Flammender Appell vom Landrat

Dr. Birgit Richtberg (CDU) neue Kreistagsvorsitzende - Kreisausschuss kleiner

Landrat Dr. Jens Mischak, die neue Kreistagsvorsitzende Dr. Birgit Richtberg, ihr Vorgänger Dr. Hans Heuser und der Erste Kreisbeigeordnete Patrick Krug (von links)
Fotos: Hans-Hubertus Braune

13.05.2026 / LAUTERBACH - Knapp zwei Monate nach der Kommunalwahl in Hessen hat sich der Kreistag des Vogelsbergkreises neu formiert. Die 59 anwesenden Mitglieder wählten mit großer Mehrheit die Christdemokratin Dr. Birgit Richtberg zu ihrer neuen Kreistagsvorsitzenden. Nur die zwölf Abgeordneten der AfD-Fraktion enthielten sich ihrer Stimmen.



Richtberg ist Nachfolgerin von Dr. Hans Heuser. Der Christdemokrat gehört dem Gremium seit über 45 Jahren an. Als dienstältestem Abgeordnetem oblag es Heuser nach der Begrüßung durch Landrat Dr. Jens Mischak (CDU) die Kreistagssitzung bis zur Wahl der neuen Vorsitzenden zu leiten. Er gratulierte dem neuen Parlament und erinnerte: "Denken Sie bitte daran, Sie sind für den gesamten Vogelsbergkreis gewählt."

"Staat entmündigt seine Bürger"

Landrat Mischak nutzte den Einstieg in die neue Legislaturperiode für einen flammenden Appell in Richtung der Politik insgesamt. Dabei sparte er nicht mit Kritik an der Bundesregierung. "Der Staat übernimmt immer mehr Aufgaben - und entmündigt damit zugleich seine Bürger. Er schafft Abhängigkeiten, wo eigentlich Selbstständigkeit gefragt wäre. Das kann auf Dauer nicht funktionieren", sagte Mischak.

Er forderte: "Wir brauchen wieder mehr Mut zur Eigenverantwortung. Mehr Vertrauen in die Fähigkeiten der Menschen. Und weniger Bevormundung. Wir könnten den Weg weitergehen: mehr Staat, mehr Regulierung, mehr Umverteilung. Oder wir entscheiden uns für einen anderen Weg: für mehr wirtschaftliche Freiheit, für klare Prioritäten, für einen Staat, der sich auf seine Kernaufgaben konzentriert - und den Bürgern wieder mehr zutraut", sagte der Landrat.

Bezogen auf das Kommunalparlament appellierte Mischak, sich auf die Kernaufgaben, auf die Administration der Auswirkungen der "großen Probleme" wie Krieg und Außenpolitik, soziale Sicherungssysteme, Energie und vieles mehr. "Die Menschen erwarten, dass wir unsere Aufgaben erfüllen. Sie erwarten pragmatische Entscheidungen und verlässliche Aussagen."

Während der ersten Kreistagssitzung galt es zunächst, satzungsgemäße Aufgaben zu erledigen. Neben der Wahl der Kreisvorsitzenden mussten deren Stellvertreter in geheimer Wahl festgelegt werden. Insgesamt vier Wahlvorschläge wurden von den Fraktionen in unterschiedlichen Konstellationen eingereicht. Letztlich setzte sich die Mehrheit von CDU und SPD mit ihrer langen Liste durch. Die ersten Stellvertreter sind in folgender Reihenfolge: Susanne Schaab (SPD), Dr. Hans Heuser (CDU), Harald Bönsel (CDU), Cornelia Bothe (Bündnis 90/Die Grünen) und Gerhard Bärsch (AfD). Der Antrag der Alternative für Deutschland, Bärsch als Vertreter der "stärksten Oppositionspartei", auf Platz eins der Stellvertreter zu setzen, wurde mehrheitlich abgelehnt.

Kreisausschuss wird reduziert - Kritik von den Linken

Auf Antrag von CDU und SPD wird die Hauptsatzung geändert. Aus Kostengründen soll der Kreisausschuss von bisher 16 Mitgliedern auf zehn Vertreter reduziert werden. Dadurch würden während der Legislaturperiode laut CDU-Fraktionsvorsitzendem Stephan Paule "mehrere zehntausend Euro" eingespart. Dietmar Schnell von der Fraktion Die Linke/BFV und Dr. Udo Ornik von Bündnis 90/Die Grünen kritisierten dieses Ansinnen scharf. Durch die Reduzierung würde Die Linke im Kreisausschuss nicht berücksichtigt. Schnell nannte den Antrag "erbärmlich feige" und Ornik gab zu bedenken, dass durch die Nichtbeteiligung mehr Fragen gestellt würden, welche von der Verwaltung entsprechend bearbeitet werden müssten und somit ebenso Kosten verursachen würden. Letztlich setzte sich die Koalition von CDU und SPD durch. Die AfD stimmte ebenfalls für die Reduzierung. Das Abstimmungsergebnis: 44 Ja, 15 Nein. Der Kreisausschuss und die jeweiligen Ausschüsse werden voraussichtlich bei der nächsten Kreistagssitzung im Juni dieses Jahres gewählt. (Hans-Hubertus Braune) +++

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