Endlich ein Lichtblick

Bruchbude, Rohrbruch, Container - Bundespolizei-Revier an neuem Tiefpunkt

Rund ein Jahr nachdem der Polizeibeauftragte des Bundes das Bundespolizeirevier Fulda als "Tiefpunkt" seiner bundesweiten Besuchstour bezeichnet hatte, hat sich die Lage nicht verbessert - die Beamten mussten auf Container ausweichen.
Fotos: Marvin Myketin

03.06.2026 / FULDA - Rund ein Jahr nachdem der Polizeibeauftragte des Bundes das Bundespolizeirevier Fulda als "Tiefpunkt" seiner bundesweiten Besuchstour bezeichnet hatte, hat sich die Lage nicht verbessert - sie hat sich verschlechtert. Die Bundespolizei, die für die Sicherheit am Bahnhof zuständig ist, musste in Container umziehen. Doch jetzt ist erstmals konkret Besserung in Sicht.



Nach einem akuten Rohrbruch zog das Revier Anfang Mai notgedrungen in Container neben dem Bahnhofsgebäude um. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Michael Brand, der die Situation Ende April bei einem spontanen Besuch selbst in Augenschein genommen hatte, wird deutlich: "Mit einem Wort: unhaltbar. Da gibt es nichts zu beschönigen." Und: "Nicht nur bei den Bediensteten und den Bürgern, auch bei mir steigt der Aggregatzustand."

Ein Jahr nach dem Alarm - was hat sich getan?

Im August 2025 hatte Uli Grötsch (SPD), Polizeibeauftragter des Bundes, mit seinem Tätigkeitsbericht für Aufsehen gesorgt. Die zur Verfügung stehenden Diensträume am Fuldaer Bahnhof entsprächen "in keinster Weise den Anforderungen an Eigensicherung, Datenschutz oder geschweige denn einem akzeptablen Arbeitsumfeld für die Bundespolizei", hatte er geschrieben und Fulda als "Tiefpunkt" seiner Besichtigungstour eingestuft.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte daraufhin nach OSTHESSEN|NEWS-Informationen persönlich eingegriffen. Brand hatte das Thema am Rande einer Kabinettssitzung direkt angesprochen: "Ich bin froh, dass der neue Bundesinnenminister mir sofort eine ernsthafte Prüfung der Angelegenheit zugesagt hat." Ein Jahr später bestätigt die Bundespolizeidirektion Koblenz auf Anfrage von O|N, dass ihre Stellungnahme aus dem August 2025 "grundsätzlich weiterhin Bestand" habe. Grundlegend verändert hat sich an der Situation demnach nichts.

Hessentag als Belastungsprobe

Für den in wenigen Tagen anstehenden Hessentag - zu dem auch tausende Besucher per Bahn erwartet werden - sollen zeitnah zwei weitere Container aufgestellt werden. Zusätzlich stellt die Deutsche Bahn Konferenzräume zur Verfügung. Die Bundespolizei ist beim Hessentag für die Sicherheit auf dem Bahnhofsgelände zuständig - vor allem für die Abwicklung der An- und Abreise der erwarteten Massen. Die allgemeine Veranstaltungssicherheit liegt in Händen der hessischen Landespolizei.

Brand bezeichnet die Lage als Beleg für ein strukturelles Problem: "Es kann nicht sein, dass ganz offenkundig schwere Mängel so unfassbar langsam beseitigt werden, weil die eine Bürokratie die Verantwortung auf die andere Bürokratie schiebt." Er führe regelmäßigen Austausch mit Personal, der Direktion Koblenz, der Deutschen Bahn und den Gewerkschaften. "Die derzeitigen Räumlichkeiten am Bahnhof Fulda, die Enge, der Zustand entsprechen einfach nicht dem, was unsere Polizeikräfte in ihrem wichtigen Job verdienen."

Zeitplan: Container bis 2027, Neubau bis 2032

Laut Brand, der sich dabei ausdrücklich auf die Leitung des Bundesinnenministeriums beruft, sieht der aktuelle Fahrplan so aus: Bis Dezember 2027 soll eine vollständige Containeranlage inklusive Gewahrsamsbereich bezugsfertig sein - als Übergangslösung während der Gesamtsanierung. Ab Januar 2028 beginnen die Arbeiten am Bahnhof selbst.

Bis spätestens 2032 soll dann eine neue, dauerhafte Unterkunft für das Bundespolizeirevier entstehen - im Erdgeschoss des sanierten Empfangsgebäudes, mit nach BMI-Angaben "vorteilhafteren Flächen". Das Bundesinnenministerium bestätigt diese Eckdaten gegenüber unserer Redaktion schriftlich.

Deutsche Bahn spricht von "Zukunftsbahnhof" - ohne konkreten Plan

Auf Anfrage von O|N äußerte sich die Deutsche Bahn wenig konkret. Neue und erweiterte Räumlichkeiten für die Bundespolizei seien "ein fester Bestandteil des Nutzungskonzeptes für die ganzheitliche Modernisierung des Empfangsgebäudes zum Zukunftsbahnhof", erklärt eine Bahnsprecherin. Allerdings: "Die Planung befindet sich aktuell in der Vorbereitung." Auf die Fragen, seit wann das Unternehmen über die Mängel informiert sei, was bisher konkret unternommen wurde und bis wann mit Verbesserungen zu rechnen sei, antwortete die Bahn nicht.

Was am Bahnhof tatsächlich passiert, betrifft bisher ausschließlich die Bahnsteige: Seit März 2025 laufen Umbauarbeiten für rund 35 Millionen Euro - barrierefreie Modernisierung, neue Aufzüge, Beleuchtung. Das Empfangsgebäude selbst, in dem das Bundespolizeirevier untergebracht ist, ist davon nicht betroffen. Dessen Renovierung soll laut DB-Aussage beim Spatenstich im März 2025 im Anschluss an die laufenden Bauabschnitte beginnen.

Brand kündigt an, den Druck aufrechtzuerhalten: "Nach aller bisherigen Erfahrung wird man auch mal unangenehm werden müssen, aber darauf bin ich eingestellt. Bundespolizei und Bürger haben einfach einen Anspruch auf ordentliche Sicherheit und angemessene Arbeitsbedingungen am Bahnhof." (Moritz Bindewald) +++

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