Nach Angriffen auf jüdisches Leben

200.000 Euro gegen Antisemitismus: Hessen startet neues Polizei-Projekt

Innenminister Roman Poseck übergibt dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann, einen Förderbescheid in Höhe von 200.000 Euro.
Foto: Frank Zinn / HMdI

28.05.2026 / WIESBADEN - Mit einem neuen Projekt gegen Antisemitismus will Hessen gezielt die Polizeiarbeit stärken und jüdisches Leben besser schützen. Innenminister Roman Poseck (CDU) hat dafür jetzt einen Förderbescheid in Höhe von 200.000 Euro an den Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen übergeben.



Das Geld fließt in das Projekt "Shomer Shalom: Trainerinnen und Trainer für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus". Ziel ist es, innerhalb der Hessischen Polizei ein dauerhaftes Netzwerk speziell geschulter Ansprechpartner aufzubauen. Die Förderung erfolgt über das Landesprogramm "Hessen – aktiv für Demokratie und gegen Extremismus".

Poseck warnt vor wachsendem Antisemitismus

Bei einer Auftaktveranstaltung machte Poseck deutlich, warum das Projekt aus Sicht der Landesregierung notwendig ist. "Antisemitismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Seit dem 7. Oktober 2023 verzeichnen wir leider auch in Hessen einen massiven Anstieg antisemitischer Vorfälle. Das ist ein unerträglicher Zustand, dem wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln entgegentreten", erklärte der Innenminister.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Ausbildung von Polizeibeamten zu sogenannten Multiplikatoren. Sie sollen künftig in den einzelnen Polizeipräsidien Wissen zu Antisemitismusprävention weitergeben, Kolleginnen und Kollegen schulen und den Kontakt zu jüdischen Gemeinden stärken. Entwickelt wird das Konzept gemeinsam mit der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit.

Thema soll dauerhaft in der Polizei verankert werden

Poseck betonte dabei insbesondere die Rolle der Polizei im Umgang mit Betroffenen antisemitischer Vorfälle. "Unsere Polizisten sind oft die ersten Ansprechpartner für Betroffene antisemitischer Vorfälle. Es ist deshalb unser gemeinsamer Auftrag, sie mit dem notwendigen Wissen und den notwendigen Kompetenzen auszustatten, um sensibel, kompetent und unterstützend handeln zu können."

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt und soll strukturell innerhalb der Polizei verankert werden. Die Fortbildungen beschäftigen sich unter anderem mit jüdischem Leben in Deutschland und Hessen, Israelkenntnissen sowie muslimischen Perspektiven.

Land Hessen setzt Zeichen für jüdisches Leben

Der Innenminister bezeichnete den Förderbescheid zugleich als klares Signal des Landes Hessen. "Es ist ein Signal des Landes Hessen, dass wir jüdisches Leben in unserem Land nicht nur schützen, sondern sichtbar machen und stärken wollen. Jüdisches Leben ist eine große Bereicherung für unsere Gesellschaft", sagte Poseck.

Hessen setzt bereits seit mehreren Jahren auf unterschiedliche Maßnahmen gegen Antisemitismus. Dazu gehören unter anderem Bildungsprojekte, Beratungsangebote für Betroffene sowie finanzielle Unterstützung für die Sicherheit jüdischer Einrichtungen. Seit 2021 stellt das Land jährlich vier Millionen Euro für Schutzmaßnahmen bereit. (pm/cb) +++

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