Salz dringt vor
Gefahr aus dem Kaliberg: Bürgerinitiative fordert sofortiges Eingreifen
Archivfoto: O|N/Carina Jirsch
23.04.2026 / NEUHOF -
Die Bürgerinitiative Umwelt Neuhof fordert nach dem Vortrag von Dr. habil. Ralf E. Krupp beim Runden Tisch am Mittwochabend ein entschlossenes und wissenschaftlich fundiertes Vorgehen gegen die zunehmende Versalzung durch den Kaliberg. Dr. Krupp erläuterte, dass sich im Inneren der Halde ein Haldenwasserkörper bildet, der in direkter Verbindung zum Grundwasser steht. Der Austausch mit den salzhaltigen Haldenwässern beeinträchtige bereits Quellen und Böden in der Umgebung – und könne mittelfristig auch eine Gefahr für die Trinkwasserbrunnen darstellen.
Vor diesem Hintergrund fordert die Bürgerinitiative (BI), dass die von Dr. Krupp aktuell am Runden Tisch vorgestellten Empfehlungen für unmittelbar gebotene Untersuchungen umgehend beauftragt und finanziell abgesichert werden. "Die Sanierung des Kalibergs hat oberste Priorität. Die Politik, die Behörden und vor allem K+S sind jetzt gefordert", so formuliert es Vorsitzender Sven Hartmann.
Es muss gehandelt werden
Konkret verlangt die BI die Erstellung vollständiger Haldenwasserbilanzen, die getrennte Erfassung aller Haldenwasser-Teilströme, den Aufbau einer Hygroskopie-Messstation und einer Wetterstation auf dem Haldenplateau, mindestens drei Haldenbohrungen bis zur Basis des Hauptgrundwasserleiters mit Drucksonden und geochemischer Probenahme, die Erstellung eines numerischen Grundwasser-Modells zur Prognose der Ausbreitung der Versalzungsfahne sowie die Ausweitung der vorhandenen Messstellen und der geoelektrischen Profile zur Früherkennung von Versalzungen. "Die angrenzenden bebauten Gebiete und die möglichen Ausbreitungswege zu den Trinkwasservorkommen müssen endlich in die Messungen integriert werden", so Hartmann. "Gerade bei den Betroffenen in der angrenzenden Wohnbebauung von Neuhof herrscht oftmals Verunsicherung. Die Leute fragen sich: Sind unsere Gärten möglicherweise schon vom Salz unterwandert?". Die Untersuchungen sind aus Sicht der BI Voraussetzung, um unterschiedliche Auffassungen über die Ausbreitungswege, die Dynamik und das Gefährdungspotenzial zu klären, verlässlich zu quantifizieren und belastbare Handlungsoptionen zu entwickeln. In eine ähnliche Richtung, wenn auch vom Fokus her enger gefasst, gingen bereits die Ausführungen von Prof. Scheytt von der TU Freiberg, dessen Bestandsanalyse im März am Runden Tisch vorgestellt wurde. "Durch die Analysen der beiden Wissenschaftler, die sich gut ergänzen, ist hoffentlich allen am Runden Tisch bewusst geworden, dass gehandelt werden muss, und zwar zügig", so Hartmann weiter.
"K+S wird ohne Druck von außen nicht tätig"
Parallel dazu erwartet die BI von den zuständigen Behörden, dass sie konkrete Schutzmaßnahmen für Trinkwasser und Böden planen und umsetzen. Die BI betont, dass politisches und behördliches Handeln Hand in Hand mit den wissenschaftlichen Analysen gehen muss: Nur mit belastbaren Daten lassen sich wirksame, dauerhafte Lösungen entwickeln – und nur mit politischem und administrativem Druck lassen sich Risiken kurzfristig begrenzen und langfristig beseitigen. "Denn die Erfahrung der letzten drei Jahre hat uns leider gelehrt, dass K+S ohne Druck von außen nicht tätig wird", fasst Hartmann zusammen.