuge von Renaturierungen viel Geld ausgegeben wird", merkte Weller bei einem Rundgang an. Er machte auf etliche Besonderheiten aufmerksam, etwa den höchsten, ihm bekannten Biberdamm im Regierungsbezirk. Zweieinhalb Meter ist er hoch – "eine beachtliche Leistung". Was der Biber nicht leisten kann, übernehmen die Beschäftigten des Forstamts Romrod in Zusammenarbeit und enger Absprache mit dem Regierungspräsidium Gießen. Denn neben dem Ankauf der Flächen, den Hessen Forst abwickelte, soll die Teichanlage noch von Unrat und weiteren Dingen wie einer Hütte und einer Zaunanlage befreit werden.

"Das Projekt zeigt, dass es durchaus möglich ist, den Biber in unsere Kulturlandschaft zu integrieren. Es ist ein schönes Beispiel, welche positiven Auswirkungen das Vorkommen des Bibers auf Natur- und Artenschutz hat", betonte Sebastian Weller. Dank galt besonders Hessen Forst, beim Termin vertreten durch Forstamtsleiterin Annelie Bloß (Forstamt Romrod) und ihre Kollegin Maika Landes (Funktionsbeschäftigte Naturschutz), sowie der Stadt Grebenau für die Unterstützung.

Besonderer Dank ging an Bürgermeister Lars Wicke. "Er hat sich stark dafür eingesetzt, um den Ankauf weiterer Flächen voranzubringen." Dankesworte gab es auch vom Umweltbeauftragten Arno Eifert – diesmal in Richtung der Behörde. "Das Regierungspräsidium hat uns immer gut bei Artenschutzprojekten unterstützt – egal ob beim Biber, Eisvogel oder der Fledermaus." (js/pm)+++

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