"Ich sehe die schönen Formen"
Blüten im Zwischenraum: Nicole Bellaire spielt mit Form, Farbe und Fantasie
Am Sonntag begann in der Kunststation Kleinsassen eine neue Studioausstellung. Nicole Bellaire zeigt unter dem Titel "Im Rausch der Blüte" vor allem Farbholzschnitte, die zwischen Realismus im weitesten Sinne und Abstraktion changieren.
Fotos: Hanswerner Kruse
21.04.2026 / HOFBIEBER -
Am Sonntag begann in der Kunststation Kleinsassen eine neue Studioausstellung. Nicole Bellaire zeigt unter dem Titel "Im Rausch der Blüte" vor allem Farbholzschnitte, die zwischen Realismus im weitesten Sinne und Abstraktion changieren.
In der Vernissage ließen Gitarrist Tony Osanah und Violinist Michael Makarov schöne, aber eigenartige Klänge ertönen, welche die grafischen Kompositionen der Künstlerin quasi in Musik verwandelten. Ihre Blüten haben wenig mit den Blüten in einer der großen parallelen Frühjahrsausstellungen von Susanna Taras zu tun. Während dort riesige, überdimensionale Blumen in kräftigen Farben blühen, sind die Drucke von Bellaire formal und farblich wesentlich zurückhaltender.
Zwischen den Werken im Studio bekommt man sofort angenehme Gefühle. Die Künstlerin liebt die Natur, aber ihre ausgestellten Arbeiten sind keine Abbilder, sondern freie Kompositionen. Sie lässt sich zwar von wilden oder ansehnlichen Pflanzen inspirieren, doch sie sieht meist deren "schöne Formen", die sie aufgreift, dann aber frei weitergestaltet. So entstehen komplexe Farbdrucke – mit Ölfarben ohne toxische Bestandteile – in mehreren aufwendigen Arbeitsgängen. Zur Eröffnung demonstrierte sie mit einigen Druckblättern diese Technik.
Bewusst will die Grafikerin schöne Werke schaffen – doch in ihnen ist auch die Wildheit, Zerrissenheit und das Chaos der Natur bewahrt. Dabei fertigt sie keine Kopien, erzählt keine Geschichten. Jedoch hat sie nichts dagegen, wenn die Betrachter darin etwas sehen oder wiedererkennen. Darüber könne man in einen Dialog eintreten, sagt sie. Einige ihrer Drucke sind auch sehr humorvoll, ein Bild sieht so aus, als sei etwas Riesiges in die Welt geplatscht oder als lachten aus den organischen Formen kleine Dämonen.
Die Objekte der Künstlerin laden zum genauen Hinsehen ein, meinte Carmen Krug-Körper, welche die Ausstellung eröffnete, die noch bis zum 5. Juni 2026 gezeigt wird. (Hanswerner Kruse) +++