Wird eine Lösung gefunden?

Vandalismus, Kosten und Kritik: Debatte um geschlossene Toilettenanlagen

Die Diskussion um öffentliche Toilettenanlagen sorgt in Bad Hersfeld weiter für politische Debatten.
Archivfoto: O|N / Stefanie Harth

29.05.2026 / BAD HERSFELD - Die Diskussion um öffentliche Toilettenanlagen in Bad Hersfeld hat die Stadtverordnetenversammlung erneut beschäftigt. CDU und SPD forderten in einem gemeinsamen Antrag die Wiederöffnung der Toilettenanlagen am Linggplatz sowie an der Vitalisstraße. Hintergrund sind Beschwerden über fehlende öffentliche Sanitäranlagen in der Innenstadt und Hemmschwellen bei der Nutzung der sogenannten "Netten Toilette" in gastronomischen Betrieben.



Am Ende verständigte sich die Stadtpolitik auf einen Kompromiss: Nun soll zunächst ein neues Konzept im Haupt- und Finanzausschuss erarbeitet werden.

Das Problem mit der "Netten Toilette"

Für die CDU sprach Stadtverordnete Marlene Moehle Assi - und hielt direkt ihre erste Rede in der Stadtverordnetenversammlung. Sie machte deutlich, dass öffentliche Toiletten aus Sicht ihrer Fraktion weit mehr seien als ein freiwilliges Zusatzangebot. "Öffentliche Sanitäranlagen erfüllen eine wichtige Aufgabe. Ihre Verfügbarkeit ist kein freiwilliger Komfort", erklärte sie. Besonders die Standorte am Linggplatz und an der Vitalisstraße hätten für viele Menschen eine wichtige Funktion.

Gerade ältere Menschen, Familien oder Spaziergänger seien auf frei zugängliche Toiletten angewiesen. "Eine Kur- und Festspielstadt sollte in dieser Hinsicht einen besseren Eindruck vermitteln", sagte Moehle Assi. Zudem gebe es weiterhin Hemmschwellen, gastronomische Betriebe ausschließlich zur Toilettennutzung aufzusuchen. Deshalb brauche die Stadt "funktionierende öffentliche Toilettenanlagen".

"Welches Signal" soll gesendet werden?

Zugleich räumte die CDU-Politikerin ein, dass die von der Verwaltung genannten Probleme ernst zu nehmen seien. Hohe Reinigungs- und Wartungskosten sowie wiederholter Vandalismus dürften nicht ignoriert werden. Aus Sicht der Antragsteller rechtfertigten diese Schwierigkeiten jedoch keine dauerhafte Schließung. Stattdessen brachte sie alternative Modelle ins Spiel - darunter saisonale Öffnungskonzepte, kostenpflichtige Zugangssysteme oder Videoüberwachung der Eingangsbereiche. "Am Ende muss sich die Stadtverordnetenversammlung fragen, welches Signal ausgesendet wird."

Auch FDP-Stadtverordneter Frank Berg unterstützte den Antrag grundsätzlich. Die "Nette Toilette" sei zwar "eine nette Idee", könne öffentliche Anlagen aber nur ergänzen. Seine Fraktion werde den Antrag deshalb mittragen.

Konzept erreicht nicht jeden

FWG-Politiker Jürgen Richter verwies unterdessen auf Gespräche mit Gästen der Stadt. Dabei habe sich gezeigt, dass das bestehende Konzept viele Menschen nicht erreiche.

Widerspruch kam dagegen von Andrea Zietz von Bündnis 90/Die Grünen. Sie verteidigte das Modell der "Netten Toilette" ausdrücklich. "Die Nette Toilette ist ein voller Erfolg", erklärte Zietz. Die früheren Anlagen hätten massiv unter Vandalismus gelitten. Teilweise seien Schäden beinahe täglich aufgetreten. Zudem gebe es ihrer Ansicht nach ausreichend teilnehmende Betriebe im direkten Umfeld der Innenstadt. Dem Antrag könne sie daher nicht zustimmen.

Bürgermeisterin schildert Probleme durch Vandalismus

Auch Bürgermeisterin Anke Hofmann schilderte die Schwierigkeiten der vergangenen Jahre. "Wir haben uns die Schließung der WC-Anlagen nicht leicht gemacht", sagte Hofmann. Vor allem am Linggplatz habe der Vandalismus "fast täglich" Schäden verursacht. Die Stadt habe irgendwann keine Möglichkeit mehr gesehen, dauerhaft einen akzeptablen Zustand sicherzustellen.

Gleichzeitig zeigte sich Hofmann offen für neue Überlegungen. Die Erfahrungen mit Öffnungen zu besonderen Veranstaltungen seien überwiegend positiv gewesen. Langfristig brauche es allerdings eine grundlegend neue Lösung. "Eine komplette Neukonzeption wäre notwendig - barrierefrei und ebenbürtig", sagte sie.

Im Laufe der Diskussion brachte der Ältestenrat schließlich einen Kompromissvorschlag ein. Demnach soll zunächst ein Konzept im Haupt- und Finanzausschuss erarbeitet werden. Erst danach soll über eine konkrete Wiederöffnung der Anlagen entschieden werden. Diesem Vorschlag stimmte die Stadtverordnetenversammlung schließlich einstimmig bei drei Enthaltungen zu. (Constantin von Butler) +++

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