Der Stadtpfarrer bei O|N
Stefan Buß: "Euer Herz lasse sich nicht verwirren!"
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
09.05.2026 / FULDA -
Und genau da sagt Jesus: Lasst euch nicht verwirren. Wie aktuell klingt das. Auch wir kennen Verwirrung: Was wird aus unserer Welt? Was wird aus der Kirche? Was wird aus meiner Familie, meiner Gesundheit, meiner Zukunft? Manchmal erleben wir, dass alte Sicherheiten wegbrechen. Wege, die klar schienen, verlieren ihre Richtung. Man fragt sich: Wo geht es lang?
Jesus verspricht nicht, dass es keine Schwierigkeiten gibt. Aber er sagt: Euer Herz muss nicht im Chaos untergehen.
Denn Glaube bedeutet nicht, alle Antworten zu haben. Glaube bedeutet: Jemandem vertrauen, auch wenn ich nicht alles verstehe.
Der christliche Glaube ist zuerst keine Ideologie, sondern Beziehung. Wir folgen nicht bloß einer Lehre, sondern einer Person. Der Weg zu Gott heißt: mit Christus leben, ihm vertrauen, sich von ihm prägen lassen. Das heißt konkret: Wenn wir verzeihen, gehen wir seinen Weg. Wenn wir die Wahrheit sagen, gehen wir seinen Weg. Wenn wir einem Einsamen beistehen, gehen wir seinen Weg. Wenn wir trotz Angst hoffen, gehen wir seinen Weg. Dieses Wort hat schon viele Menschen getragen – besonders in Trauerzeiten.
Ein Stein allein ist noch kein Haus. Aber viele Steine zusammen werden zu einem tragenden Bau.
Auch Kirche lebt so. Nicht durch Mauern, nicht durch Strukturen allein, sondern durch Menschen, die ihren Glauben leben:
durch die, die beten,
durch die, die helfen,
durch die, die dienen,
durch die, die Trost schenken,
durch die, die trotz Enttäuschung bleiben.
Jeder Mensch zählt. Jeder hat seinen Platz. Vielleicht fragen wir heute: Wie finde ich den Weg? Dann dürfen wir klein anfangen: Heute einen Menschen anrufen. Heute ein ehrliches Gebet sprechen. Heute nicht im Ärger bleiben. Heute einen Schritt des Vertrauens wagen. Der Weg Jesu beginnt selten spektakulär. Oft beginnt er im Kleinen.
Jesus sagt heute auch zu uns: "Euer Herz lasse sich nicht verwirren." Nicht weil alles einfach ist. Sondern weil er da ist. Nicht weil wir alles wissen. Sondern weil er der Weg ist. Nicht weil der Tod das letzte Wort hätte. Sondern weil im Haus des Vaters viele Wohnungen sind. Gehen wir also unseren Weg mit ihm – Schritt für Schritt, im Vertrauen, in Hoffnung und in Liebe. (Stefan Buß) +++