Mit Schülern im Dialog

Wenn der Ex-Vizekanzler kommt: Zwei Stunden Klartext mit Sigmar Gabriel

Prominenter Besuch in Fulda: Sigmar Gabriel (SPD) spricht vor Schülern der Freiherr-vom-Stein-Schule.
Fotos: Constantin von Butler

21.04.2026 / FULDA - Mit großem Applaus empfingen die Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda am Montag einen prominenten Gast: Sigmar Gabriel (SPD). Der ehemalige Vizekanzler aus dem damaligen Merkel-Kabinett stellte sich in der Turnhallenaula den Fragen der Oberstufe – und zeigte sich dabei nahbar, direkt und stellenweise auch selbstironisch. Zwei Stunden lang entwickelte sich ein intensiver Austausch über Politik, Gesellschaft und persönliche Erfahrungen.



Organisiert wurde die Veranstaltung als moderiertes Expertengespräch. Ein fünfköpfiges Schülerteam führte durch das Programm und stellte Fragen zu Gabriels politischem Werdegang, aktuellen weltpolitischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Dabei ging es unter anderem um Klimaschutz, wirtschaftliche Stabilität, Generationengerechtigkeit und die mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Besuch eines erfahrenen Politikers an der Schule

Schulleiter Dr. Ulf Brüdigam zeigte sich stolz über den Besuch des erfahrenen Politikers und betonte die Bedeutung solcher Begegnungen für die politische Bildung. "Der Besuch ist eine große Ehre für unsere Schule", erklärte er. Besonders hob er hervor: "Seine fachliche Expertise ist wirklich etwas ganz Besonderes."

Gabriel selbst begegnete den Jugendlichen auf Augenhöhe und scheute sich nicht vor klaren Aussagen. Mit Blick auf die aktuelle Bundesregierung sagte er kritisch: "Die Ampel hat große Chancen gehabt und am Anfang auch gut gearbeitet, aber sie hat vergessen, ihre Koalitionsvereinbarung angesichts eines Krieges in Europa neu zu verhandeln." Für ihn sei klar gewesen: "Das musste zum Chaos führen."

Gabriel erklärt wirtschaftliche Zusammenhänge

Auch wirtschaftliche Zusammenhänge erklärte der frühere Bundesminister verständlich: "Wenn man kein wirtschaftliches Wachstum hat, bekommt man auch kein Geld zusammen, um in Umweltschutz zu investieren." Gleichzeitig plädierte er für mehr Zusammenhalt auf internationaler Ebene: "Wir müssen in Europa stärker zusammenwachsen."

Immer wieder lockerte Gabriel die Diskussion mit Humor auf. Auf die Frage nach seinem Eintritt in die SPD antwortete er augenzwinkernd: "Das frage ich mich auch manchmal." Dennoch betonte er die Bedeutung innerparteilicher Meinungsvielfalt: "Man muss sich eine Partei suchen, in der man seine Meinung frei äußern kann – und das ist die SPD."

Sicherheitspolitik im Mittelpunkt der Diskussion

Ein zentrales Thema war die Sicherheitspolitik. Gabriel äußerte sich deutlich zur aktuellen Lage: "Ich bin ein absoluter Befürworter der Wiedereinführung der Wehrpflicht." Zugleich mahnte er: "Wir können uns in Deutschland und Europa nicht mehr sicher fühlen. Wir wissen nicht, ob Putin nach einem möglichen Kriegsgewinn weitermacht."

Die Schüler nutzten die Gelegenheit intensiv, stellten zahlreiche Fragen und diskutierten engagiert mit. Gabriels direkte, aber zugleich humorvolle Art kam dabei besonders gut an und sorgte immer wieder für Zustimmung im Publikum. (Constantin von Butler) +++

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