Ein Ort der Menschlichkeit

Auf den Spuren von Wilm Hosenfeld in Warschau, Niepodległości-Allee 223

Wie gut, dass seit 2011 eine Gedenktafel und eine Kunstinstallation an die Ereignisse in diesem Haus erinnern
Fotos: privat

17.05.2026 / FULDA/WARSCHAU - Im Juli 2022 war Dr. Jorinde Krejci, Tochter des Wehrmachtsoffiziers Wilm Hosenfeld, im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Unbekannte Nachbarn" zu Gast in der Historischen Rabbinervilla in Fulda. Gemeinsam mit dem israelischen Filmemacher Chanoch Ze'evi, dem früheren Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller, dem damaligen Fuldaer Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler und Ingeborg Kropp-Arend, der Eigentümerin des Hauses, tauchten die Gäste der Veranstaltung in die außergewöhnliche Lebensgeschichte des aus Mackenzell stammenden und als Schulleiter in Thalau tätigen Hauptmanns ein, der dem Pianisten des Polnischen Rundfunks, Władysław Szpilman, im Winter 1944/45 im von deutschen Truppen besetzten Warschau das Leben rettete.



Diese Rettung geschah in dem Mietshaus Niepodległości-Allee 223 im Warschauer Stadtteil Ochota, wo Szpilman mit der mutigen Unterstützung Wilm Hosenfelds bis zur Befreiung Warschaus durch die Rote Armee im Januar 1945 versteckt blieb und so den Krieg überlebte. Roman Polański hat dieser Geschichte mit dem mehrfach ausgezeichneten Film (unter anderem drei Oscars) "Der Pianist" ein eindrückliches Denkmal gesetzt.

Ingeborg Kropp-Arend hat jetzt diesen historischen Ort persönlich besuchen können und sich damit selbst einen großen Wunsch erfüllt. Wie gut, dass seit 2011 eine Gedenktafel und eine Kunstinstallation an die Ereignisse in diesem Haus erinnern: Ein Stück Menschlichkeit und Güte in Zeiten der Gewalt und des Terrors.

Für Szpilman war Wilm Hosenfeld der "einzige Mensch in einer deutschen Uniform", dem er im Krieg begegnet sei. So formulierte er es in seiner Autobiografie, die er bereits 1946 niederschrieb. Vergeblich versuchte Szpilmann, Hosenfeld nach dessen Gefangennahme durch die Rote Armee zu retten. Hosenfeld starb bereits 1952 in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager.

Und, am Rande erwähnt: Dr. Jorinde Krejci, die Tochter von Wilm Hosenfeld, lebt wie Ingeborg Kropp-Arend in Gräfelfing, unweit von München. Man begegnet sich so von Zeit zu Zeit.

Die Reihe "Unbekannte Nachbarn", die es bereits seit 2017 gibt, wird auch 2026 fortgesetzt. Im November kommt der bekannte und streitbare Historiker Götz Aly nach Fulda und wird sein neues, vielbeachtetes Buch "Wie konnte das geschehen" vorstellen.

Nähere Informationen dazu gibt es zu gegebener Zeit in den Medien. (pm/ci)+++

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