Stadt schaltet Verfassungsschutz ein

Drohung aus Moskau: Hanauer Firma auf Angriffsliste Russlands

Die hessische Stadt Hanau sieht sich mit einer ungewöhnlich direkten Drohkulisse konfrontiert: Russland hat ein Unternehmen aus der Stadt auf eine Liste möglicher militärischer Ziele gesetzt.
Archivfotos: O|N/ Moritz Pappert

19.04.2026 / HANAU - Die hessische Stadt Hanau sieht sich mit einer ungewöhnlich direkten Drohkulisse konfrontiert: Russland hat ein Unternehmen aus der Stadt auf eine Liste möglicher militärischer Ziele gesetzt. Die kommunalen Behörden reagieren alarmiert und haben die Sicherheitsbehörden eingeschaltet.



Hintergrund ist eine Veröffentlichung des russischen Verteidigungsministeriums. Darin werden insgesamt 21 Unternehmen in Europa genannt, die angeblich an der Produktion von Drohnen für die Ukraine beteiligt sind. Darunter befindet sich auch ein Motorenhersteller aus Hanau. Die russische Seite spricht offen von einer "Liste potenzieller Ziele für die Streitkräfte". Diese Formulierung wird von Experten als Drohung interpretiert - zumindest als Versuch, Druck aufzubauen und Unterstützung für die Ukraine zu erschweren.

Stadt Hanau schaltet Sicherheitsbehörden ein

Die Reaktion vor Ort ließ nicht lange auf sich warten. Wie die Tagesschau berichtet, sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) dazu: "Medien berichten, dass der deutsche Verfassungsschutz vor wachsender Bedrohung warne und Kontakt mit den betroffenen Unternehmen aufgenommen hätte. Um die Hanauerinnen und Hanauer zu informieren, haben wir nun Kontakt zum Bundesamt für Verfassungsschutz, Staatsschutz, Polizei und Regierungspräsidium Darmstadt aufgenommen."

Ziel ist es, die Lage zu bewerten und mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Der Rathauschef von Hanau sieht in dem russischen Gebahren einen Versuch, Angst zu schüren, und betont: "Einschüchterung funktioniert oft mit Desinformation und fehlender Information. Diese Versuche dürfen in Hanau nicht fruchten. Wir wollen Transparenz und Information für unsere Bürgerschaft."

Neben dem Verfassungsschutz sind auch Polizei und Staatsschutz eingebunden. Die Behörden nehmen die Drohungen ernst, auch wenn aktuell keine konkrete Angriffsvorbereitung bekannt ist.

Teil einer hybriden Kriegsstrategie

Sicherheitsexperten ordnen die Veröffentlichung in den Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ein. Deutschland gilt dabei als wichtiger Unterstützer - sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Der Verfassungsschutz warnt schon länger davor, dass russische Aktivitäten über klassische Spionage hinausgehen. Dazu zählen auch Cyberangriffe, Desinformation und mögliche Sabotageakte gegen Unternehmen und Infrastruktur. Die Veröffentlichung solcher Listen wird daher auch als Mittel der Einschüchterung gewertet: Unternehmen, Mitarbeitende und Investoren sollen verunsichert werden. (ms) +++

Die kommunalen Behörden reagieren alarmiert und haben Sicherheitsbehörden eingeschaltet.

Hanaus Oberbürgermester Claus Kaminsky (SPD).

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