Brücken bauen statt Brandmauern
"Es wird keinen AfD-Ministerpräsidenten geben": MP Boris Rhein wird deutlich
Archivfotos: O|N / Maurice Schumacher / Christian P. Stadtfeld
16.05.2026 / REGION -
Boris Rhein schlägt Alarm! Der Hessische Ministerpräsident blickt mit wachsender Sorge auf die aktuellen Umfragewerte der AfD - und fordert gleichzeitig einen anderen Umgang mit deren Wählern. In einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel" äußerte sich der CDU-Politiker deutlich zur politischen Stimmung im Land.
"Die Umfragen, gerade die Verschiebungen zwischen uns und der AfD, machen mir schon große Sorgen", sagte Rhein dem "Tagesspiegel". Statt weiterer Abgrenzung fordert der Regierungschef allerdings einen Kurswechsel im Umgang mit den Menschen, die AfD wählen.
Rhein warnt vor Stigmatisierung
"Wir sollten keine Brandmauern errichten, sondern Brücken bauen - und zwar zurück in die Mitte", erklärte Rhein dem "Tagesspiegel". Aus seiner Sicht führe eine zunehmende Stigmatisierung nur dazu, dass sich Menschen weiter radikalisierten. "Immer mehr Stigmatisierung führt zu immer mehr Radikalisierung", sagte der CDU-Politiker.Dabei warnte Rhein ausdrücklich davor, AfD-Wähler pauschal als rechtsradikal einzuordnen. Viele Menschen fühlten sich aus seiner Sicht nicht mehr gehört oder ernst genommen. Genau das trage zur aktuellen Entwicklung bei. "Diese Menschen müssen wir zurückgewinnen", betonte Rhein.
Kritik an der Bundesregierung
Trotz der hohen Umfragewerte der AfD - insbesondere in Ostdeutschland - zeigte sich der Ministerpräsident überzeugt, dass es keinen Regierungschef der AfD geben werde. "In Deutschland wird es keinen AfD-Ministerpräsidenten geben. Davon bin ich fest überzeugt", sagte Rhein dem "Tagesspiegel".Rhein: Leistung muss sich lohnen
Auch inhaltlich skizzierte Rhein seine Vorstellungen für einen neuen politischen Kurs. Leistung müsse sich wieder stärker lohnen - etwa durch steuerfreie Überstunden oder Änderungen beim Arbeitszeitgesetz. Zudem fordert er Entlastungen für Unternehmen, darunter eine niedrigere Stromsteuer und die Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Familien sollen nach seinen Vorstellungen ebenfalls stärker unterstützt werden.Als positives Beispiel für funktionierende Regierungsarbeit verwies Rhein auf Hessen. Dort regieren CDU und SPD gemeinsam. Das Erfolgsrezept laute aus seiner Sicht: "Nicht zu viel versprechen, aber alles halten."
Für Bundeskanzler Friedrich Merz fand Hessen-Regent Rhein trotz seiner Kritik an der Bundesregierung ebenfalls klare Worte der Unterstützung. "Er ist ein kantiger Kanzler, und genau das braucht Deutschland in dieser Zeit." (Constantin von Butler) +++