Entenrennen am Hessentag, neues Gewächshaus

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn: MIT organisiert Veranstaltung bei Antonius

Motto 'gemeinsam Mensch' zusammen erleben" - genau aus diesem Grund lud die Mittelstands- und Wirtschaftsunion des MIT-Stadt- und Kreisverbands Fulda am Donnerstagabend zur Antonius-Stiftung ein.
Fotos: Marvin Myketin

24.04.2026 / FULDA - "Wir wollen Antonius allen näherbringen und ihr Motto 'gemeinsam Mensch' zusammen erleben" - genau aus diesem Grund lud die Mittelstands- und Wirtschaftsunion des MIT-Stadt- und Kreisverbands Fulda am Donnerstagabend zur Antonius-Stiftung ein. Dabei wurde gemeinsam sowohl ein Blick in die Vergangenheit als auch ein Blick in die Zukunft geworfen.


Antonius entstand aus dem Engagement der Fuldaerin Maria Rang, die schon Ende des 19. Jahrhunderts Menschen mit Behinderung ein würdiges, förderndes Leben ermöglichen wollte. "In ihrem Familienkreis gab es ein Kind mit Behinderung, da erfuhr sie direkt, wie diese Menschen behandelt wurden - als hätten sie keine Würde", berichtete Vorstandssprecher Rainer Sippel. Menschen mit Behinderung sollten nicht weggesperrt werden, sondern lernen, arbeiten und Teil der Gesellschaft sein. Damit legte Rang den Grundstein für eine völlig neue Art des Umgangs mit Menschen mit Behinderung. Aus einer kleinen Pflegeeinrichtung entwickelte sich über 120 Jahre ein großes inklusives Netzwerk in Fulda.

Über die Jahrzehnte entwickelte sich Antonius immer weiter: Aus einem einzelnen Haus wurde ein großes Netzwerk mit Wohngruppen, Werkstätten, Schulen, Betrieben und sozialen Projekten. Seit den 1980er‑Jahren entstanden Wohnangebote in vielen Stadtteilen und Gemeinden rund um Fulda, damit Menschen mit Behinderung mitten in ihrer Heimat leben können. Heute gibt es Cafés, Läden, Werkstätten, Bildungsangebote und viele Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung.

"Ich möchte etwas aus mir machen"

Die Bürgerstiftung "Antonius: gemeinsam Mensch" ist wirtschaftlich und politisch unabhängig und wird stark von Bürgerengagement getragen. Dabei leistete auch Rainer Sippel einen entscheidenden Beitrag: "Er hatte mit 29 Jahren die Vision, dass Antonius unabhängig - von Bürgern getragen - bleibt", erwähnte Marc Dechant, MIT-Vorstand und Teil des Stiftungsrats der Antonius-Stiftung, in seiner Ansprache. Gegenüber OSTHESSEN|NEWS sagte er anschließend: "Für mich ist es faszinierend, dass Rainer Sippel die Eigenständigkeit von Antonius bewahrt und Fulda somit noch eine eigene Bürgerstiftung hat. Das ist bundesweit einmalig."

Für den Vorstandssprecher stehen bei der Stiftung vor allem die Menschen im Fokus. Besonders der 19-jährige Samuel zeigt, wie sich Menschen integrieren können. "Samuel ist mit fünf Jahren zu uns gekommen. Jetzt ist er 19 Jahre alt und startet voraussichtlich beim Café Ideal seine Ausbildung", so Sippel. Auch Samuel selbst meldete sich zu Wort: "Ich wohne im Ferrarihaus, einem Wohnprojekt von Antonius. Da kümmere ich mich um mich selbst." Seine Philosophie sei von Beginn an gewesen: "Ich möchte etwas aus mir machen" - und das ist ihm definitiv gelungen. Eine Geschichte, die mit viel Applaus gewürdigt wurde.

Entenrennen am Hessentag und Großprojekt-Gewächshaus

Nach einem Blick in Vergangenheit und Gegenwart folgte eine Prognose für die Zukunft. Im Fokus stand dabei der anstehende Hessentag im Juni. "Wir veranstalten ein Entenrennen zum Hessentag. Es gibt kleine und große - sogenannte Unternehmer - Enten", erklärte Dechant. Die Unternehmer-Enten könne man auch mit eigenen Logos bestücken, sodass dann eine eigene Werbeente um die Wette schwimmt. Am 20. Juni suchen unterschiedlichste Enten beim größten Landesfest auf der Fulda ihren Weg ins Ziel.

Ein weiteres und größeres Projekt ist allerdings das Gewächshaus, das in Fulda-Haimbach entstehen soll. "Das bietet dann eine Stelle für 40 Arbeitsplätze, 15 davon gefördert - damit jegliche Menschen an einem Ort arbeiten. Das ist ein großes Projekt für uns, das wir in Angriff nehmen werden", so Dechant im Gespräch mit O|N. Anschließend werde es weitere Projekte geben, konkret sagte er aber noch nichts.

Am Ende wurde deutlich, welche Größe das Antonius‑Netzwerk heute erreicht hat: Rund 40 Millionen Euro werden jährlich benötigt - Geld, das von den Bürgern und Unterstützern kommt. Entsprechend groß war das Interesse der Zuhörer, die einige Nachfragen stellten. Für die Verantwortlichen bleibt dabei ein Grundsatz zentral: Jeder Mensch hat Talente und soll in der Gesellschaft mitmachen können. Genau dafür bietet Antonius heute Wohnplätze, Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten und vielfältige Unterstützung - ein Netzwerk, das Teilhabe möglich macht. (mis) +++

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