Glaube zum Spüren
Hier klingt Kirche anders: Open-Air-Lobpreis zieht Hunderte in seinen Bann
Pfingsten Open Air in Eiterfeld
Fotos: Bernd Vogt
26.05.2026 / EITERFELD -
Wenn in Eiterfeld (Kreis Fulda) am Pfingstsonntag Musik, Licht und hunderte Stimmen über den Platz vor der Pfarrkirche St. Georg ziehen, entsteht eine Stimmung, die selbst Menschen überrascht, die mit Kirche sonst eher wenig anfangen können. Das Open-Air-Lobpreisfestival hat sich zu einem Ereignis entwickelt, das weit über Glaubensfragen hinaus berührt - ein Abend voller Emotion, Gemeinschaft und einer Atmosphäre, die man so nicht erwartete.
"Modernes – aktuelle Lobpreismusik, modernste Bühnen- und Lichttechnik, einfachere Sprache – wird mit jahrhundertealten Traditionen der Kirche in wundersamer Weise in Einklang gebracht. Das sind keine Gegensätze", erklärte Organisatorin Maria Weiss im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Genau diese Verbindung aus zeitgemäßer Gestaltung und kirchlicher Tiefe mache den besonderen Reiz aus.
Hier die Namen aller talentierten Künstlerinnen und Künstler, die am Sonntagabend Gänsehaut bereiteten: Als Sängerinnen traten Hanna Frank, Lilli Zentgraf und Carolin Hoffmann auf. An der Gitarre begleitete sie Chris Rommel, am Bass Michael Wehner, am Schlagzeug Immanol Hartmann und am Piano Marias Mann und Organisator Benjamin Weiss.
Atmosphäre, die unter die Haut geht
Der Platz vor St. Georg wurde am Abend in Farben und Lichter getaucht, die Musik reichte von "fetzig, fröhlich bis mystisch und emotional". Die Band schuf eine Atmosphäre, die viele Besucher tief bewegte. "Das muss man einmal erlebt haben", sagte Weiss. Ein besonderes Highlight ist jedes Jahr die Eucharistische Anbetung: Jesus wird in einer kleinen Monstranz, begleitet von Kindern und Jugendlichen mit Fackeln, durch die Menge bis zur Bühne getragen. "Dann ist für uns alle klar: Jetzt ist Jesus ganz gegenwärtig und schaut uns an. Jeden Einzelnen."
Dass das Festival immer unter freiem Himmel stattfindet, ist kein Zufall. Viele Menschen hätten Hemmungen, einen Kirchenraum zu betreten, so die Organisatorin. "Das offene Format ermöglicht suchenden, kirchenfernen Menschen, Teil dieser großen Community aus fröhlichen und feiernden Menschen zu sein." Vorurteile können so schnell abgebaut werden - Kirche wird hier anders erlebt als erwartet.
Musik als Türöffner für das Herz
Für Weiss ist dieser Lobpreis weit mehr als Musik: "Lobpreis bedeutet für uns, in Musik, Gesang und Anbetung auszudrücken, wie groß, schön und gut Gott ist. Keine Bühnenshow, sondern tiefes gesungenes Gebet." Immer wieder erlebten sie, wie Menschen während der Lieder in Tränen ausbrechen - aus Freude, Trauer oder Dankbarkeit. "Die Musik ist ein echter Herzensöffner. Durch diesen Spalt kann Jesus eintreten - und ein neues Lebenskapitel kann beginnen."
Viele Rückmeldungen bewegen das ehrenamtliche Team tief. "Der Begriff Ehrenamt passt hier eigentlich nicht. Alle brennen im Herzen für die Sache", sagte sie. Weiss erzählt von einem Großvater, der nach dem Abend beschloss, seine Enkel wieder öfter mit in die Kirche zu nehmen. Oder von einer Witwe, deren sterbender Mann die Klänge des Lobpreises aus dem Fenster hörte: "Er starb ruhig und innerlich vorbereitet wenige Stunden nach Ende des Lobpreises". Auch eine junge Pilgerin aus Hamburg, die zufällig am Pfingsttag in Eiterfeld ankam, fand spontan Unterkunft bei Besuchern. "Das war echte Gastfreundschaft", hieß es.
Doch wie geht es in Zukunft weiter? "Wir leben von Lobpreis zu Lobpreis und fragen immer wieder: Was will Gott?", erklärte die Organisatorin gegenüber O|N. Wachstum sei ein Geschenk – und kein Ziel, das man strategisch plane.
"Wir glauben ganz fest daran, dass ein solcher Abend lebensverändernd sein kann"
Für alle, die noch nie dabei waren, hat Weiß eine klare Botschaft: "Wir glauben ganz fest daran, dass ein solcher Abend lebensverändernd sein kann." Und selbst wer keine unmittelbare Glaubenserfahrung mache, erlebe "einen wunderschönen Abend aus guter Musik, toller Stimmung und fröhlichen Menschen". Auch am Sonntagabend begeisterten die Sängerinnen und Sänger mit ihren Auftritten. Für alle vor Ort ist klar: Das muss man unbedingt erlebt und gespürt haben.
Am Pfingstsonntag zeigt sich in Eiterfeld ein Bild von Kirche, das viele überrascht - offen, herzlich, lebendig. Oder wie Weiss es zusammenfasste: "Hier erleben Menschen in dieser einen Stunde ein völlig anderes Bild von Kirche." (mis) +++