25 Jahre Notfallseelsorge im Vogelsberg
Blaulichtgottesdienst würdigt Leistung von Notfallseelsorgern und Einsatzkräften
Fotos: T. Schlitt
27.04.2026 / HOMBERG (OHM) -
Zu einem Gottesdienst der Dankbarkeit, der Ermutigung und des Segens begrüßte vor kurzem Pfarrer Thomas Schill Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Polizei, der Rettungsdienste, des THW, der DLRG und der Notfallseelsorge zum diesjährigen ökumenischen Blaulichtgottesdienst in der katholischen Kirche St. Matthias in Homberg/Ohm.
So wie Jesus seine Jüngerinnen und Jünger ausgesandt habe mit dem Auftrag zu heilen, Frieden zu bringen und Hoffnung zu säen, so seien auch die Menschen ausgesandt, die zu Bränden und Unfällen eilen, durch die Nacht und den Sturm, zu Menschen in Angst und Gefahr, sagte der Koordinator der Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für die Dekanate Vogelsberg, Gießen und Gießener Land.
Sein katholisches Gegenüber aus dem Bistum Mainz ist Gemeindereferentin Michaela Ziegler. Gemeinsam mit dem Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Homberg/Ohm unter der Leitung von Jochen Pietzsch und Organist Karl-Friedrich Dörr gestalteten sie den Gottesdienst, an dem nicht nur viele Haupt- und Ehrenamtliche teilnahmen, sondern auch neue Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger ins Amt gestellt oder als Hospitanten begrüßt wurden. Auch einige Ehrungen gab es, schließlich feierte die Notfallseelsorge im Vogelsberg ihr 25-jähriges Bestehen.
"Ihr seid ausgesendet von Gott mit Kraft und Vollmacht"
Dazu gehöre auch, das Belastende, das man mit jedem Einsatz mitnehme, in Gesprächen und auf andere Weise zu verarbeiten. "Ihr seid ausgesendet von Gott mit Kraft und Vollmacht", rief sie den Helfenden zu – das galt auch für die fünf neuen Notfallseelsorger, die nach ihrer Ausbildung und Hospitanz in den Dienst in Zusammenarbeit mit der Polizei, den Rettungsdiensten und der Feuerwehr aufgenommen wurden: David Bender, Karin Climm, Pascal Riechner, Jutta Schaper und Marina Wagner sind die neuen Notfallseelsorger im Vogelsberg bzw. Lahn-Dill-Kreis. Als neue Hospitanten begrüßten Schill und Ziegler Lena Geis, Marie-Christin Gipp, Barbarra Luck, Britta Müller und Patrik Nowak.Auf das Jubiläum der Notfallseelsorge im Vogelsberg ging im Anschluss Oberkirchenrat Dr. Raimar Kremer, Leiter des Zentrums Seelsorge und Beratung der EKHN, ein. "Notfallseelsorge ist ein Dienst im Schatten der Katastrophen", sagte er, "kein einfacher Dienst, sondern ein Weg, der prägt und Spuren hinterlässt." Die Notfallseelsorger schafften Raum für Trauer, Verzweiflung und Hoffnung und sie zeigten, dass Professionalität und Mitgefühl keine Gegensätze seien, lobte Kremer das Engagement der Haupt- und Ehrenamtlichen.
Kremer stellte im Anschluss Pfarrer Johannes Hoffmann und den Religionspädagogen Christian Reifert als Feuerwehrseelsorger der EKHN vor.
Eindrücke aus dem Dienst der Notfallseelsorge vermittelte im Anschluss Jochen Tobisch. Er berichtete sehr einfühlsam und geprägt von viel Einsatzerfahrung von den Einsätzen und den Emotionen der Notfallseelsorger: "Manche Menschen, die wir aufsuchen, sind starr vor Schreck, können das Ereignis nicht fassen, suchen Schuldige oder werden aggressiv", berichtete er von möglichen Reaktionen von Betroffenen und Angehörigen, mit denen die Notfallseelsorger umzugehen hätten. Auch wenn man sich manchmal frage, warum man ein solches Amt auf sich nehme, sei es für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen in der Notfallseelsorge genau das Richtige.
Den Dank des Evangelischen Dekanats als Träger der Notfallseelsorge im Vogelsberg überbrachte die stellvertretende Dekanin Luise Berroth. "Sie bringen Kraft, Zeit, Aufmerksamkeit, Mitgefühl, Haltung und Empathie mit", würdigte sie den Einsatz der Haupt- und Ehrenamtlichen. "Danke, dass es Sie gibt."
Sowohl der Gottesdienst als auch das anschließende Beisammensein hat eine große Bedeutung für die Einsatzkräfte: Sie nutzen diese Zusammenkünfte gerne zum Austausch und zur Ermutigung und freuen sich auch über die Wertschätzung ihrer Arbeit. (pm/mmb) +++