Familie schildert dramatische Szenen

Flammen im A66-Tunnel: Menschen flüchten durch Notausgänge!

Ein brennendes Auto hat auf der Autobahn A66 bei Neuhof für große Aufregung gesorgt
Fotos (10): Feuerwehr Neuhof

11.05.2026 / NEUHOF - Dichte Rauchwolken steigen aus dem Tunnel auf, Martinshörner hallen über die Autobahn, Menschen flüchten durch Notausgänge ins Freie! Ein brennendes Auto auf der A66 bei Neuhof hat am frühen Sonntagabend gegen 16:45 Uhr einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei ausgelöst. Der Tunnel im südlichen Landkreis Fulda wurde in beide Richtungen komplett gesperrt. Bereits aus großer Entfernung waren die dunklen Rauchschwaden zu erkennen. Eine entsprechende Rundfunkwarnmeldung wurde ausgesendet.

Erst vor wenigen Wochen trainierten die Rettungskräfte in diesem Tunnel. Dort wurde eine schwere Karambolage unter realistischen Bedingungen simuliert. An der groß angelegten Rettungsübung nahmen mehr als 200 Einsatzkräfte teil. Organisiert wurde das Szenario von der Gefahrenabwehr des Landkreises Fulda - OSTHESSEN|NEWS berichtete davon ausführlich.

Die ersten Notrufe gingen am späten Nachmittag bei den Leitstellen ein. Schnell war klar: Die Lage im Tunnel ist unübersichtlich. Einsatzkräfte rückten mit einem Großaufgebot an - darunter zahlreiche Feuerwehrfahrzeuge, Rettungswagen, Polizeistreifen und auch der Rettungshubschrauber "Christoph 28". Während sich auf den umliegenden Straßen kilometerlange Staus bildeten, kämpften sich die Einsatzkräfte zur Unglücksstelle vor.

Familie aus Bad Nauheim: "Als wir losgerannt sind, haben wir Flammen gesehen"

Wie das Polizeipräsidium gegenüber OSTHESSEN|NEWS kurz nach Ausbruch der Situation erklärte, war zunächst unklar, wie viele Personen betroffen sind und wie stark sich der Rauch im Tunnel ausgebreitet hatte. Der Brand war in der Südröhre - also in Fahrtrichtung Süden - ausgebrochen. Nach ersten Erkenntnissen geriet ein Seat mit Kennzeichen aus Aschaffenburg in Brand. Warum das Fahrzeug Feuer fing, ist derzeit noch unklar.

Zwei Insassen wurden durch eine Rauchgasintoxikation leicht verletzt
. Durch die Tunnelleitzentrale wurden daraufhin beide Tunnelröhren gesperrt und die Insassen der noch in den beiden Röhren des Autobahntunnels befindlichen Fahrzeuge (etwa 30 Pkw und ein Reisebus mit rund 30 Fahrgästen) wurden über die Notausgänge ins Freie geleitet.

Wie die Feuerwehr Neuhof auf Instagram berichtet, bestätigte sich der Fahrzeugbrand bereits auf der Anfahrt durch massive Rauchentwicklung am Südportal des Tunnels. Gemeinsam mit der Feuerwehr Rommerz bauten die Einsatzkräfte umgehend einen Löschangriff auf und gingen mit insgesamt drei C-Rohren über eine Querverbindung in den Tunnel vor. Das Feuer konnte dadurch innerhalb weniger Minuten unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Parallel kümmerten sich weitere Kräfte um die Menschen, die sich über die Notausgänge ins Freie retten konnten. Nach umfangreichen Belüftungsmaßnahmen wurde die Einsatzstelle schließlich an die Polizei übergeben.

Für viele der Betroffenen waren es dramatische Minuten. Eine Familie aus Bad Nauheim schilderte gegenüber unseren O|N-Reportern vor Ort die beklemmende Situation: "Wir haben die Durchsage gehört und das war schon sehr befremdlich. Ich habe sofort die Tür aufgerissen. Als wir losgerannt sind, haben wir Flammen gesehen. Sowas haben wir noch nie erlebt", berichteten die Eltern gemeinsam mit ihrer Tochter – noch immer sichtlich geschockt.

CO-Messungen an den Notausgängen - Rettungsdienste untersuchen betroffene Personen

An den Notausgängen richteten Rettungskräfte umgehend Betreuungs- und Untersuchungsstellen ein. Mehrere Personen wurden dort medizinisch untersucht. Besonders im Fokus standen mögliche Rauchgasvergiftungen. "Die Personen werden jetzt untersucht, da wird eine sogenannte CO-Messung durchgeführt", erklärte Christian Erwin, diensthabender Organisatorischer Leiter Rettungsdienst Landkreis Fulda. Sollten die Werte unauffällig bleiben, könnten die Betroffenen ihre Fahrt zeitnah fortsetzen.

Mehrere Menschen warten stundenlang auf das Weiterfahren

Während Feuerwehrkräfte den Fahrzeugbrand unter Kontrolle brachten und die Tunnelanlage belüftet wurde, entspannte sich die Lage am Abend langsam. Gegen 18:50 Uhr konnte die Sperrung in Fahrtrichtung Norden - Richtung Fulda - wieder aufgehoben werden. In kleinen Gruppen wurden die Betroffenen zurück zu ihren Fahrzeugen begleitet. In Richtung Süden blieb die Vollsperrung jedoch zunächst bestehen. Zeitweise galten die Insassen zweier Pkw noch als vermisst, weshalb die Einsatzkräfte den Tunnel weiterhin sorgfältig absuchten.

"Ob wir es noch zum Konzert von Kasalla schaffen, bezweifle ich"

Auch Stunden nach dem Ausbruch des Brandes standen Menschen im Stau und hofften auf ein baldiges Durchkommen. Eine weitere Familie erzähle gegenüber O|N, wie lange sie schon warten: "Wir stehen seit zwei Stunden im Stau. Die waren auf einem BHL-Turnier (Bowhunterliga) und wollten von Fulda wieder nach Hinzweiler (im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz). Unsere Kollegen haben es noch durch den Tunnel geschafft, wir sind hier stecken geblieben. Da hat man sich dann durchs Internet informiert, was hier eigentlich los ist. Hoffentlich geht es bald wieder weiter." Auch Reisende aus Hamburg waren in den Stau geraten. "Wir kommen aus Hamburg vom Hafenfest. Uns geht es aber gut. Wir konnten uns schön mit unseren Nachbarn unterhalten, die - ebenso wie wir - auf ein Konzert in Frankfurt wollen. Ob wir es noch zum Konzert von Kasalla schaffen, bezweifle ich aber", erzählen sie uns mit dennoch guter Laune.

Tunnel wieder komplett freigegeben

Gegen 19:50 Uhr wurde dann auch endlich der Tunnel in Richtung Süden - also Frankfurt – wieder freigegeben. Ein Abschleppdienst kümmerte sich um den ausgebrannten Seat. Zusätzlich wurde der Asphalt auf Schäden durch die Flammen kontrolliert. Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an. Der Sachschaden wird im Moment auf rund 25.000 Euro geschätzt. (ms/hhb) +++

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