Segelfluggeschichte und verschollene Pläne
Ein Meilenstein kehrt zurück: Ehrenamtliche bauen legendäre "Cirrus" nach
Fotos: Moritz Pappert
26.05.2026 / GERSFELD (RHÖN) -
Auf der Wasserkuppe, der Wiege des Segelflugs, treffen sich alle zwei Wochen samstags engagierte Ehrenamtliche mit einer gemeinsamen Leidenschaft: dem historischen Segelflugzeugbau. Im Segelflugmuseum arbeiten Jürgen Schuff, Eckhard Habermehl, Wolfgang Onken und Dag Peters seit inzwischen rund zwei Jahren an einem besonderen Projekt – dem originalgetreuen Nachbau der legendären D-30 "Cirrus", einem Meilenstein der Segelfluggeschichte.
Die Cirrus, gebaut von der Akademischen Fliegergruppe der Technischen Hochschule Darmstadt, galt zu ihrer Entstehungszeit als technisch wegweisend. Er war eines der ersten Segelflugzeuge mit einer gemischten Bauweise aus Holz und Metall. Während frühere Modelle nahezu vollständig aus Holz gefertigt wurden, kamen bei der Cirrus bereits Leichtmetalllegierungen in größerem Umfang zum Einsatz – eine Innovation, die damals neue Maßstäbe setzte. "Es gab zu dieser Zeit nichts Besseres", betonen die Restauratoren.
Pläne waren vorerst verschollen
Mit einer Gleitzahl von 37,6 (bei 1.000 Metern - streichen) erreichte die Cirrus Leistungswerte, die erst Jahrzehnte später von Kunststoffflugzeugen wieder erreicht wurden. Zwischen 1936 und 1938 wurde der Segelflieger gebaut. Danach galten die Pläne als verschollen. "Es hieß, dass die Pläne seit einem Bombenangriff im 2. Weltkrieg verschollen waren. Nach einer erneuten Recherche zum 100-jährigen Jubiläum der Akademischen Fliegergruppe im Jahre 2022 wurden sie aber doch wieder gefunden - sie waren im Hessischen Landesarchiv gelagert", erklären die Ehrenamtlichen der Werkstattgruppe. Am Ende kamen 327 Zeichenblätter ans Tageslicht: "Wir waren alle glücklich darüber." Charakteristisch für die D-30 "Cirrus" ist die aufwendige Konstruktion: Der röhrenförmige Rumpf und die komplex aufgebauten Tragflächen erfordern höchste handwerkliche Präzision. Eine Besonderheit ist der kurbelbare Flügelmechanismus, mit dem die Tragflächenenden nach oben oder unten bewegt werden konnten – ein technisches Detail, das den Nachbau zusätzlich anspruchsvoll macht.
Mit Leidenschaft und Liebe zum Detail
Die ehrenamtlichen Flugzeugbauer legen größten Wert auf Authentizität. Gearbeitet wird streng nach den Originalzeichnungen, verwendet wird aber klassisches Kiefernholz, nicht Spruce - das ist günstiger. Denn: Ziel ist auch kein flugfähiges Luftfahrzeug, sondern ein museumsreifes Exponat, das die Ingenieurskunst seiner Zeit möglichst original widerspiegelt. Der Nachbau ist ein langfristiges Projekt. Insgesamt rechnen die Beteiligten noch mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren. "Das braucht Geduld – und Liebe zum Detail", sagen die Ehrenamtlichen.