Kreisjugendfeuerwehr im Vogelsberg

Wo aus Kindern Verantwortung wächst: Die Stärke des Ehrenamts

Delegiertenversammlung der Kreisjugendfeuerwehr Vogelsbergkreis am vergangenen Samstag.
Fotos: Philipp Stock

20.04.2026 / REGION VB - Es sind nicht allein Einsatzfahrzeuge, Technik oder Uniformen, die eine Feuerwehr stark machen. Es sind vor allem die Menschen, die früh lernen, Verantwortung zu übernehmen, Gemeinschaft zu leben und füreinander einzustehen. Genau dort beginnt die eigentliche Zukunft des Ehrenamts. Der Delegiertentag der Kreisjugendfeuerwehr Vogelsbergkreis macht sichtbar, mit welchem Engagement, mit welcher Kontinuität und mit welcher Leidenschaft diese wichtige Nachwuchsarbeit im Vogelsbergkreis geleistet wird.



Wer auf einen Delegiertentag blickt, sieht zunächst Berichte, Zahlen, Wahlen, Rückblicke und organisatorische Abläufe. Doch hinter all dem steht weit mehr als reine Vereinsarbeit. Es geht um die Grundlage dessen, was unsere Gesellschaft zusammenhält: um Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Hilfsbereitschaft und das gelebte Miteinander über Generationen hinweg. Gerade die Kinder- und Jugendfeuerwehren zeigen, wie früh dieser Weg beginnt. Aus ersten Begegnungen mit dem Thema Feuerwehr wird Begeisterung. Aus Begeisterung entsteht Bindung. Und aus dieser Bindung wachsen jene jungen Menschen heran, die später bereit sind, in den Einsatzabteilungen Verantwortung für andere zu übernehmen.

Viele Kinder aktiv

Der aktuelle Jahresbericht der Kreisjugendfeuerwehr Vogelsbergkreis unterstreicht diese Entwicklung eindrucksvoll. Zum 31. Dezember 2025 waren im Vogelsbergkreis 67 Kindergruppen sowie erstmals 100 Jugendfeuerwehren in der Florix-Statistik erfasst. In den Kindergruppen engagierten sich 638 Kinder, davon 391 männliche und 247 weibliche Mitglieder. In den Jugendfeuerwehren waren 1.162 Jugendliche aktiv, darunter 696 männliche und 466 weibliche Mitglieder. Allein diese Zahlen zeigen, welchen Stellenwert die Nachwuchsarbeit im Vogelsbergkreis inzwischen einnimmt.

Doch noch eindrucksvoller wird das Bild, wenn man auf die Entwicklung schaut: Im Jahr 2025 traten 176 Kinder den Kindergruppen bei, 131 Kinder wechselten in die Jugendfeuerwehren, 82 Jugendliche kamen neu hinzu und 31 junge Menschen wurden in die Einsatzabteilungen übernommen. Genau hierin liegt die eigentliche Stärke der Feuerwehr-Nachwuchsarbeit. Sie schafft nicht nur Angebote für Kinder und Jugendliche, sondern sie begleitet einen Weg — von den ersten spielerischen Berührungen in den Kindergruppen über die verbindlichere Ausbildung in den Jugendfeuerwehren bis hin zur aktiven Übernahme von Verantwortung im Einsatzdienst.

Werte, weit über die Feuerwehr hinaus

Für Eltern ist das eine besonders wichtige Botschaft. Kinder- und Jugendfeuerwehr bedeuten nicht nur spannende Übungen, Technik und Gemeinschaftserlebnisse. Sie vermitteln Werte, die weit über die Feuerwehr hinausreichen: Teamfähigkeit, Verlässlichkeit, Disziplin, gegenseitigen Respekt und die Erfahrung, dass jeder Einzelne wichtig ist. Wie viel ehrenamtliche Kraft hinter dieser Arbeit steckt, zeigt der Bericht ebenfalls mit beeindruckender Klarheit. Im Berichtsjahr 2025 wurden allein in den Bereichen feuerwehrtechnische Ausbildung und Betreuung 4.060 Stunden geleistet. Hinzu kommen Vor- und Nachbereitungen sowie weitere Fortbildungsmaßnahmen mit rund 5.904 Stunden.



Insgesamt summiert sich das Engagement damit auf 9.969 Stunden. Diese Zahl ist weit mehr als Statistik. Sie ist ein sichtbarer Ausdruck dessen, was Ehrenamt wirklich bedeutet: Menschen investieren Zeit, Kraft, Geduld und Herzblut, damit junge Menschen Gemeinschaft erleben, Fähigkeiten entwickeln und Schritt für Schritt in Verantwortung hineinwachsen können. Auch inhaltlich zeigt der Bericht, wie breit die Arbeit der Kreisjugendfeuerwehr aufgestellt ist.

Neben Wettbewerben, Sitzungen, Schulungen und organisatorischen Aufgaben standen zahlreiche Termine, Veranstaltungen und fachliche Themen auf der Agenda. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 63 Termine im Bereich der Kreisjugendfeuerwehr absolviert. Hinzu kamen Wettbewerbe, Herbsttagungen, Vorstandsarbeit, Kontakte in die Nachbarkreise und überregionale Themen der Jugendfeuerwehrarbeit.



Besonders bemerkenswert ist dabei, dass vieles trotz personeller Veränderungen und offener Zuständigkeiten weitergeführt werden konnte. Gerade das zeigt, wie tragfähig die Strukturen innerhalb der Kreisjugendfeuerwehr sind — und wie groß die Bereitschaft ist, Verantwortung zu übernehmen, Lücken aufzufangen und gemeinsam Lösungen zu finden. Auch der Bereich der Kinderfeuerwehren entwickelt sich weiterhin mit großer Dynamik. Das erste hessische Kinderfeuerwehr-Fachforum 2025 im Vogelsbergkreis, neue Fachbereichsstrukturen und die Vorbereitung auf weitere Aufgaben im Jahr 2026 zeigen, dass die Arbeit mit den Jüngsten längst kein Randthema mehr ist, sondern ein zentraler Baustein für die Zukunft des Ehrenamts geworden ist. (lu/pm) +++

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