Manfred Pentz über seine Erlebnisse

Mitten im Raketenhagel: Hessens Europaminister erlebt Kiews Kriegsrealität

Hessens Europaminister Manfred Pentz reiste für einige Tage in die ukrainische Hauptstadt Kiew - und erlebte bereits bei seiner Ankunft die brutale Realität des russischen Angriffskriegs. Hier schildert er OSTHESSEN|NEWS seine Eindrücke von vor Ort.
Fotos: privat / Kiew / Staatskanzlei

26.05.2026 / KIEW - Unter höchster Geheimhaltungsstufe ist Hessens Europaminister Manfred Pentz (CDU) am Samstag für einige Tage in die ukrainische Hauptstadt Kiew gereist - und erlebte bereits bei seiner Ankunft die brutale Realität des russischen Angriffskriegs.


"Es war ein massiver Angriff mit schwersten Zerstörungen - die Alarm‑App hat immer wieder angeschlagen", schilderte der Staatsminister am Pfingstmontag im exklusiven Telefongespräch mit OSTHESSEN|NEWS-Chef Christian P. Stadtfeld seine persönlichen Eindrücke. Während der Nachtzug des Politikers aus Polen die Grenze passierte, liefen bereits massive Raketen‑ und Drohnenangriffe auf die Hauptstadt.



Am nächsten Tag sah Pentz die Verwüstungen in Kiew mit eigenen Augen und sagte: "Es waren Wohnhäuser, ein Wochenmarkt, Shoppingcenter betroffen und an vielen Stellen qualmte es - wirklich sehr, sehr schlimm. Da stellt man sich die Frage, was das noch mit Infrastruktur und militärischen Einrichtungen zu tun hat." Mehrere Menschen seien dabei erneut ums Leben gekommen.

"Wir leben auf der Sahne der Welt. Manchmal weiß man das gar nicht mehr zu schätzen"


Die Eindrücke vor Ort haben den Minister tief bewegt. "Es ist einfach eine andere Welt. Wir in Hessen können uns das gar nicht real vorstellen." Trotz der ständigen Bedrohung versuchten die Menschen, ihren Alltag aufrechtzuerhalten. Besonders erschüttert zeigte sich Manfred Pentz nach einem Besuch in Butscha: "Diese Massaker, die Auswirkungen - das ist so unvorstellbar für unsere Welt in Hessen - in ganz Deutschland - dass man es kaum in Worte fassen kann." Diese Bilder erinnerten ihn an den Balkankrieg, den er als Kind miterlebte.

In Kiew unterzeichnete Minister Pentz ein "Memorandum of Understanding" mit der Oblast Kiew - ein Schritt, der wirtschaftliche Zusammenarbeit und langfristige Partnerschaft stärken soll. "Diese Absichtserklärung ist mehr als nur ein Stück Papier, sie mündet in eine Partnerschaft, die wir im Koalitionsvertrag verankert haben", betonte der 46 Jahre alte Christdemokrat im Gespräch mit O|N. Hessen wolle seine Expertise im Finanzsektor, in der Logistik und beim Wiederaufbau von Infrastruktur einbringen - auch ein klares Ziel von Regierungschef Boris Rhein (CDU). Gleichzeitig sieht Pentz große Chancen für Unternehmen aus der Region: "Die deutsche Wirtschaft wird hier immer noch sehr hoch gehalten." Auch Zukunftsthemen wie Drohnentechnologie, Städtepartnerschaften und Jugendaustausch sollen künftig stärker in den Fokus rücken.

Zum Abschluss seiner Reise in die Ukraine sprach Pentz von gemischten Gefühlen. "Tagsüber wirkt hier vieles normal - aber die Bedrohung ist immer da." Der Kontrast zu Hessen ist für ihn enorm: "Wir leben auf der Sahne der Welt. Manchmal weiß man das gar nicht mehr zu schätzen." Die Ukrainer kämpften nicht nur für ihr Land, sondern "für ganz Europa". Mit diesem Eindruck und dem Wunsch, die neue Partnerschaft langfristig zu pflegen, tritt der Minister die Rückreise an - zuvor steht aber noch ein Treffen mit Kiews Oberbürgermeister Vitali Klitschko auf dem vertraulichen Programm. Am Dienstag wird Pentz wieder in Hessen sein. (Mia Schmitt) +++

Hinweis: Aus Sicherheitsgründen konnte OSTHESSEN|NEWS über das Telefon-Interview mit Minister Manfred Pentz nicht aktuell berichten.

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