Ankommen, Arbeiten, Teilhaben

Wie internationale Studierende ihren Weg in den Arbeitsmarkt finden

Internationale Studierende im Austausch mit Unternehmen – ein Abend voller echter Geschichten und offener Fragen.
Fotos: Privat

17.05.2026 / FULDA - Wie gelingt der Einstieg in Arbeit – besonders für internationale Studierende? Welche Hürden gibt es, welche Chancen, und was braucht es, damit Integration nicht nur auf dem Papier funktioniert? Über diese Fragen wurde am Dienstagabend beim "Stammtisch Praxis International" in den Räumen der Industrie- und Handelskammer Fulda offen diskutiert.



Gemeinsam organisiert von Welcome In! Fulda e.V., der Hochschule Fulda, der Agentur für Arbeit und der IHK brachte die Veranstaltung internationale Studierende, Unternehmen, Beratungsstellen und Interessierte an einen Tisch. Im Mittelpunkt standen dabei keine theoretischen Vorträge, sondern echte Lebensgeschichten und persönliche Erfahrungen.

Begegnung als Schlüssel zur Integration

Schon zu Beginn wurde deutlich, worum es an diesem Abend gehen sollte: Begegnung, Austausch und gegenseitiges Verständnis. Nach der Begrüßung durch Denise Otto von der IHK sprach Christoph Kümpel vom Welcome In! Fulda e.V. über die Idee hinter dem Format. Inspiriert von Erfahrungen aus Schweden wolle man auch in Fulda stärker Räume schaffen, in denen internationale Fachkräfte, Unternehmen und Unterstützungsangebote zusammenkommen. Gerade Projekte wie das geplante Mentoring-Konzept "PeerPower – Arbeit verbindet" sollen künftig helfen, Menschen beim Ankommen und beim Einstieg in Arbeit besser zu begleiten.

Auch Julia-Sophie Rothmann vom International Office der Hochschule Fulda richtete ein Grußwort an die Gäste. Sie betonte die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Welcome In! Wohnzimmer und verwies auf erfolgreiche Programme wie das Pre-College, das internationale Studierende seit vielen Jahren auf ihrem Weg in Studium und Arbeitsmarkt begleitet. Gerade solche Kooperationen seien wichtig, um Integration langfristig erfolgreich zu gestalten.

Erfahrungswege, die Mut machen

Dass Unterstützung, Netzwerke und Eigeninitiative dabei eine zentrale Rolle spielen, zeigten die anschließenden Erfahrungsberichte eindrucksvoll. Jui Ashtekar erzählte von ihrem Weg über zahlreiche Nebenjobs hin zu einem Praktikum bei der Deutschen Bahn, bei der sie nun eine gute berufliche Perspektive hat. Sie betonte: "Ich habe 16 verschiedene Jobs gemacht – von der Bäckerei bis in den sozialen Bereich. Mein wichtigster Tipp ist: einfach weitermachen, Deutsch lernen und sich auch nach Rückschlägen immer wieder neu bewerben. Orte wie das Welcome In! Wohnzimmer helfen dabei enorm, Kontakte zu knüpfen und anzukommen."

Auch Gargi Sharma berichtete offen über Herausforderungen und Erfolgserlebnisse. Sie ist seit 5 Jahren in Deutschland und hat sich bei exakt einer Firma beworben und erfolgreich integriert, nämlich beim HZD (Hessische Zentrale für Datenverarbeitung) und gilt als erste erfolgreiche Absolventin des Pre-College-Programms der Hochschule Fulda. Sie betonte, dass auch bei ihr die deutsche Sprache der Schlüssel sei und dass sie sich immer wieder Unterstützung gesucht habe. Vor allem die Mitarbeiterinnen vom Pre-College haben ihr geholfen und daher bedankte sie sich sehr herzlich bei ihnen.

Netzwerke, Mut und Marktbedingungen im Blick

Wie wertvoll Netzwerke sein können, machte schließlich Muhammad Haris Iqbal deutlich. "Schon am zweiten Tag in Deutschland trainierte ich bei strömenden Regen auf dem Fußballplatz bei der SG Dammersbach/Nüst. Dort habe ich nicht nur schnell Deutsch gelernt, sondern auch Freunde gefunden. Nach einem langen Tag habe ich dann manchmal gesagt: Kopf müde, deutsch kaputt." Heute arbeitet er in der Logistik und engagiert sich zusätzlich als Buddy für andere internationale Studierende. Sein Rat: aktiv werden, Menschen ansprechen und sich Hilfe suchen.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde auch die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt diskutiert. Vertreter der Agentur für Arbeit machten deutlich, dass Deutschland und auch die Region Fulda langfristig auf internationale Fachkräfte angewiesen seien. Gleichzeitig verwiesen sowohl die Agentur für Arbeit als auch die IHK auf die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen. Gerade kleinere und mittelständische Betriebe müssten aktuell sehr genau kalkulieren und setzten deshalb häufig eher auf Ausbildung und praxisnahe Qualifizierung als auf Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit wenig Berufserfahrung.

Ehrlicher Dialog über Erwartungen und gemeinsame Wege

Genau daraus entwickelte sich ein ehrlicher Austausch über Erwartungen, Missverständnisse und mögliche Lösungen. Viele internationale Studierende kämen mit dem Ziel eines akademischen Berufsabschlusses nach Deutschland und empfänden eine Ausbildung oft zunächst als Rückschritt – obwohl gerade dort in vielen Branchen dringend Fachkräfte gesucht würden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es weiterhin Aufklärung, Vernetzung und gegenseitiges Verständnis brauche.

Am Ende waren sich die Beteiligten einig, dass es mehr solcher Formate braucht. Der "Stammtisch Praxis International" soll deshalb keine einmalige Veranstaltung bleiben. Denn wenn internationale Talente, Unternehmen und Initiativen miteinander ins Gespräch kommen, profitiert am Ende nicht nur einzelne Menschen, sondern die gesamte Region Fulda. (js/pm)+++

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