"Für ein Europa, das Zusammenhält"

Europaminister Pentz in der Ukraine: Hessen und Kiew besiegeln Partnerschaft

Mit der Unterzeichnung des MoU besiegelte der Europaminister die Zukunfstspartnerschaft zwischen Kiew und Hessen.
Fotos: Hessische Staatskanzlei/Barbara Kleeblatt/Privat

26.05.2026 / WIESBADEN - Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die geopolitische Ordnung Europas verändert – dauerhaft. Er hat klargemacht, dass Stabilität auf dem Kontinent nicht selbstverständlich ist, sondern aktiv gesichert werden muss. Solidarität allein reicht dafür nicht. Was Europa jetzt braucht, sind konkrete, dauerhafte Partnerschaften – die aus Worten Wirklichkeit machen.



Hessen und die ukrainische Oblast Kiew haben deshalb ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Europaminister Manfred Pentz reiste dafür auf Einladung des Gouverneurs der Oblast Kiew, Mykola Kalashnyk, in die Ukraine und unterzeichnete das MoU gemeinsam mit ihm in Kiew. OSTHESSEN|NEWS konnte darüber am Pfingstmontag exklusiv mit dem Europaminister sprechen.

"Was der Ukraine nützt, nützt Europa"

"Die Ukraine ist ein europäisches Land – und sie kämpft für Werte, die uns alle ausmachen. Diese Partnerschaft ist unser Bekenntnis: Wir stehen nicht am Rand, wir engagieren uns. Hessen übernimmt diese Verantwortung nicht aus Pflichtgefühl. Sondern weil wir überzeugt sind: Was der Ukraine nützt, nützt Europa. Und was Europa stärkt, stärkt Hessen", betonte Manfred Pentz

Für Mykola Kalashnyk, Gouverneur der Region Kiew, ist die Unterzeichnung des Abkommens ein bedeutendes Signal. "Für uns ist es wichtig, dass internationale Partner die Ukraine heute nicht nur mit Worten unterstützen, sondern auch in die Region Kiew kommen, um mit eigenen Augen die Folgen der russischen Aggression und die Art und Weise, wie sich unsere Gemeinden erholen und weiterleben, zu sehen", so Kalashnyk.

In der Erklärung zum Aufbau und der Erhaltung der partnerschaftlichen Beziehungen liegt der Fokus vor allem auf gegenseitigem Respekt und dem Willen, die Beziehungen zu vertiefen. Insbesondere in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung und Heranführung der Ukraine an die EU möchte man sich weiterentwickeln. Aber auch das Gesundheitswesen und die Abwehr hybrider Bedrohungen, sowie Cybersicherheit sind wichtige Punkte der Vereinbarung. Die Kooperation soll durch Dialog und Delegationsbesuche, sowie gemeinsame Projekte gestaltet werden.

Besuche in Irpin und Butscha

Während des Besuchs des Hessischen Europaministers, Manfred Pentz, wurden unter anderem die Städte Irpin und Butscha besucht – Orte, die weltweit zu Symbolen für die Unbesiegbarkeit der Ukraine geworden sind. "Ich danke dem Land Hessen für seine Unterstützung, Solidarität und Bereitschaft, die Zusammenarbeit mit der Region Kiew auszubauen", hob der Gouverneur hervor.

Die Unterzeichnung des Memorandums sei zudem ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung unserer Partnerschaft und der gemeinsamen Arbeit am Wiederaufbau und der Entwicklung der Gemeinden.

Die Ukraine zu unterstützen ist ein Gemeinschaftsprojekt

Der Wiederaufbau der Ukraine wird eine der größten Investitionsaufgaben Europas in den kommenden Jahrzehnten sein. Hessische Unternehmen – in Infrastruktur, Logistik, Finanzdienstleistungen und digitalen Technologien – bringen genau die Expertise mit, die dafür gebraucht wird. Wer jetzt Vertrauen aufbaut, ist schon morgen als Partner gesetzt. Zugleich eröffnet eine enge Vernetzung mit einer reformorientierten, sich entwickelnden Wirtschaftsregion wie der Oblast Kiew neue Märkte und stärkt die Resilienz hessischer Unternehmen gegenüber einseitigen Abhängigkeiten – eine Lehre, die Europa aus den vergangenen Jahren ziehen musste.

Die Europäische Union hat mit dem Beitrittsprozess der Ukraine zudem ein politisches Signal gesetzt. Regionalpartnerschaften wie die zwischen Hessen und Kiew füllen es mit Substanz. Sie schaffen Vertrauen, wo Institutionen allein nicht reichen. Hessen versteht das MoU mit der Oblast Kiew als langfristige Investition – in die Stabilität Europas, in wirtschaftliche Chancen und in eine Partnerschaft, die trägt.

Aktuell leben rund 100.000 ukrainische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger in Hessen. Sie bilden die zweitgrößte Gruppe ausländischer Bürgerinnen und Bürger im Land. Die neue Partnerschaft sendet deshalb auch ein klares Signal: Hessen bleibt ein verlässlicher Partner an der Seite der Ukraine.

Hessen ist seit Beginn des Angriffskrieges ein starker Partner

Neben der Unterzeichnung der Absichtserklärung nahm Minister Pentz zahlreiche weitere Termine in der Ukraine wahr. So tauschte er sich unter anderem mit Rostyslaw Ohrysko aus, dem stellvertretenden Minister für Europa. Treffen gab es auch mit Vitali Klitschko, dem Bürgermeister der Stadt Kiew und Abgeordneten aus dem ukrainischen Parlament.

Hessen hat sich unmittelbar nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine für den Aufbau einer regionalen Partnerschaft mit einer ukrainischen Oblast ausgesprochen und dies im bestehenden Koalitionsvertrag festgeschrieben. Die Oblast Kiew zählt mit über 1,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern sowie mehr als 3.000 Unternehmen zu den wirtschaftsstärksten Regionen der Ukraine. Wie Hessen legt sie Wert auf eine nachhaltige Zusammenarbeit, die über den Wiederaufbau hinausgeht.

Das Bundesland pflegt außerdem weitere lebendige Regionalpartnerschaften mit Wielkopolska (Polen), Nouvelle-Aquitaine (Frankreich), Bursa (Türkei), Emilia-Romagna (Italien), Vojvodina (Serbien) und Wisconsin (USA). (pg/pm) +++

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