Bestzeiten und Doppelsieg

Als "fliegende" Mama auf den Rennstrecken: Ronjas Sidecar-Rückkehr

Ronja Billich zurück im Sidecar: Als Mama und Copilotin wieder im Renntempo unterwegs.
Fotos (3): Privat

10.05.2026 / ALSFELD/BRÜNN - Auch als Mama fliegt Ronja nun wieder im pfeilschnellen Beiwagen der Internationalen Sidecar-Trophy-Rennserie von einer Seite zur anderen, wenn sie Champion Enrico Wirth zu neuen Strecken-Bestzeiten verhilft.



Die inzwischen 30-jährige aus Alsfeld stammende Copilotin, die wir 2023 portraitiert hatten, hat inzwischen geheiratet und ist 2024 Mutter eines Sohnes geworden, doch nach der geburtsbedingten Auszeit jetzt fließt wieder eine Mischung aus Adrenalin und Treibstoff durch ihre Adern: das Premierenwochenende der Rennserie in Tschechien wurde zu einem Triumphzug auf drei Rädern. Mit dabei ist natürlich nach wie vor ihr Papa, der durch sein Geschäft "Motorrad-Oldies" in der Region bekannte Erwin Mahl aus Alsfeld-Altenburg.

Familie, Neustart und ein Angebot, das alles verändert

Es hat sich wahrlich einiges bei Ronja getan: der Familienname wechselte durch die Heirat von Mahl zu Billich, und der 19 Monate alte Sohn Marlo schaut schon stolz mit über die Leitplanke, wenn die Mama und der Papa über die Rennstrecken donnern – nach wie vor in getrennten Teams, beide im Seitenwagen. Wohnort der jungen Familie ist Schwanenstadt in Oberösterreich, zwischen Linz und Salzburg gelegen. Bis zum Saisonende 2023 fuhr Ronja im Team Zimmermann mit und pausierte dann im Folgejahr wegen der Geburt ihres Sohnes im September. Schon 2025 schnupperte Ronja sporadisch bei Einzelrennen wieder ins Rennsportgeschehen hinein.

Im vergangenen Winter schneite eine Anfrage vom mehrfachen Meister der Internationalen Sidecar-Trophy-Serie Enrico Wirth ins Haus. Das am Nordostrand des Harzes in Aschersleben beheimatete Team hatte zu Beginn der Vorsaison einen schweren Unfall mit Verletzung und längerfristigem Ausfall des Beifahrers, Wirth warb bei Ronja um den vakanten Beifahrerplatz. "Ja, diese Anfrage von Enrico an mich war schon eine gewisse Auszeichnung meiner vorherigen Ergebnisse, das kann man so sagen", bestätigt Ronja Billich die Einordnung.

Ein perfekter Start ins neue Abenteuer

Im März schlug die erste gemeinsame Stunde der Wahrheit bei einem Trainingslager mit Testfahrten als komplett neues Gespann, inklusive der neu aufgebauten Maschine, im französischen Le Vigeant auf dem Circuit du Val de Vienne. "Das hat auf Anhieb super funktioniert, sowohl mit den Zeiten als auch dem Miteinander!", so Ronja. Die erfahrene Crew um Teamchef Henry Wirth, dem Vater von Pilot Enrico, war begeistert. Dementsprechend stand im Ergebnis die Entscheidung der gemeinsamen Team-Saison fest.

Bis in die Haarspitzen gespannt reiste das Team Wirth aus Aschersleben, aus Oberösterreich und in Persona von Erwin Mahl aus Alsfeld zum Premierenwochenende der Trophy-Rennserie nach Brünn / Tschechien. Es sollte ein Triumphzug werden: "Wir holten mit großem Abstand im Qualifying die Pole und erzielten Enricos schnellste je gefahrene Zeiten auf dieser Strecke. Dann folgte sowohl der Gesamtsieg in Rennen 1 sowie als Regenpremiere obendrein der Klassensieg in Rennen 2. Was soll man sagen: Klassensieg mit maximaler Punktzahl 50 von 50, mehr ging nicht. Wir waren überglücklich!"

Rennsport im Blut – und die Familie immer mit dabei

Während Ronja in der internationalen F1-Sidecar-Trophy-Rennserie im Beiwagen des 600er F1-Adolf-RS-Gespanns, das von einem Yamaha-Motor angetrieben wird, wieder bei den atemberaubenden Positionswechseln zur Ausbalancierung des Gespanns artistische Höchstleistungen zeigt, hat sich die Rolle von Papa Erwin Mahl etwas verändert. Der Altenburger gehört zwar auch "selbstverständlich" dem Team Wirth an, seine schrauberischen Fähigkeiten treten durch seine Opa-Eigenschaft nun allerdings etwas zurück. Erstens sind auch Enrico und Henry Wirth absolute Experten, und zweitens wird Opa Erwin als Babysitter gebraucht, denn Ronjas 19 Monate alter Sohn Marlo will auf Opas Arm auch bereits über die Leitplanke schauen.

PS-trächtiger Hintergrund: Marlos Papa, Ronjas Ehemann Markus, jagt selbst als konkurrierender Beifahrer in der gleichen Rennserie mit. "Marlo fährt mit dem Gehörschutz auf den Ohren ganz stolz mit seinem Papa auf dem Renngespann mit an den Vorstart und wird dort vom Opa in Empfang genommen. Nach dem Start suchen sie sich dann einen schönen Platz zum Zuschauen, immer mit Opas Blick auf das Live-Timing", berichtet Ronja von der speziellen Fan-Unterstützung.

Zwischen Titelchance und Wildcard-Träumen

Nach sieben Rennwochenenden (Brünn / Tschechien, Rijeka / Kroatien, Schleiz / Thüringen, Most / Tschechien, Spielberg / Österreich, Slovakiaring / Slovakei und dem Finalwochenende Anfang Oktober in Oschersleben / Sachsen-Anhalt) mit dann 17 Läufen wird feststehen, ob der Premierentriumph eine "Zweitagsfliege" war oder ob sich das neuformierte Team Wirth mit insgesamt "drei Generationen Mahl" an der Spitze des Feldes behaupten kann. Als Schmankerl behält man sich eventuell einen Wildcard-Gaststart bei einem FIM Sidecar World Championship-Rennen vor.

Freuen würden sich Ronja und das Team übrigens über jede Form von Sponsoring-Unterstützung. Kontakt: ZweiradWirthRacing@gmx.de / Infos siehe www.zweiradwirthracing.de.

Schon am letzten Maiwochenende gehen Ronja (mit Enrico) und ihr Mann Markus in Rijeka wieder an den Start. Papa / Opa Erwin Mahl reist aus Altenburg an. Der Clou: er tut dies nicht nur als Babysitter und Schrauber, sondern auch als Starter mit seinem eigenen feuerroten "Kneeler" – Gespann, Baujahr 1970, in der Klasse F2. Wer als Doppelstarterin die Position in seinem Sidecar einnimmt, dürfte klar sein: Tochter Ronja. (goa)+++

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