Gesunder Start ins Leben

Warum Stillen so wichtig ist - und warum es nicht der einzige Weg sein muss

Was sind die Vorteile vom Stillen?
Symbolbild: Pixabay

27.04.2026 / REGION - Muttermilch gilt als die optimale Ernährungsform für Neugeborene, da sie alle essenziellen Nährstoffe, darunter Fette, Proteine, Kohlenhydrate sowie Vitamine und Spurenelemente in einer exakt auf den Säugling abgestimmten Zusammensetzung enthält. Darüber hinaus liefert sie immunologisch wirksame Bestandteile wie Antikörper, die das Kind vor Infektionen schützen und einen wichtigen Beitrag zur Reifung des Immunsystems leisten.



Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. Diese Empfehlung wird auch in Deutschland von Fachgesellschaften aufgegriffen und in nationale Leitlinien integriert. Im Anschluss soll schrittweise Beikost eingeführt werden, während das Stillen weiterhin fortgeführt wird. Idealerweise sollte dies bis zum Ende des ersten Lebensjahres oder darüber hinaus erfolgen.

Neben den ernährungsphysiologischen Vorteilen bietet das Stillen auch praktische und gesundheitsbezogene Vorzüge. Muttermilch ist jederzeit verfügbar, hygienisch unbedenklich und kostenfrei. Zudem passt sich ihre Zusammensetzung dynamisch an die Bedürfnisse des wachsenden Kindes an. Studien zeigen, dass eine längere Stilldauer mit positiven Effekten auf die körperliche und kognitive Entwicklung sowie mit einer geringeren Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen assoziiert ist. Industriell hergestellte Säuglingsnahrung kann diese komplexe biologische Funktion nur teilweise nachbilden.

Gleichzeitig ist es wichtig, Stillen nicht als alleinige Norm zu verstehen, die unter allen Umständen erfüllt werden muss. Stillen ist ein individueller Prozess und nicht immer möglich. Beispielsweise aus medizinischen, psychischen oder sozialen Gründen kann Stillen für manche Frauen unmöglich sein.

Die werdenden Mütter werden zudem häufig unzureichend über anfängliche Probleme informiert. Die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind benötigt Zeit, um sich zu entwickeln. Schmerzen zu Beginn sind eher die Regel als die Ausnahme. Durch richtiges Anlegen reguliert sich dies jedoch nach einer gewissen Zeit. Die ersten Wochen sind häufig deutlich unromantischer, als sie insbesondere in sozialen Medien dargestellt werden. Dies sollte jungen Müttern vermittelt werden, anstatt sie mit falschen Erwartungen unter Druck zu setzen.

Umso wichtiger ist eine umfassende Unterstützung junger Mütter, beispielsweise durch Hebammen und qualifizierte Stillberatung. Ebenso entscheidend ist ein wertschätzender Umgang mit Frauen, die sich gegen das Stillen entscheiden oder nicht stillen können. Eine gute Versorgung und gesunde Entwicklung des Kindes sind auch unter Verwendung von Säuglingsnahrung möglich.

Die aktuellen Empfehlungen beruhen auf der Auswertung zahlreicher internationaler Studien. Diese zeigen konsistent, dass eine Stilldauer von etwa sechs Monaten gegenüber kürzeren Zeiträumen zusätzliche gesundheitliche Vorteile bietet. (Adrian Böhm) +++

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