Polizei über beliebte Motorradstrecke

Saisonstart trifft auf Blaulicht: Der Hoherodskopf mit trauriger Unfallgeschichte

Am Hoherodskopf kommt es jedes Jahr zu zahlreichen schweren Motorradunfällen, weshalb die Polizei mit Aufklärung, Kontrollen und klaren Appellen an die Fahrer versucht, die gefährliche Mischung aus Selbstüberschätzung, hoher Geschwindigkeit und unterschätzter Strecke einzudämmen.
Archivfotos: O|N/Nina Seikel/Laura Struppe/Hendrik Urbin/Henrik Schmitt

23.04.2026 / SCHOTTEN - Wenn am Hoherodskopf die Motorradsaison beginnt, dauert es meist nicht lange, bis die ersten Rettungswagen die Strecke im Vogelsbergkreis hinauf rasen. Jahr für Jahr kommt es dort zu schweren Unfällen - oft schon an den ersten warmen Wochenenden. Für die Einsatzkräfte ist das längst ein vertrautes, aber furchtbares und frustrierendes Bild: verunfallte Maschinen, verletzte Fahrer, hektische Bergwachteinsätze.



OSTHESSEN|NEWS hat sich nach dem tödlichen Unfall Anfang April ein genaues Bild von der Unfallbilanz am Hoherodskopf - rund um die Gemarkung Schotten - gemacht. "Es ist jedes Frühjahr dasselbe - und trotzdem trifft es uns jedes Mal", sagt Jonas Trabert, Polizeioberkommissar und Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen, gegenüber O|N. "Viele unterschätzen die Strecke, andere überschätzen sich selbst. Diese Kombination führt immer wieder zu schlimmen Unfällen."

Nicht angepasste Geschwindigkeit bleibt Hauptproblem

Vor allem bei Motorradfahrern ist diese Strecke beliebt, birgt aber auch Gefahren. So forderte die Route zwar zahlreiche Schwerverletzte, Tote gab es allerdings nur bei Zweiradunfällen. So forderten die Jahre 2020, 2021 und 2024 jeweils das Leben eines Kradfahrers. Das Problem sei dabei oft die nicht angepasste Geschwindigkeit.

Trabert sagt dazu: "35 Prozent aller Unfälle mit Zweiradbeteiligung gehen auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurück. Dahinter folgen ungenügender Sicherheitsabstand mit 14 Prozent, Ablenkung mit 13 Prozent und Missachtung von Vorfahrt- und Verkehrszeichen mit zehn Prozent." Dennoch betont der Polizeisprecher: "Geschwindigkeit ist und bleibt unser größter Gegner. Viele Fahrer kommen aus der Winterpause, sind noch nicht wieder in Form - und geben trotzdem sofort Vollgas."

Polizei setzt auf Aufklärung, Kontrollen und neue Technik

Um das Unfallrisiko zu senken, setzt die Polizei auf ein umfassendes Maßnahmenpaket. Dazu gehören eine Auftaktveranstaltung am Hoherodskopf gemeinsam mit Verkehrswacht und Bergwacht, bei der über typische Zweiradrisiken aufgeklärt wird. Außerdem führt die Polizei zweiradspezifische Verkehrskontrollen durch, bei denen neben Überprüfungen auch Präventivgespräche stattfinden.

Regelmäßige Geschwindigkeitsmessungen sollen zusätzlich für mehr Sicherheit sorgen. Lärmdisplays machen zu laute Maschinen sichtbar und sensibilisieren Motorradfahrende direkt vor Ort. Wildbanner weisen auf Sichtgefahren und möglichen Wildwechsel hin. Zudem sind neue Fahrbahnmarkierungen in Kurven geplant, die das Tempo automatisch reduzieren sollen. Hessen Mobil prüft derzeit, wo diese Markierungen sinnvoll umgesetzt werden können. "Wir wollen nicht nur kontrollieren, sondern vor allem sensibilisieren", erklärt Trabert. "Viele Unfälle ließen sich vermeiden, wenn Fahrerinnen und Fahrer nur ein bisschen defensiver unterwegs wären."

Die Botschaft an Motorradfahrende: langsam starten, sichtbar bleiben, vorausschauend fahren. Zum Saisonstart richtet der Polizeisprecher einen deutlichen Appell an alle Zweiradfahrer: "Nach der Winterpause bitte langsam anfangen. Maschine und Schutzausrüstung checken, Geschwindigkeit anpassen und immer mit Fehlern anderer rechnen." Er ergänzt: "Motorräder werden oft übersehen. Helle, reflektierende Kleidung kann Leben retten." Auch Fahrtrainings seien ein wichtiger Baustein: "Wer regelmäßig übt, fährt sicherer – und hat am Ende auch mehr Spaß."

Am Ende bleibt der Appell klar: Wer die kurvenreiche Strecke am und um den Hoherodskopf genießen will, sollte mit Respekt, Vorsicht und Verantwortung fahren – damit aus einem schönen Ausflug kein weiterer Einsatz für die Rettungskräfte wird. (Mia Schmitt) +++

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