Große Überraschung nach O|N-Aktion

Muttertags-Wunder im Wildpark: Wisentbaby überrascht selbst die Tierpfleger

Das neugeborene Wisentkalb - noch etwas unsicher auf den Beinen.
Fotos: Felix Weigl

14.05.2026 / GERSFELD (RHÖN) - Im vergangenen Jahr haben unsere Leser einem im Oktober geborenen Wisentkalb den Namen Gerdi gegeben. Am Mittwoch war OSTHESSEN|NEWS im Tierpark, um zu sehen, wie sich Gerdi entwickelt hat. Als das Team von OSTHESSEN|NEWS ankam, gab es eine große Überraschung: Am Muttertag bekam ein Wisent der Herde ein Junges zur Welt. Das ist selbst für die Tierpfleger nichts Alltägliches.



Am frühen Muttertagsmorgen schauten die Tierpfleger bei ihrer Kontrollrunde durch den Park nicht schlecht. Die Mutter Fairytail erholte sich gerade noch von der Geburt, während das Kleine bereits erste Stehversuche unternahm. Es stolperte ein paar Schritte, plumpste wieder auf den Boden und stand erneut auf. Der Rest der Herde schaut gespannt zu und stellt sich schützend um das kleine Kalb.

"Ich habe noch eine Überraschung für euch!", begrüßt uns Wildhüterin Julia Kerber strahlend, trotz eher grauen Wetters. "Am Morgen von Muttertag haben wir ein neugeborenes Wisentkalb entdeckt." Auf dem Weg zum Gehege erzählt sie natürlich auch von "Gerdi". Gerdi rennt gerne mal im vollen Galopp durch das Gehege, ist furchtlos auch mal ohne Mutter Eggewalküre auf Entdeckertour und bekommt gerade kleine Ansätze von Hörnern.

Beschützt von der ganzen Herde

Am Gehege angekommen fällt der Blick sofort auf das Neugeborene. Ein bisschen tapsig und unsicher stolpert das nur wenige Tage alte Tier umher, immer ganz in der Nähe von Mama Fairytail. Die beäugt uns eher misstrauisch, bereit, ihr Wisentkalb sofort zu verteidigen. "Wenn man zu nah herangeht, startet Fairytail schon mal einen Scheinangriff", warnt Julia Kerber im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Aber nicht nur die Mutter, auch die restliche Herde stellt sich schützend vor das kleine Wisentkalb.

Ausgewachsen kann ein Wisent, das größte Landsäugetier Europas, bis zu 900 Kilogramm wiegen. Ein massiger Kopf, kräftige Schultern und ein dunkelbraunes Fell sind typisch für die Tiere. Ursprünglich lebte das imposante Tier in weiten Teilen Europas, doch durch intensive Bejagung und die Zerstörung seiner Lebensräume wurde das Wisent Anfang des 20. Jahrhunderts fast ausgerottet.

Frisches Blut im Wildpark

Heute gibt es wieder Hoffnung: Dank des Europäischen Wisent-Zuchtprogramms erholt sich der Bestand langsam wieder. Alle heute lebenden Vertreter seiner Art stammen jedoch von nur wenigen Tieren ab. Daher muss auf die genetische Vielfalt geachtet werden. Aus diesem Grund hat der Wildpark Gersfeld vor einigen Wochen einen neuen Zuchtbullen aus einem Wildpark im Saarland bekommen: Ihdefix ist im Gegensatz zu seinem Namen ein strammer zweijähriger Bursche, der nun für die genetische Vielfalt im Wildpark sorgen soll. Vielleicht können dann auch in Zukunft wieder ein paar Tiere aus Gersfeld am Auswilderungsprogramm nach Osteuropa teilnehmen, wo etwa in Polen, Rumänien und Belarus wieder freie Wisentherden durch naturnahe Wälder streifen.

Investitionen für die Zukunft

Bis zum Jahr 2027 soll es im Wildtierpark Gersfeld auch viele Modernisierungsprojekte geben (OSTHESSEN|NEWS berichtete). Dafür sind Investitionen von etwa 2,5 Millionen Euro geplant, beispielsweise für dringend benötigte neue Räumlichkeiten oder ein Ressourcen-Zentrum als wichtigen Schritt in Richtung Modernisierung für den Park. (fw) +++


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