Funkenflug von Güterwagen ursächlich
Feuer im Wald, Kinder vermisst: 150 Einsatzkräfte proben den Ernstfall
Rund 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr probten den Ernstfall.
Fotos: O|N / Andreas Bejm
09.05.2026 / BAD SODEN-SALMÜNSTER -
Mitten im Wald, dichter Rauch zwischen den Bäumen, zahlreiche Feuerwehrfahrzeuge auf schmalen Wegen und eine groß angelegte Personensuche: Im Bereich "Zum Heegwald" sowie entlang der Pacificusstraße in Bad Soden probten am Samstag insgesamt 150 Einsatzkräfte den Ernstfall eines großflächigen Waldbrandes. Unterstützt wurden die Feuerwehren dabei von 31 Fahrzeugen aus dem gesamten Stadtgebiet, Nachbarkommunen sowie mehreren Stützpunkten mit Spezialtechnik zur Wasserversorgung.
Das realitätsnahe Szenario hatte es in sich: Angenommen wurde, dass ein Güterzug entlang der Bahnstrecke durch schleifende Bremsen Funkenflug ausgelöst hatte. Das Feuer breitete sich aufgrund starken Ostwinds rasch in Richtung Waldgebiet aus. Gleichzeitig mussten mehrere vermisste Kinder gesucht und Verletzte versorgt werden.
Besonders brisant: Nach Angaben der Feuerwehr kam es bereits in den 1970er Jahren im Bereich des heutigen Übungsortes zu einem größeren Brandereignis. Auch deshalb fiel die Wahl bewusst auf das Gebiet rund um den Heegwald und die Pacificusstraße, um ein möglichst realistisches Szenario unter echten örtlichen Bedingungen trainieren zu können. "Die Übung verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit der Feuerwehren personell, aber auch technisch, insbesondere über Funk, zu gewährleisten", erklärte Markus Koch, Zugführer und stellvertretender Pressesprecher der Feuerwehr Bad Soden-Salmünster.
Anspruchsvoll und herausfordernd
Schon früh zeigte sich, wie anspruchsvoll ein solcher Einsatz werden kann. Enge Waldwege erschwerten die Zufahrt für die Einsatzkräfte. Ein Rückewagen von Hessenforst musste zunächst aus dem Gefahrenbereich entfernt werden, damit die Feuerwehrfahrzeuge überhaupt passieren konnten. Parallel dazu liefen umfangreiche Löschmaßnahmen an mehreren Abschnitten.
Besonders herausfordernd war die Wasserversorgung. Da das örtliche Hydrantennetz für einen solchen Großeinsatz nicht ausreichte, richteten die Feuerwehren einen aufwendigen Pendelverkehr ein. Tanklöschfahrzeuge transportierten Wasser über größere Entfernungen zur Einsatzstelle. Teilweise erfolgte die Versorgung sogar über Salmünster und zusätzliche Leitungen aus Nachbarbereichen. Zwei große Faltbehälter dienten dabei als mobile Wasserreservoirs mitten im Wald.
Auch die Gefahr für angrenzende Wohngebiete spielte im Szenario eine entscheidende Rolle. Durch den starken Ostwind bestand die Gefahr, dass die Flammen auf Häuser überspringen könnten. Deshalb errichteten die Einsatzkräfte im oberen Bereich eine sogenannte Riegelstellung, um die weitere Ausbreitung zu verhindern. Laut Feuerwehr konnte der Waldweg erfolgreich gehalten werden.
Für zusätzliche Unterstützung aus der Luft sorgte eine Drohne. Diese verschaffte den Einsatzleitern einen Überblick über das weitläufige Gelände und half bei der Personensuche. Gerade in dicht bewaldeten Bereichen sei der Blick aus der Luft enorm wichtig, betonte Koch. Die Übung begann um 8.37 Uhr und dauerte knapp vier Stunden. Vorbereitet wurde der aufwendige Übungseinsatz bereits über mehrere Wochen hinweg.
Ein erstes Fazit der Verantwortlichen fiel positiv aus. Gleichzeitig habe die Übung aber auch gezeigt, dass es insbesondere bei der Funkkommunikation zwischen den einzelnen Einheiten noch Verbesserungsbedarf gebe. Genau dafür seien solche groß angelegten Übungen wichtig, erklärte Koch abschließend. (Andreas Bejm)+++