Der Stadtpfarrer bei O|N

Stefan Buß: Hab Mut, steh auf! 104. Deutscher Katholikentag in Würzburg

Stadtpfarrer Stefan Buß.
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch

16.05.2026 / FULDA - ch melde mich heute mit meinem Impuls direkt vom 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg. Von hier geht in diesen Tagen eine Botschaft aus, die aktueller kaum sein könnte: Hab Mut, stehe auf!



Ein schlichtes Motto – und doch voller Kraft. Denn wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen müde geworden sind. Nachrichten über Kriege, Krisen, Unsicherheit, gesellschaftliche Spannungen und persönliche Sorgen drücken auf das Gemüt. Manche fragen sich, wohin unsere Welt steuert. Andere kämpfen im Stillen mit Ängsten, Einsamkeit oder dem Gefühl, nicht mehr mithalten zu können. Gerade hinein in diese Wirklichkeit spricht dieses Wort: Hab Mut, stehe auf!

Mut ist dabei nicht nur etwas für Heldinnen und Helden. Mut beginnt oft ganz leise. Mut zeigt sich, wenn jemand morgens aufsteht, obwohl die Nacht schwer war. Wenn ein Mensch nach einer Enttäuschung neu anfängt. Wenn jemand den Mund aufmacht gegen Ungerechtigkeit. Wenn einer dem anderen zuhört, obwohl er selbst belastet ist. Mut ist oft kleiner, als wir denken – aber größer, als wir ahnen.

Und "Stehe auf" meint mehr als nur körperlich aufzustehen. Es ist eine Einladung, innerlich aufzurichten, was geknickt wurde. Wieder Hoffnung zuzulassen, wo Enttäuschung war. Wieder Vertrauen zu wagen, wo Misstrauen gewachsen ist. Wieder an das Gute zu glauben, wo vieles dunkel erscheint. Wer aufsteht, entscheidet sich gegen das Liegenbleiben im Pessimismus, in der Resignation oder in der Angst.

Gerade der Katholikentag erinnert daran, dass Glaube niemals Rückzug bedeutet. Christlicher Glaube will mitten ins Leben hineinwirken. Er stärkt Menschen, sich einzumischen, Verantwortung zu übernehmen und Hoffnung zu verbreiten. Jesus selbst hat immer wieder Menschen aufgerichtet – körperlich, seelisch und geistlich. Er hat Kranke aufstehen lassen, Zweifelnde ermutigt, Gescheiterte neu angesehen und Ausgegrenzten Würde zurückgegeben. Seine Botschaft gilt bis heute: Du musst nicht am Boden bleiben.

Vielleicht denken wir manchmal, wir könnten ohnehin nichts verändern. Die Probleme seien zu groß, die Krisen zu mächtig, die Gräben zu tief. Doch Veränderung beginnt selten mit großen Gesten. Sie beginnt mit Menschen, die sich berühren lassen. Mit Menschen, die nicht wegsehen. Mit Menschen, die trotz allem hoffen. Ein freundliches Wort kann einen Tag verändern. Eine ausgestreckte Hand kann einen Menschen tragen. Ein mutiger Schritt kann neue Wege öffnen.

Auch Kirche steht vor Herausforderungen. Vertrauen wurde verletzt, viele Menschen sind enttäuscht, manches wirkt schwerfällig. Gerade darum

braucht es dieses Motto auch nach innen: Hab Mut, stehe auf! Mut zur Ehrlichkeit. Mut zur Erneuerung. Mut, zuzuhören. Mut, sich an Jesus auszurichten statt an Gewohnheiten. Wo Menschen ehrlich umkehren und neu beginnen, wächst Zukunft.

Vielleicht ist dieses Wort heute ganz persönlich an dich gerichtet. Dort, wo dich Sorgen niederdrücken. Dort, wo du resigniert hast. Dort, wo du verletzt wurdest oder an dir selbst zweifelst. Dann darfst du hören: Steh auf. Nicht weil alles leicht ist. Nicht weil alle Probleme verschwinden. Sondern weil Gott dich nicht liegen lässt. Weil neue Kraft wachsen kann. Weil jeder Tag die Möglichkeit eines neuen Anfangs trägt.

Nimm diesen Impuls mit in deinen Tag:

Hab Mut – auch wenn du noch zögerst. Stehe auf – auch wenn deine Schritte klein sind. Vertraue – auch wenn du noch nicht alles siehst. Liebe – auch wenn die Welt oft hart erscheint. Hoffe – auch wenn vieles dagegenspricht.

Denn jede Zeit braucht Menschen, die aufstehen. Jede Gesellschaft braucht Menschen mit Herz und Haltung. Jede Kirche braucht Menschen mit Glauben und Mut. Und vielleicht beginnt genau heute etwas Neues – mit deinem ersten Schritt.(Stefan Buß) +++

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