Gärtner Diebel trotzt dem Klimawandel

Gesehen, probiert, gelungen: "Auf Sand gesetzt" kommt ohne Gießen aus

Auf Sand gesetzt: Jörg Diebels Staudenparadies
Fotos: Gerd Ochs

29.05.2026 / ALSFELD - Der Hattendorfer Garten- und Landschaftsbauer Jörg Diebel kombiniert viele Reisen mit seiner Lebensgefährtin Petra Neumann immer wieder mit seinen beruflichen Leidenschaften. Eine Fahrt nach England mit dem Besuch des Anwesens von Beth Chatto, der 2019 verstorbenen Gärtnerei-Ikone, sollte nun ein paar Jahre danach innovative gärtnerische Folgen im Alsfelder Stadtteil haben.



Angesichts des auch in unseren Breitengraden festzustellenden Phänomens der Klimaveränderung, in deren Folge Gärten zusehends mit weniger Regenwasser auskommen müssen, wurde Diebel in England von einer besonderen Fläche inspiriert.

Aus Parkplatz wird blühende Oase

Chatto hatte einen ehemaligen Parkplatz so bepflanzt, dass später kein Gießen erforderlich war und dennoch eine üppig sprießende Pflanzenvielfalt entstand. "Auf Sand gesetzt" bezeichnet Jörg Diebel seine heimische Umsetzung, mit der er vor zwei Jahren begann: eine ehemalige Lagerfläche seines großzügigen Grundstückes wandelte er zu einer Versuchsfläche um.

Auf eine 10 cm starke Schicht aus Estrichsand 0/8 brachte er mineralischen Mulch auf und wartete ab, was passiert. Diebel ist selbst überrascht vom Projekterfolg, dem krassen Gegenstück zu den berüchtigten Schottergärten: "90 Prozent weniger Pflege als in der vergleichbaren herkömmlichen Gartenfläche, eine prächtige Stauden- und Blütenvielfalt, ohne dass neben dem natürlichen Regen auch nur ein einziges Mal gegossen worden wäre", versichert er mit einem überzeugenden Lächeln.

Pflegeleichter Garten mit großer Wirkung

Die einzige Arbeit bestehe im nötigen Rückschnitt der Stauden im Herbst. Die wenigen verbleibenden Unkräuter seien durch den sandigen Untergrund mit Leichtigkeit herauszuziehen: ein Vorführbeispiel mit zwei Fingern bestätigt dies. In der Regel könnten heranfliegende Unkräuter gar nicht erst keimen, weil die steinige Oberfläche des Bodens zwar trockne, der darunter verborgene sandige Unterbau aber die Feuchte speichere.

"Irgendwas blüht immer: von den frühen Weinbergtulpen über Euphorbia (Wolfsmilchgewächse) hin zu Iris und Schnittlauch bis später zu Gaura, Eisenkraut und herbstlichen Gräsern", schwärmt Diebel von der zeitlichen Verteilung und der pflanzlichen Bandbreite. Die Fläche sei ideal zur Insektenbeobachtung: "Man sieht hier bestimmt zehn verschiedene Wildbienen und die schwarzblaue Holzbiene – es ist wirklich ein Ort zum Entspannen und Wohlfühlen!" Bemerkenswert an diesem Idyll ist auch, welche Veränderungen sich bei unterschiedlichen Lichtfaktoren ergeben – immer wieder werden neue Bilder und Stimmungen kreiert.

Schaugarten kann bald besichtigt werden

Wer sich von Jörg Diebels Idee vor Ort überzeugen möchte, dem sind konkrete Besuchsgelegenheiten geboten: der parkähnliche Garten des Anwesens Diebel / Neumann wird wieder im Rahmen des "Tages der offenen Gärten" am 13. und 14. Juni zu besichtigen sein; eine Liste der teilnehmenden Gärten mit Anschriften ist der Homepage des OGV Alsfeld zu entnehmen.

Da der Garten Diebel / Neumann aber auch Schaugarten des Verbandes "Natur im Garten" ist (der landesweit einzige zertifizierte Schaugarten – Sehen Sie hier!), bestehen nach Terminabsprache unter 06639 / 919151 auch weitere Besichtigungsmöglichkeiten. (goa) +++

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