Bis heute bedrohliches Szenario

O|N-Umfrage: "Wo waren Sie, als Atomkraftwerk Tschernobyl explodierte?"

Reaktor Nr. 4 wenige Monate nach der Explosion 1986
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26.04.2026 / REGION - Es gibt weltpolitische Ereignisse, die schon Jahrzehnte zurückliegen und ihre aktuelle Brisanz dennoch nie verloren haben. Die meisten Menschen wissen noch genau, wo sie beim Fall der Berliner Mauer oder bei den Terroranschlägen Nine-Eleven in New York waren und wie sie damals auf diese Nachrichten reagiert haben. Genauso verhält es sich – zumindest bei den heute über 50-Jährigen – mit dem bis dahin größten Unfall in der Geschichte der zivilen Atomkraft. Die Nuklearkatastrophe in Tschernobyl jährt sich exakt am heutigen Sonntag zum 40. Mal und hat ihren Schrecken bei den meisten Menschen bis heute nicht verloren.



Am 26. April 1986 erschüttert eine Explosion in Block 4 das Atomkraftwerk Tschernobyl, es kam zu einer vollständigen Kernschmelze. Eine radioaktive Wolke verseuchte zuerst die Region, ein riesiges Gebiet in der damaligen Sowjetunion, und zog dann über Europa. Ursache des so genannten GAU, des größten anzunehmenden Reaktorunfalls, des auf tausend Jahre verstrahlten Gebiets und der unabsehbaren Folgen für Mensch und Umwelt waren menschliches Versagen und technische Mängel. Die radioaktive Wolke aus dem Osten erreichte Deutschland vier Tage später. Besonders in Süddeutschland, wo die radioaktive Wolke sich abgeregnet hatte, wurde schnell ein deutlicher Anstieg der Strahlenwerte gemessen, doch auch in allen anderen Landesteilen und vielen Ländern Europas schlugen die Geigerzähler heftig aus.

Aus Anlass dieses Jahrestages haben wir eine Videoumfrage in der Fuldaer Innenstadt gedreht. Unsere Frage, ob diese Nachricht und die dann folgenden einschneidenden Maßnahmen noch im Gedächtnis geblieben sind, haben alle Interviewpartner sofort bejaht. "Besonders belastend war damals die Tatsache, dass man von den Betreibern des Kernkraftwerks selbst oder der Sowjetführung völlig im Unklaren gelassen wurde, was wirklich passiert war, wie viel Radioaktivität freigesetzt wurde und welche Folgen zu befürchten waren", erinnert sich einer der von uns Befragten. Die Gefahr war lautlos, geruchlos und unsichtbar, man konnte sich vor der Strahlung nicht wirksam schützen. Selbst diejenigen, die damals noch Kinder waren, wurden unmittelbar mit der radioaktiven Gefahr konfrontiert. Dass man nichts mehr aus dem Garten essen durfte, die Milch der Kühe, die das kontaminierte Gras gefressen hatten, verstrahlt war und vernichtet werden musste und man nicht mehr im Freien spielen durfte, daran erinnern sich alle gut. "Das war ein Ereignis, das sich niemals wiederholen darf", sagt eine Befragte mit Nachdruck abschließend. (ci)+++

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