Treffpunkt regionaler Wirtschaft

Unternehmertreffen: Austausch, Verantwortung und klare Worte

In Hünfeld fand am Montagabend das Unternehmertreffen statt. V.l.n.r: Thorsten Krämer, Benjamin Tschesnok, Holger Wirthwein, Frederik Schmitt und Michael Wehner.
Fotos: Bernd Vogt

21.04.2026 / HÜNFELD - Der Alte Lokschuppen wurde am Montagabend zum Treffpunkt der regionalen Wirtschaft: Beim 24. Unternehmertreffen der Stadt Hünfeld (Kreis Fulda) kamen zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, Vertreter aus Politik und Handwerk sowie unterschiedlichste Gäste aus der Region zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, den Austausch zu fördern, Kontakte zu knüpfen und aktuelle Herausforderungen offen zu diskutieren – ein Konzept, das laut Einladung bewusst Raum für Gespräche und Netzwerken bieten sollte.


"Wir leben in schwierigen Zeiten"

Den Auftakt machte Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) mit einem eindringlichen Grußwort. "Wir leben in schwierigen Zeiten", betonte er mit Blick auf globale Krisen, geopolitische Spannungen und eine zunehmend unsichere wirtschaftliche Lage. Auch innerhalb Europas sei es schwieriger denn je geworden, "mit einer Stimme zu sprechen", während gleichzeitig politische Kräfte an den Rändern an Einfluss erstarkten.

Trotz dieser Herausforderungen rückte Tschesnok die Rolle der Unternehmer klar in den Mittelpunkt: Die Stärke von Stadt und Region hänge maßgeblich von ihrem wirtschaftlichen Erfolg ab. "Egal ob Stadt oder Kreis – wir sind nur stark, wenn Sie als Unternehmer erfolgreich sind", sagte er und verwies besonders auf die Bedeutung mittelständischer Betriebe. Deren "wichtigstes Kapital" seien die Menschen. Gleichzeitig unterstrich er die gemeinsame Verantwortung von Politik und Wirtschaft: Man wolle an diesem Abend bewusst den Dialog suchen – "für Dinge, die im Alltag manchmal zu kurz kommen".

Engagement für schwerkranke Kinder

Einen besonders emotionalen Akzent setzte Norbert Böth mit der Vorstellung der Initiative "Schornsteinfeger helfen krebskranken Kindern". Die Idee entstand aus einem persönlichen Schicksalsschlag im Freundeskreis, wie Böth berichtete. "Es verändert und erdet einen, wenn das eigene Leben am seidenen Faden hängt", sagte er und sprach auch von eigenen Krankheitserfahrungen.

Die Initiative hat bereits rund 30.000 Euro gesammelt, die nun an unterschiedliche Einrichtungen in und um Hünfeld verteilt werden sollen. Besonders eindrücklich schilderte Böth einen konkreten Fall: Ein 17-jähriger Krebspatient, dessen letzter Wunsch es war, mit Freunden nach München zu reisen, konnte dank der Unterstützung der Initiative trotz Chemotherapie und mit medizinischer Begleitung an dieser Fahrt teilnehmen. "Mit unserer Tour wollen wir auf solche Schicksale aufmerksam machen", erklärte Böth – und machte damit deutlich, wie eng wirtschaftliches Engagement und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verknüpft sein können.

Handwerk mahnt zur Differenzierung

Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer ordnete die wirtschaftliche Lage differenziert ein. Zwar sei die Situation aktuell "heikel", doch warnte er davor, vorschnell von "Leid" zu sprechen. "Echtes Leid trägt sich derzeit dort zu, wo Krieg und Not herrschen", stellte er klar und relativierte damit die Herausforderungen der heimischen Wirtschaft im globalen Kontext. Gleichzeitig blickte Krämer nach vorn und hob die Bedeutung des Austauschs hervor. Er freue sich auf "einen angenehmen Abend und ein anregendes Netzwerken", bei dem Ideen entstehen und Kontakte gestärkt werden könnten.

Regionale Unternehmen im Fokus

Auch der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt betonte die Bedeutung des Abends als Plattform für die regionale Wirtschaft. Gerade Veranstaltungen wie diese würden Unternehmen sichtbar machen, "die vielleicht sonst weniger im Fokus stehen".

In Zeiten wachsender Unsicherheit sei es umso wichtiger, zusammenzukommen, sich auszutauschen und Netzwerke zu pflegen. Schmitt sprach von einer klaren Herausforderung, der man nur gemeinsam begegnen könne – durch Dialog, Kooperation und gegenseitige Unterstützung.

Absicherung als Schlüsselthema

Michael Wehner, Gastgeber und Allianz-Generalvertreter, richtete den Blick auf ein zentrales Thema für viele Unternehmen: die Absicherung. Die betriebliche Altersvorsorge sei – so Wehner – ein entscheidender Baustein für die Zukunftssicherung von Betrieben und Mitarbeitenden.

Er betonte, dass gerade in unsicheren Zeiten ein "starker regionaler Partner" wichtig sei. Besonders hob er hervor, dass Unternehmen bei einem speziellen Angebot der Allianz sogar die Möglichkeit hätten, Mitarbeitende gegen Berufsunfähigkeit abzusichern – "ohne vorherige Gesundheitsprüfung". Ein Modell, das laut Wehner bereits von vielen Unternehmen genutzt werde. Sein Versprechen an die Anwesenden formulierte er deutlich: "Sie haben mein Wort: Alle unsere Kunden werden nicht nur kompetent, sondern auch wirklich ehrlich beraten."

Im persönlichen Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS am Rande der Veranstaltung erklärte Wehner zudem, dass in diesem Jahr bewusst mehr Gäste eingeladen worden seien, um den Netzwerkgedanken zu stärken und eine zentrale, möglichst vielschichtige Plattform für die regionale Wirtschaft zu schaffen.

"Viele kommen zu spät" – Vortrag zum Unternehmensstrafrecht

Den fachlichen Schwerpunkt des Abends setzte der Fuldaer Strafrechtler Holger Wirthwein mit seinem Vortrag zum Thema Unternehmensstrafrecht. Der erfahrene Anwalt, seit rund 30 Jahren im Wirtschaftsrecht tätig, sprach offen über typische Fehler in Unternehmen. "In jedem Unternehmen passieren Fehlentscheidungen", sagte Wirthwein – problematisch sei jedoch, dass viele Unternehmer zu spät reagierten. Häufig werde nicht erkannt, dass ein vermeintlich kleiner Fehler strafrechtliche Konsequenzen haben könne. Statt frühzeitig zu handeln, würden Probleme verdrängt – mit teils erheblichen Folgen.

Ziel seines Vortrags sei es daher, für genau diese Risiken zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt standen Fragen der strafrechtlichen Verantwortung von Unternehmern sowie die Bedeutung eines funktionierenden Risikomanagements.

Netzwerken als Abschluss – und als Ziel

Nach den Grußworten und dem Fachvortrag ging der Abend in den informellen Teil über. Bei Imbiss und Getränken nutzten die Gäste die Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Netzwerke auszubauen – ganz im Sinne der Veranstaltung.

Das Unternehmertreffen zeigte damit einmal mehr, wie wichtig der persönliche Austausch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist. Zwischen klaren politischen Botschaften, emotionalem Engagement und fachlicher Expertise wurde deutlich: Die Herausforderungen sind groß – doch ebenso groß ist die Bereitschaft, ihnen gemeinsam zu begegnen. (Marvin Hucke) +++

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