Das bedeuten die sinkenden Honorare
Hilfe am Limit - und jetzt Kürzungen? Psychotherapeutin packt aus
Symbolfoto: pixabay
25.04.2026 / REGION - Wenn Psychotherapeuten in ihrer Praxis das Telefon klingeln hören, wissen sie oft schon, was sie erwartet: verzweifelte Menschen, die dringend Hilfe suchen. Doch ausgerechnet jetzt, wo der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung so hoch ist wie selten zuvor, sollen die Honorare gekürzt werden. Für viele ist das ein fatales Signal.
Psychotherapeutin Karina Goldbach spricht gegenüber OSTHESSEN|NEWS von einer Entwicklung, die "sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich problematisch" sei. In ihrer Praxis in Poppenhausen (Landkreis Fulda) nimmt sie eine zunehmende Verunsicherung wahr - bei ihren Patientinnen und Patienten ebenso wie bei sich selbst.
Nur noch privat versicherte Patienten behandeln?
Goldbach beschreibt die wirtschaftliche Lage ihrer Praxis als angespannt. Neben der emotionalen Belastung durch eine stetig wachsende Zahl verzweifelter Anfragen und immer komplexere Antragsverfahren komme nun zusätzlicher finanzieller Druck hinzu. "Hohe Fixkosten bleiben bestehen oder steigen sogar spürbar an, während Einnahmen sinken", erklärt sie. Gleichzeitig lasse sich die Arbeitsleistung nicht einfach erhöhen: Jede Therapiesitzung habe eine festgelegte Dauer und sei nicht delegierbar. Auch der Anteil an nicht vergütetem bürokratischem Aufwand steige seit Jahren kontinuierlich. "Solche Strukturen lassen kaum Spielraum, Einnahmeverluste auszugleichen", so die Therapeutin gegenüber O|N. Änderungen in der Gesundheitspolitik müssen her
Goldbach fordert daher ein klares Umdenken in der Gesundheitspolitik. Einsparungen dürften nicht ausgerechnet in einem Bereich vorgenommen werden, der für die psychische Gesundheit der Gesellschaft zentral sei und im Vergleich zu anderen Kostenpunkten des Gesundheitssystems nur einen kleinen Anteil ausmacht. Sie plädiert für mehr Kassenzulassungen, verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine stärkere Priorisierung der psychotherapeutischen Versorgung. Andernfalls drohe eine weitere Verschlechterung der Situation für Patientinnen und Patienten.