Holger Quanz zu Gast im Sportgespräch

Tränen, Laufen und Hilfe für Kinder: "Eiterfeld bewegt sich" für Familien in Not

Der erste Vorsitzende von Eitra Dynamit, Holger Quanz, war bei OSTHESSEN|NEWS zum Sportgespräch.
Fotos: Felix Weigl

10.05.2026 / FULDA/EITERFELD - Wenn am 31. Mai wieder hunderte Menschen ihre Laufschuhe schnüren, Wanderstöcke auspacken oder einfach gemeinsam durchs Eiterfelder Land spazieren, geht es längst um mehr als Sport. Hinter "Eiterfeld bewegt sich" steckt eine Aktion, die seit fast zwei Jahrzehnten Familien in schwierigen Lebenssituationen unterstützt - mit bemerkenswertem Zusammenhalt in der Region.



"Es war immer klar, dass wir das für Kinder oder Familien machen wollen, die durch Krankheit oder Schicksalsschläge in Not geraten sind", sagt Holger Quanz, Vorsitzender des SC Eitra Dynamit Eiterfeld. Gemeinsam mit dem Rhönklub organisiert der Verein die Benefizveranstaltung bereits seit vielen Jahren. Die Idee entstand damals aus der bundesweiten Aktion "Deutschland bewegt sich" - daraus wurde kurzerhand "Eiterfeld bewegt sich".

Dabei teilen sich beide Vereine die Aufgaben: Während sich der SC Eitra-Dynamit Eiterfeld um Organisation, Werbung und den Festplatz kümmert, übernimmt der Rhönklub die Streckenplanung und Versorgungspunkte entlang der Wege. "Das funktioniert nur gemeinsam", betont Quanz mehrfach.

Hilfe, die sichtbar ankommt

In diesem Jahr sammeln die Organisatoren für die einjährige Sofia aus Heringen und den zweijährigen Thiago aus Fulda. Sofia erlitt bei ihrer Geburt einen Hirnschlag und leidet unter einem Trisomie-Syndrom. Thiago kämpft mit einer schweren Magenerkrankung, die lange Krankenhausaufenthalte und eine Magensonde notwendig machte. Eine wichtige Therapie in Graz wird allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen.

Wie die Familien ausgewählt werden? "Wir halten einfach die Ohren offen", erzählt Quanz. Hinweise kämen oft über persönliche Kontakte oder Medienberichte. Entscheidend sei immer, dass die Hilfe konkret ankommt. "Wir wollen später zeigen können, was mit dem Geld passiert ist", sagt der Vereinsvorsitzende. In der Vergangenheit wurden unter anderem behindertengerechte Umbauten finanziert, Therapiegeräte angeschafft oder Häuser für alleinerziehende Mütter auf Sri Lanka gebaut. "Wir liefern immer den Beweis, dass das Geld angekommen ist."

"Das berührt einen schon"

Genau das mache die Aktion glaubwürdig - und emotional. Besonders die Begegnungen mit den betroffenen Familien gingen den Helfern nahe. "Das normalisiert einen wieder ein bisschen", sagt Quanz nachdenklich. "Man merkt, dass diese Schicksale gar nicht weit weg sind." Gleichzeitig sei es ein besonderes Gefühl, wenn am Ende einer Veranstaltung konkrete Hilfe möglich werde. "Dann stehen da abends 200 oder 300 Leute auf dem Platz und es ist mucksmäuschenstill, wenn die Spendensumme verkündet wird."

Mittlerweile hat sich "Eiterfeld bewegt sich" zu einer festen Größe entwickelt. Rund 150.000 Euro Spendensumme könnten in diesem Jahr insgesamt erreicht werden. Unterstützt wird die Aktion von zahlreichen Firmen, Vereinen und Stammtischen aus der Region. Manche Unternehmen laufen sogar geschlossen mit.

Bewegung für den guten Zweck

Am Veranstaltungstag selbst können Teilnehmer zwischen fünf, zehn und 15 Kilometern wählen. Start ist ab 10 Uhr am Bürgerhaus Eiterfeld. Unterwegs warten Verpflegungsstationen, Kaffee und Kuchen sowie kleine Aktionen für Kinder entlang der Strecke. Gewertet wird dabei nicht die schnellste Zeit, sondern unter anderem die größte Gruppe.

Trotz des Erfolgs wollen sich die Organisatoren nicht ausruhen. "Stillstand wäre Rückschritt", sagt Quanz. "Je mehr Leute mitmachen, desto mehr Familien können wir helfen." Sein Wunsch für den 31. Mai ist deshalb simpel: "Einfach kommen, mitlaufen und weitererzählen." (Nicolas Kraus) +++

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