"Anlass zum Nachdenken und Beteiligen"

Erster Ehrentag des Grundgesetzes: Hochschule startet Demokratie‑Aktion

Die Hochschule Fulda zeigt mit einem zweiwöchigen Programm zum ersten Ehrentag des Grundgesetzes, wie wichtig demokratische Werte sind und dass Demokratie nur funktioniert, wenn Menschen aktiv mitmachen und ihre Stimme einbringen.
Fotos: O|N / Marvin Myketin

19.05.2026 / FULDA - Die Würde des Menschen, Gleichberechtigung, die Bekämpfung von Rassismus - all das und noch viel mehr sind Themen unseres Grundgesetzes, Grundpfeiler unserer Demokratie. Wie lebendig Demokratie sein kann, zeigt die Hochschule Fulda in den kommenden Tagen eindrucksvoll. Rund um den ersten Ehrentag des Grundgesetzes lädt sie zu einem zweiwöchigen Programm ein, das zeigt: Demokratie braucht Menschen, die sich einbringen - und Orte, an denen sie das ausleben können.



Bundespräsident Frank‑Walter Steinmeier hatte die Initiative ins Leben gerufen, um Menschen in ganz Deutschland zusammenzubringen und die Bedeutung demokratischer Werte stärker ins Bewusstsein zu rücken. Unter dem Motto "Demokratie braucht Engagement - jeden Tag" lädt die Hochschule von Montag bis zum 1. Juni zu Vorträgen, Mitmach‑Aktionen und Diskussionen ein. Vizepräsidentin der Hochschule, Professorin Dr. Martina Ritter, betont im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS: "Der Ehrentag ist daher nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch zum Nachdenken und Beteiligen."

"Das Grundgesetz ermöglicht unser Zusammenleben in Vielfalt - und es muss weiterentwickelt werden", so Ritter. Themen wie Migration, Klimaschutz oder Gleichberechtigung würden in der heutigen Zeit neue Fragen an die Verfassung stellen. Die Hochschule wolle Studierende ermutigen, sich mit diesen Herausforderungen auseinanderzusetzen und eigene Positionen zu formulieren. So hat die Hochschule einen klaren Bildungsauftrag: Studierende sollen verstehen, dass sie aktiv an demokratischen Prozessen teilnehmen können und sollen.

Auftakt mit Impulsen und Mitmach‑Aktionen

Zum Auftakt am Montagnachmittag boten die Professoren des Fachbereichs Sozialwesen Cengiz Barskanmaz und Susanne Dern in der Hochschul‑, Landes‑ und Stadtbibliothek (HLSB) einen Einblick in verschiedene Impulse rund um Würde, Migration, Klimaschutz und Gewaltenteilung - alles, was in Verbindung mit dem Grundgesetz steht.

So sprach Barskanmaz in seinem Impuls über die Stärke der deutschen Verfassung und die Bedeutung der Menschenwürde als oberstem Prinzip. Anhand aktueller Fälle zeigte er, wie Grundrechte im Alltag wirken - etwa wenn rassistische Beleidigungen nicht durch Meinungsfreiheit gedeckt sind. "Affenlaute gegenüber anderen Menschen zu äußern nur wegen einer anderen Geschichte ist keine Meinungsfreiheit, sondern ein Angriff auf ihre Würde und somit ein Gesetzesbruch. Die Kündigung dieses Mannes bei seinem Arbeitgeber war also vollkommen legitim", erklärte der gebürtige Belgier.

Dern richtete den Blick auf Gleichberechtigung, Klimaschutz und die Zukunftsfähigkeit des Grundgesetzes. Sie erinnerte daran, dass es bis in die 1990er‑Jahre dauerte, bis die Gleichberechtigung tatsächlich in der Verfassung verankert wurde. Auch der Klimaschutz habe erst in den 2000er‑Jahren Verfassungsrang erhalten. Zu Ritters Frage, welche Bedeutung die Gewaltenteilung habe, sagte sie: "Die Balance muss stimmen. Es geht um wechselseitige Kontrolle. Aktuell gerät die Balance ins Wanken und muss geschützt werden." Das Prinzip rund um Legislative (Gesetzgebung), Exekutive (ausführende Gewalt) und Judikative (Rechtsprechung) klinge gut, müsse aber mit Leben gefüllt werden.

Viele Bereiche der Hochschule mit verschiedenen Aktionen beteiligt

An dem Programm wirken zahlreiche Abteilungen mit - darunter Chancengleichheit und Diversity, Forschung und Transfer, Wissenschaftskommunikation und das International Office. Gemeinsam wollen sie Studierende dazu ermutigen, ihre Meinungen, Reflexionen und Fragen einzubringen.

In den kommenden Tagen werden die Menschen eingeladen, selbst aktiv zu werden - etwa bei einer Postkarten‑Aktion, die an die historische Kampagne von Elisabeth Selbert erinnert. Die Kasseler Juristin setzte 1948 mit einer Postkarten‑ und Telegrammflut durch, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ins Grundgesetz aufgenommen wurde. Auch ein Wertebaum, an dem Besucherinnen und Besucher ihre wichtigsten demokratischen Werte notieren können, gehört zum Programm.

Demokratie braucht Beteiligung

Für die Vizepräsidentin der Hochschule ist klar: Demokratie lebt vom Mitmachen. Studierende sollen aus den Veranstaltungen mitnehmen, dass Diskussionen, Streit und unterschiedliche Perspektiven dazugehören - und dass jede und jeder Verantwortung trägt, demokratische Werte zu schützen. "Wir müssen aufhören, Demokratie schlechtzureden", machte sie gegenüber O|N deutlich. "Sie schützt uns - und wir müssen sie schützen." (mis) +++

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