Der Stadtpfarrer bei O|N
Fest Christi Himmelfahrt: Christus ist auferstanden und nun geht er zum Vater
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
13.05.2026 / FULDA -
Das ist eine ungeheure Hoffnung für uns. Denn Jesus nimmt nicht nur sich selbst mit zum Vater. Er nimmt unsere Menschlichkeit mit. Alles, was unser Leben ausmacht – Freude und Schmerz, Mühe und Liebe, Fragen und Sehnsucht – ist in Gott hineingenommen.
Wenn wir uns klein fühlen, sagt dieses Fest: Der Mensch ist groß in Gottes Augen. Wenn wir an Grenzen stoßen, sagt dieses Fest: Unser Ziel liegt nicht im Vergänglichen. Wenn wir Abschiede erleben, sagt dieses Fest: Kein Weg endet im Nichts. Wenn wir an der Welt verzweifeln, sagt dieses Fest: Christus herrscht – nicht Gewalt, nicht Angst, nicht Tod.
Das heißt: Wer an den erhöhten Christus glaubt, darf nicht nur nach oben schauen. Er muss auf die Erde schauen – zu den Menschen, die Trost brauchen, Gerechtigkeit suchen, Liebe vermissen, Hoffnung verloren haben.
Christi Himmelfahrt hebt unseren Blick – aber sie nimmt uns nicht aus der Verantwortung. Im Gegenteil: Weil Christus beim Vater ist, sind wir seine Hände in dieser Welt. Wir sind seine Stimme, wenn wir Wahrheit sprechen. Seine Nähe, wenn wir jemanden nicht allein lassen. Sein Licht, wenn wir Hoffnung weitergeben.
Vielleicht standen die Jünger damals noch lange da und schauten zum Himmel. Doch die Engel sagten ihnen sinngemäß: Bleibt nicht stehen. Geht euren Weg. Er wird wiederkommen – aber bis dahin lebt aus seinem Geist.
Auch wir stehen manchmal da und warten: auf bessere Zeiten, auf Lösungen, auf Veränderungen, auf ein Zeichen Gottes.
Christi Himmelfahrt ruft uns heute zu: Wartet nicht nur – geht. Klagt nicht nur – handelt. Fürchtet euch nicht – vertraut. Schaut nicht nur zum Himmel – bringt den Himmel zu den Menschen.
Denn Christus ist nicht verschwunden. Er ist uns vorausgegangen. Er ist erhöht – und gerade darum uns nah.
So feiern wir voller Freude: Der Herr ist im Himmel. Und darum ist unsere Hoffnung auf Erden lebendig. (Stefan Buß) +++