Musik zwischen "Himmel und Erde"

Uraufführung der "Missa in B": Pfingstkonzert lockt viele Besucher an


Fotos: Gerhard Gilbert

26.05.2026 / TANN (RHÖN) - Zwischen Himmel und Erde lag am Abend des Pfingstsonntags vor allem eines: Musik. Und sie erfüllte die Stadtkirche Tann nicht nur akustisch, sondern auch atmosphärisch. Der Kirchenchor Tann unter Leitung von Thomas Nüdling, das Rathgeberensemble Fulda unter Leitung von Ulrich Moormann sowie mehrere Solisten präsentierten unter dem Titel "Himmel und Erde" ein Programm voller geistlicher Tiefe, musikalischer Vielfalt und konzertanter Lebendigkeit.



Bereits die festliche Eröffnung mit "Erfreue dich, Himmel, erfreue dich, Erde" setzte den Ton des Abends. Im Mittelpunkt des ersten Konzertteils stand Johann Sebastian Bachs Kantate "Lobe den Herren" BWV 137. Der Kirchenchor zeigte sich dabei agil, klanglich präsent und präzise geführt. Besonders die anspruchsvolle Polyphonie gelang eindrucksvoll und fügte sich stimmig in das fein gearbeitete Orchestergeflecht ein.

Solo-Künstler begeistern das Publikum

Die Solisten bereicherten das Werk mit großer Ausdruckskraft. Klara Golbach (Alt) gestaltete ihre Arie gemeinsam mit der Violine von Alwine Friedenstab mit Leichtigkeit und schwebender Klangqualität. Anna Ziert (Sopran) und Kilian Gottwald (Bass) überzeugten im Moll-Duett mit sensibler Gestaltung, während Constantin von Hertwig (Tenor) seine Arie mit klarer Linienführung sang. Getragen wurden die Arien von Julia Kim (Cello) und Ulrich Moormann (Orgel) als fein abgestimmter Continuogruppe.

Eine besondere Bereicherung war das Klavierkonzert in F-Dur von Johann Michael Bach, das vermutlich erstmals in Tann erklang. Das Werk überzeugte durch das elegante Wechselspiel zwischen solistischem Glanz von Thomas Nüdling an der Orgel und kammermusikalischer Feinzeichnung. Im "Adagio ma non troppo" entstand unter der Leitung von Ulrich Moormann ein beinahe kontemplativer Klangraum. Mozarts "Laudamus te" brachte lichte Virtuosität in das Programm; Anna Ziert führte die melodischen Linien mit großer Beweglichkeit und natürlicher Musikalität.

Mit Beethovens "Die Himmel rühmen" bewies der Chor seine Fähigkeit zur differenzierten Klanggestaltung. Besonders berührend gelang John Rutter "For the beauty of the earth", bei dem der Chor einen warmen, nuancenreichen Klang entfaltete.

"Missa in B" war das Highlight des Abends

Höhepunkt des Konzertabends war die Uraufführung der "Missa in B" von Thomas Nüdling. Die Messe offenbarte eine klare kompositorische Handschrift mit kantablen Linien und neoromantischer Harmonik. Während "Kyrie" und "Agnus Dei" durch expressive Tiefe beeindruckten, entfalteten "Gloria" und "Halleluja" mitreißende Energie. Das "Sanctus" eröffnete sphärische Klangräume. Der Kirchenchor Tann bewältigte die anspruchsvolle Partitur mit großer Konzentration und hörbarer Hingabe. Chor, Solisten und Orchester bildeten dabei eine geschlossene musikalische Einheit. Thomas Nüdling überzeugte zudem als Dirigent mit klarer Zeichengebung und sicherem Gespür für musikalische Spannungsbögen.

Einen theologischen Impuls setzte Prof. Dr. Christoph Gregor Müller. Ausgehend vom Landschaftsbild der Rhön auf den Konzertplakaten deutete er das Motto "Himmel und Erde" als Bild menschlicher Existenz zwischen Bodenständigkeit und Offenheit nach oben. Gemeinsam mit Pfarrer Klaus-Dieter Inerle spendete Müller am Ende des Konzerts den Segen. Inerle verwies bereits in seiner Begrüßung darauf, dass Thomas Nüdling den Kirchenchor seit 25 Jahren leite, und dankte ihm für sein Engagement.

Langanhaltender Applaus dankte schließlich allen Beteiligten für einen Konzertabend, der musikalischen Anspruch, spirituelle Tiefe und menschliche Wärme eindrucksvoll miteinander verband. Mit der Zugabe "Vater, unser Vater" klang der Abend stimmungsvoll aus. (pg/pm) +++

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