Immer mehr Schulabbrecher

Keine Lust zu lernen? - Wie man sich und andere motivieren kann

Die Lust am Lernen kommt offenbar immer mehr Schülern abhanden.
Symbolbild: pixabay

26.05.2026 / REGION - "Wer kommt an die Tafel und löst diese Aufgabe?", fragt der Lehrer. Doch niemand meldet sich freiwillig, es herrscht drückendes Schweigen im Raum. Was ist nur los an unseren Schulen? Die Noten fallen im Durchschnitt immer weiter ab und die Ergebnisse der PISA-Studie für Deutschland verschlechtern sich weiter. Offenbar verlieren immer mehr Schüler die Lust am Lernen. Woran liegt das und was kann man dagegen tun? Warum sind viele Schüler unzufrieden?


Tatsache ist: Immer mehr Jugendliche brechen die Schule ohne einen allgemeinbildenden Schulabschluss nach der neunten Klasse ab. Die fünf Bundesländer mit der höchsten Abbrecherquote haben jeweils die 10-Prozent-Marke geknackt. Das Bundesland mit der höchsten Abbrecherquote ist zurzeit Sachsen-Anhalt mit gut 13 Prozent.

Die meisten Lehrer bemühen sich, den Unterricht für Schüler wieder spannender zu machen, doch ein Patentrezept, wie man alle Jugendlichen mehr motiviert, gibt es nicht. Was wollen denn die lernmüden Schüler eigentlich? Wie stellen sie sich einen interessanten Unterricht vor? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, haben wir mehr als ein Dutzend Schüler verschiedener Schulen unterschiedlichen Alters dazu befragt.

David, ein 13-jähriger Gymnasiast mit einem 1,6-Notendurchschnitt, beschreibt, dass er häufig schon nach kurzer Zeit die Lust am Lernen verliert, und wünscht sich weniger Leistungsdruck durch die Lehrer und mehr praktische Arbeiten im Unterricht. Er meint, ihn würden Belohnungen von Eltern und von der Schule zum Lernen motivieren. "Zum Beispiel könnten die Schulen die Klasse mit den besten Noten vor den Ferien in einen Freizeitpark einladen."

Mehr Zeit, weniger Druck

Lilli, eine 14-jährige Realschülerin mit einem Schnitt von 1,7, beschreibt, dass sie durch das jetzige System zu viel Leistungsdruck verspürt und in näherer Zukunft auf "ein ausbalancierteres Schulsystem" hofft. Mehr Zeit für den Schulstoff, weniger Druck und die Vermittlung von Themen, die etwas mit ihrem eigenen Alltag zu tun haben. Von den Lehrern erhofft sie sich mehr Verständnis dafür, dass Schüler oft länger brauchen, um den Stoff zu verstehen. Sie betont aber auch, dass viele Lehrer diese Kompetenz schon besitzen.

Emma, eine 15-jährige Realschülerin mit einem 2,9-Schnitt, beschreibt, dass sie sich mehr Benotung, zum Beispiel durch Tests, wünscht, da sie so leichter schlechte Arbeiten oder geringe mündliche Mitarbeit ausgleichen könnte. "Mit mehr Lehrstoff mit Bezug auf mein künftiges Leben wäre ich auch im Unterricht motivierter."

"Bitte keine runterziehenden Kommentare nach schlechten Noten!"

Jannis, ein 18-Jähriger, der in der 11. Klasse die Schule abgebrochen hat und sich jetzt in einer Ausbildung zum Informatiker befindet, beschreibt, dass er aus der Schule ausgestiegen ist, da er - genau wie viele andere Befragte - keinen Bezug des Lehrstoffs zum realen Leben gesehen hat. Zudem erzählt er, dass er sich mehr motivierte Lehrer gewünscht hätte, die den Schüler durch Feedback unterstützen. "Negative Kommentare nach schulischen Misserfolgen statt einer Fehleranalyse und Ermutigung ziehen einen runter. Das ist dann wirklich demotivierend."

Als Fazit kann man festhalten, dass die von uns Befragten darin übereinstimmen, dass es mehr Unterricht mit Bezug zu ihrer eigenen Realität geben sollte. Auch wünschen sich die meisten von ihnen, dass Lehrer mehr Rücksicht auf die individuellen Schwächen nehmen würden, da jedes Kind und jeder Jugendliche unterschiedlich viel Zeit benötigt, um ein Thema zu verstehen. "Ich wünsche mir, dass der Unterricht mehr mit mir und meiner Realität zu tun hätte - einfach freier und interaktiver gestaltet würde. Dann hätten wir alle mehr Spaß am Lernen", fasst Karl zusammen. (Lennart Stauch) +++

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