Bis zu 400 Fahrzeuge

Großübung auf Autobahnen: Hethex bündelt Militärkolonnen und Blaulichtkräfte

Großübung HETHEX 2026: Hunderte Fahrzeuge und Einsatzkräfte trainieren den Ernstfall.
Archivfotos: O|N / Henrik Schmitt

20.04.2026 / REGION - Mehrere hundert Fahrzeuge, bis zu 900 Einsatzkräfte und ein komplexes Zusammenspiel von Militär und zivilen Behörden: Mit der HESSE-THURINGIA-EXERCISE, kurz HETHEX 2026, startet Ende April eine groß angelegte Übung, die in dieser Form bundesweit erstmals durchgeführt wird.



Unter Leitung der Landeskommandos Hessen und Thüringen trainieren vom 22. bis zum 26. April deutsche und US-amerikanische Soldatinnen und Soldaten gemeinsam mit Polizei, Feuerwehr sowie weiteren zivilen Akteuren die Koordination militärischer Kolonnenfahrten im zivilen Straßenverkehr. Gleichzeitig geht es um die Versorgung der beteiligten Kräfte während des Einsatzes.

Bis zu 400 Fahrzeuge auf den Autobahnen

Im Rahmen der Übung werden rund 400 Fahrzeuge auf ausgewählten Abschnitten der Autobahnen A4, A5, A7 und A38 unterwegs sein. Besonders im Zeitraum vom 24. bis zum 26. April wird es dabei zu wiederholtem Kolonnenverkehr auf hessischen und thüringischen Verkehrswegen kommen.

Neben den Fahrbewegungen steht auch die Logistik im Fokus: Der Nachschub wird während der Übung an festgelegten Versorgungspunkten durch beauftragte zivile Dienstleister in beiden Bundesländern sichergestellt.

Ziel der HETHEX 2026 ist es, Verfahren und Abläufe der sogenannten "Drehscheibe Deutschland" über Ressort- und Ländergrenzen hinweg zu überprüfen und die Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Partnern weiter zu stärken – sowohl im zivil-gewerblichen als auch im zivil-hoheitlichen Bereich.

Ist mit Einschränkungen zu rechnen?

Für Verkehrsteilnehmer soll es dennoch möglichst wenig Einschränkungen geben: Die Bewegungen der Marschkolonnen erfolgen bevorzugt außerhalb der Spitzenzeiten. Zudem arbeiten alle Beteiligten eng mit den Verkehrsbehörden zusammen, um Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.

Gleichzeitig weist die Bundeswehr darauf hin, dass Marschkolonnen im Straßenverkehr auf gegenseitige Rücksichtnahme angewiesen sind.

Zentrale Rolle der Landeskommandos

Eine Schlüsselrolle bei der Übung spielen die Landeskommandos – in diesem Fall das Landeskommando Hessen mit Sitz in Wiesbaden sowie das Landeskommando Thüringen. Sie sind die obersten territorialen Kommandobehörden der Bundeswehr in den jeweiligen Bundesländern und fungieren als zentrale Schnittstelle zur zivil-militärischen Zusammenarbeit.

In ganz Deutschland existieren 16 dieser Landeskommandos, die direkt dem Operativen Führungskommando der Bundeswehr unterstellt sind. Ihre Aufgabe ist es, ein enges Netzwerk mit Landesregierungen, Kommunen, Behörden, Blaulichtorganisationen sowie weiteren Institutionen aufzubauen und zu pflegen. Gerade im Bereich der Amtshilfe und des Katastrophenschutzes kommt ihnen eine besondere Bedeutung zu. Sie koordinieren Anfragen ziviler Stellen, beraten Entscheidungsträger und übernehmen Abstimmungsaufgaben zwischen militärischen Einheiten und zivilen Einsatzleitungen.

Unterstützt werden sie dabei von Kreis- und Bezirksverbindungskommandos, die aus Reservedienstleistenden bestehen und fest in den Regionen verankert sind. Ihr Ziel: Im Ernstfall schnell reagieren zu können – nach dem Prinzip "In der Krise Köpfe kennen".

Wichtige Funktion für Sicherheit und Versorgung

Darüber hinaus erfassen und bewerten die Landeskommandos kontinuierlich die Lage in ihren Bundesländern – sowohl zivil als auch militärisch. Diese Informationen fließen in das Gesamtlagebild der Bundeswehr ein und sind entscheidend für strategische Entscheidungen.

Auch im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung übernehmen sie wichtige Aufgaben: Sie analysieren regelmäßig die vorhandene Infrastruktur und unterstützen die Planung von militärischen Operationen. Nicht zuletzt sind die Landeskommandos ein zentraler Partner im sogenannten Host Nation Support. Dabei geht es um die Unterstützung verbündeter Streitkräfte, etwa bei deren Transit durch Deutschland oder bei der Versorgung während Übungen wie der HETHEX 2026.

Mit der groß angelegten Übung wird deutlich, wie eng zivile und militärische Strukturen inzwischen verzahnt sind – und wie wichtig dieses Zusammenspiel für den Ernstfall ist. (Constantin von Butler) +++

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