Tagung bei der RhönEnergie

Energiewirtschaft schlägt Alarm: "Bürokratie bremst die Energiewende aus"

Aus Fulda gehen Impulse in die Branche! (v.l.n.r.) Dr. Oliver Malerius, LDEW-Vorsitzender für Rheinland-Pfalz, Martina Butz, hessische Vorsitzende des LDEW und Dr. Arnt Meyer, Geschäftsführer der RhönEnergie
Fotos: Moritz Pappert

20.05.2026 / FULDA - Die Energiewirtschaft in Hessen und Rheinland-Pfalz schlägt Alarm: Nach Ansicht des Landesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz (LDEW) bremsen immer umfangreichere Vorschriften und langwierige Genehmigungsverfahren die Umsetzung der Energiewende massiv aus. Bei der Jahrestagung des Verbandes am 20. und 21. Mai in Fulda, in den Räumlichkeiten der RhönEnergie, fordern die Unternehmen deshalb schnellere Verfahren, weniger Berichtspflichten und mehr Handlungsspielräume für Behörden. Außerdem wird ein neuer Vorstand gewählt.



"Die Unternehmen sollen Milliarden investieren und gleichzeitig die Energiewende umsetzen. Doch Projekte werden durch Bürokratie und fehlende Entscheidungen blockiert", kritisiert Martina Butz, hessische Vorsitzende des LDEW und Geschäftsführerin der Stadtwerke Hanau.

"Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Energie für unsere Kunden auch bezahlbar bleibt. Und dazu gehört ein Punkt, dass wir Bürokratie abbauen und dass wir die Verwaltung effizienter gestalten. Dann wird es auch letztendlich günstiger für die Kunden", ergänzt Dr. Oliver Malerius, LDEW-Vorsitzender für Rheinland-Pfalz und Vorstand der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG.

"Deutschland hat kein Investitionsproblem, sondern ein Umsetzungsproblem"

Besonders problematisch seien laut Verband langwierige Genehmigungen im Immissionsschutz- und Wasserrecht sowie stetig wachsende Dokumentations- und Berichtspflichten. Nach Angaben des LDEW müssen Energieunternehmen inzwischen mehr als 15.000 Einzelnormen beachten. "Deutschland hat kein Investitionsproblem, sondern ein Umsetzungsproblem", erklärt Dr. Oliver Malerius. "Wenn Genehmigungen Jahre dauern, gefährdet das die Energiewende."

Wie stark die Bürokratie den Alltag der Versorger belastet, zeigt sich anhand konkreter Beispiele der RhönEnergie für die Region. So verlangen die EU-Nachhaltigkeitsstandards mittlerweile die Dokumentation von mehr als 1.100 Datenpunkten. Viele Unternehmen hätten dafür zusätzliches Personal einstellen müssen.

Auch bei der Biomethan-Anlage in Kleinlüder besteht laut RhönEnergie erheblicher Verwaltungsaufwand. Die Anlage müsse nicht nur doppelt oder dreifach, sondern gleich in fünf verschiedenen Registern erfasst werden. Hinzu kommen umfangreiche Berichtspflichten gegenüber Behörden: Für den jährlichen Monitoringbericht von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt müssen Energieunternehmen mehr als 300 Fragen beantworten – unabhängig von ihrer Unternehmensgröße.

"Fuldaer Erklärung" wird verabschiedet

Als weiteres Beispiel nennt der Verband ein Bauprojekt in Hofbieber-Langenbieber. Dort sollte allein die verkehrsrechtliche Anordnung für die Verstärkung von 200 Metern Kabel im Gehweg – etwa für Halteverbote und Verkehrsregelungen – rund 20.000 Euro kosten. Zusätzlich müssten Bodengutachten bereits nach sechs Monaten erneuert werden, obwohl sich die Bodenverhältnisse nicht verändert hätten. Auch vergleichsweise kleine Gewässer könnten umfangreiche Verfahren auslösen: Für Leitungsquerungen am nahezu trockenen Flutgraben Blankenbach in Kalbach seien aufwendige wasserrechtliche Genehmigungen erforderlich gewesen.

Der LDEW will deshalb bei seiner Tagung in Fulda eine sogenannte "Fuldaer Erklärung" verabschieden. Darin fordert der Verband unter anderem verbindliche Fristen für Behörden, schlankere Verfahren, weniger Berichtspflichten und mehr digitale Standardprozesse. (Moritz Pappert) +++

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