Jede Menge Betrieb

Der Käsemarkt rockt den Marktplatz und die Geschäfte

Käse gab es in allen Sorten und Größen, hier beim Stand "Elisabethenhof" in Alsfeld.
Fotos: goa

27.04.2026 / ALSFELD - Alles Käse! Eine Redewendung gibt dem Käse sprachgebrauchlich einen weniger guten Touch – unverdientermaßen. In Alsfeld wird dem Käse stattdessen gehuldigt: Am ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres steht alles, was mit Käse zu tun hat, im Rampenlicht, denn der Käsemarkt ist in seiner bereits 19. Auflage längst eine Institution. Wen wundert es also, dass Händler und Produzenten, aber auch die Gäste aus einem weiten Umkreis anrückten.


Die Sonne lachte bei ein paar zarten Schleierwölkchen herab, der Marktplatz war zügig prall gefüllt, man probierte, kaufte und genoss. Ganz wichtig: Die Symbiose zwischen Unterhaltung, Einkaufserlebnis auf dem Markt UND in den verkaufsoffenen Geschäften funktioniert in beeindruckender Manier.

"Bestimmt zum 15. Mal hier"

Im Gespräch mit den Händlern ist schnell klar, dass sie aus voller Überzeugung nach Alsfeld kommen. "Es gibt ja nicht viele jährliche Käsemärkte in Deutschland, aber dieser hier ist klasse. Eine tolle Kulisse und ein nettes Publikum. Da kommen wir doch auch sehr gerne die recht weite Strecke aus Leipzig hierher!", heißt es bei Simone von "Käse und Feine Kost" direkt neben der Musik vor dem Rathaus. Sie ist erst seit wenigen Jahren im Händlerportfolio, wird aber auch garantiert beim 20. Markt wieder dabei sein. Fast von Anfang an ist die Käserei Elisabethenhof aus Probbach im Westerwald mit ihrem beeindruckenden Angebot an Käsevariationen und Wurstspezialitäten, aber auch Flüssigköstlichkeiten dabei. "Bestimmt zum 15. Mal sind wir hier", sagt Inhaber Sven Prokasky, ein Stück Inventar des Marktes. Einmal mehr duftet es nicht nur an seinem Stand, sondern auf dem ganzen Marktplatz in allen Variationen. Nicht nur der Käse darf sich feiern lassen, sondern auch ein passendes Tröpfchen dazu. Und wer was Süßes sucht, wird als kleiner oder großer Besucher natürlich auch fündig. Stichwort kleine Besucher: Für die sorgte eine Hüpfburg für ganz viel Spaß. Auf die Ohren gab es was von "Chris & Me" – dass es bei denen schwer ist, vor der Bühne einen Sitzplatz zu bekommen, ist bei ihrer hinreichend bekannten Qualität kein Geheimnis.

Ein Gang durch etliche verkaufsoffene Geschäfte ergab einen sehr positiven Befund: Viele Kunden ließen sich von speziell reduzierten Waren oder gar einem satten Rabatt auf das ganze Sortiment nicht nur anziehen, sondern suchten Beratung, genossen das ungezwungene Ambiente – und kauften. Beim aus allen Nähten platzenden Herkules-Baumarkt gab es 20 Prozent Rabatt, bei Stabilo 15 "auf alles". Mit einer Besonderheit wartete Ute Eisenach, die Inhaberin des Hauses der Mode und des Top Center auf: Je nach Kaufsumme bekamen die Kunden gestaffelt einen Tankgutschein. "Wir bieten Kundinnen bis Größe 54 eine tolle, topaktuelle Mode an. Und der Markt wird heute wieder sehr gut angenommen, auch über die Idee mit dem Tankgutschein freut man sich." Eisenach wird von der tollen Resonanz in der ganzen Innenstadt auch in ihrer Funktion als Vorstand des veranstaltenden Vereins "AlsAktiv" begeistert gewesen sein.

Knast ist Käse – sagen ganz sicher viele Insassen. Vielleicht war es diese Erkenntnis, die den Weltladen veranlasste, beim Käsemarkt beides miteinander zu verbinden. So konnten die Kunden mit leckeren Käsedips die speziellen, fair produzierten und gehandelten "Knast-Kekse" kosten. Sizilianische Gefängnisinsassen in Syrakus erhalten durch ihre Arbeit in der Gefängnisbäckerei eine Chance zum Neuanfang durch Ausbildung, faire Bezahlung und Perspektive.

Einige Alsfelder Vereine bekamen im Rahmen des Marktes wieder eine Plattform: Der Skiclub ASC sorgte vor dem Weinhaus für Getränke, die Feuerwehr-Oldtimerfreunde bruzzelten ihre Bratwürste in der Mainzer Gasse, einen Steinwurf entfernt von ihrem Eldorado, dem schnuckeligen vereinseigenen Feuerwehr-Museum, wo Artur Schnitzer und sein Team geöffnet hatten.

Kaufinteressierte Automobilisten konnten sogar einige Boliden eines Alsfelder Autohauses inspizieren. Dieses nutzte die Gelegenheit auf dem Marktplatz nicht, weil die Autos Käse sind (der Kalauer sei erlaubt), sondern weil ein derart brummender Markt natürlich eine tolle Gelegenheit bietet, Menschen neugierig zu machen und ganz ungezwungen ins Gespräch zu kommen, die den Weg ins Autohaus vielleicht nicht finden würden.

Erstes Fazit: Dieser Sonntag war ganz sicher für alle ein voller Erfolg. (goa) +++

X