Was Pflegekräfte jeden Tag leisten

Zwischen Verantwortung und Menschlichkeit: Pflege ist der Kitt der Gesellschaft

Der internationale Tag der Pflege würdigt Menschen, ohne die der Alltag vieler Menschen kaum funktionieren würde.
Fotos: Felix Weigl

13.05.2026 / FULDA - Am 12. Mai ist internationaler Tag der Pflege. Dieser Tag, der Geburtstag der britischen Krankenpflegerin und Pionierin der modernen Krankenpflege Florence Nightingale, dient dazu, alle Pflegekräfte zu würdigen. Sie gelten als das Rückgrat der Gesellschaft, dennoch bleibt ihr Wirken oft unsichtbar.


Hinter der oft unsichtbaren Arbeit stehen Menschen, die täglich große Verantwortung für andere übernehmen, zuhören und manchmal einfach nur da sind - natürlich auch in Fulda. Wir haben mit denen gesprochen, ohne die es nicht gehen würde: Mit Pflegerinnen und Pflegern aus der Region, die uns erzählen, was sie jeden Tag antreibt.

Im Klinikum Fulda richtet sich der Fokus an diesem Tag auf die psychiatrische Pflege. Katharina Kombarov, Fachkrankenschwester für Psychiatrie und Psychotherapie, gibt OSTHESSEN|NEWS einen Einblick in ihren Alltag. Sie ist seit 16 Jahren am Klinikum im Fachbereich der psychiatrischen Pflege tätig.

"Es ist total schön, wenn Patienten, die entlassen wurden, nach einem halben Jahr wiederkommen, um sich nochmal zu bedanken. Da merkt man, man hat wirklich geholfen." Die Vorstellung von Psychiatrie, die in Filmen vermittelt wird, mit dem Patienten in Zwangsjacke, eingesperrt in einer Gummizelle, hat mit moderner Psychiatrie nichts mehr zu tun. "Reden ist sehr wichtig. Was hat der Patient zu sagen, was sind seine Bedürfnisse, wie kann er sich selbst helfen?"

Davon erzählt auch Pflegefachkraft Boris Nieschalke. "Die Realität ist heute eine ganz andere. Wir arbeiten viel präventiver mit dem Patienten zusammen, die haben natürlich auch ein großes Mitspracherecht." Die klassische Zwangsjacke sei heute die absolute Ausnahme, Fixierung sollte möglichst immer vermieden werden. "Eskalation soll vorgebeugt werden, zum Beispiel mit einem sogenannten Time-Out-Raum, etwa mit Musik, die dem Patienten hilft, zur Ruhe zu kommen."

Soweit möglich, macht das Klinikum auch ein Erleben möglich. So konnte man sich mit einem Kopfhörer in einen Geräuschtunnel begeben, der Schizophrenie simuliert. Man hört Stimmen, durcheinander, Wut, Angst, Zweifel und soll nebenbei alltägliche Aufgaben erledigen. Ohne Hilfe fast unmöglich.

"Kein Job für Einzelkämpfer"

Im Seniorenzentrum "St. Lioba" des Deutschen Roten Kreuzes wurde eine kleine Feier für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbereitet. Als kleines Dankeschön gab es ein Handtuch. Matthias Krisch, Pflegefachkraft seit 26 Jahren und seit fast 3 Jahren im Seniorenzentrum, erklärt im Gespräch mit O|N: "Im direkten Umfeld wird es schon gewürdigt, also von Bewohnern, Angehörigen, Ärzten. Aber in der Politik wäre es schön, wenn mal jemand etwas zu sagen hätte, der praktische Erfahrung in dem Bereich hat."

Von "Mal ausprobieren" zu mittlerweile fünf Jahren in der Pflege lief es bei Markus Heil. Er war früher im Handel tätig, wollte dann nochmal einen anderen Weg gehen. Über einen Freund startete er in die neue Karriere. "Ich habe das angefangen und schnell festgestellt: Das ist mein Ding, das passt zu mir! Ich hatte das gar nicht auf dem Schirm, das war Zufall, so ist das manchmal im Leben", berichtet er im Interview. Wer ohne Herzblut dabei ist, der gehört nicht in die Pflege und das merken auch die Bewohner.

Schon über zehn Jahre im Seniorenzentrum "St. Lioba" ist Zeynep Aydogan, Pflegefachkraft und stellvertretende Wohnbereichsleiter. "Eigentlich war das hier nur zur Überbrückung gedacht. Aber dann hat es mir so gut gefallen, dass ich geblieben bin", erinnert sie sich lachend zurück. Für die Bewohner sind die Pflegerinnen und Pfleger nicht nur Angestellte im Seniorenzentrum. Es sind Zuhörer, Vertrauenspersonen, ein bisschen was von allem und ein Stück weit auch Familie.

Momen Asad ist seit 2019 tätig. Aktuell studiert er zusätzlich Pflegemanagement an der Hochschule Fulda - dort arbeitet er als Pflegefachkraft und Wohnbereichsleitung. "Neulich bin ich umgezogen, die Nachbarn freuen sich, dass eine Fachkraft in der Nähe ist. Die älteren Nachbarn fragen gern mal, wenn sie Hilfe brauchen, da unterstütze ich natürlich dann auch gerne. Es gibt einen Spruch, den ich mag: Wenn man etwas Gutes gibt, bekommt man es mehr als doppelt zurück."

"Patienten merken, wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist"

Seit 25 Jahren im Herz-Jesu-Krankenhaus, aber erst seit 2023 in der Pflege ist Andrea Germann-Boller. Nach fast zwei Jahrzehnten im Service startete sie recht spät in die Pflege. "Ich liebe meinen Beruf, ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, aber es müssten mehr Menschen an den Beruf herangeführt werden." Sie kümmert sich auch um die Praxisanleitung. Dabei führt sie Azubis an den Beruf heran, damit diese nach der Ausbildung auch fit sind.

Jemanden mit Praxiserfahrung im Bereich Pflege in der Politik wäre sie auch nicht abgeneigt. "Schimpfen und Jammern hilft unseren Patienten aber nichts, wir ziehen unseren Job trotzdem durch!"

"Was du machst, das könnte ich nicht!"

Im Mediana Wohnstift wurde vom Chef Eis an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt. "Passend zu den Eisheiligen und als kleines Dankeschön und Würdigung zum Tag der Pflege" lacht Oliver Trousil, der Einrichtungsleiter. "Ich bin nun drei Jahre hier, das Team macht einen grandiosen Job. Die Mitarbeiter haben eine wunderbare Grundfreundlichkeit und das bekommen wir auch von den Angehörigen gespiegelt."

Beim Eis erzählen Behiye Iloglu, Pauline Kreis, Vanessa Dorn und Sabrina Vogel O|N von ihren Erfahrungen als Pflegekräfte. Sabrina arbeitet in diesem Bereich seit fast zehn Jahren, hat ihre Ausbildung bei Mediana gemacht, dann eine Weiterbildung zur Teamleitung und zur Pflegedienstleitung. "Ich gehe gern zur Arbeit, komme mit Freude her. Alles andere würden die Bewohner und besonders die Kollegen sofort merken."

Alle vier sprechen auch über ihr Umfeld und ihre Einstellung zum Pflegeberuf. "Viele wissen gar nicht, was wirklich dahintersteckt. Dass man viele Gespräche führt, auch mit Angehörigen, Ärzten, Apotheken, Physiotherapeuten - man ist für alle erreichbar. Das ist kein Job für jedermann." Die Zusammenarbeit im Team macht die fordernde Arbeit für alle leichter. Man hilft und motiviert sich gegenseitig, egal ob unter der Woche, am Wochenende oder in der Nacht.

Etwas mehr Wertschätzung von der Politik wünschen sie sich dennoch. "Ich glaube, in der Politik wissen die gar nicht so wirklich, was wir tagtäglich leisten. Die wissen nicht, wie der Pflegealltag aussieht."

Der internationale Tag der Pflege rückt einmal im Jahr in den Fokus und zeiegt auf, was viele als selbstverständlich wahrnehmen. Pflegerinnen und Pfleger kümmern sich um viel mehr als nur die medizinische Versorgung oder Betreuung. Ohne Herzblut für diesen Job und ohne das richtige Team kann man diese Aufgaben nicht schaffen. Aber wenn doch, ist es für viele der schönste Job der Welt. (Felix Weigl) +++

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