Sören Bartol bleibt Landeschef

SPD-Parteitag: Schwaches Ergebnis für Mansoori - "Sönmez-Affäre" belastet

Wieder Vize-Landeschef der Hessen-SPD: Kaweh Mansoori wurde beim Parteitag in Baunatal wiedergewählt. Allerdings mit einem schlechten Ergebnis. Nur 62,68 Prozent stimmten für den Wirtschaftsminister und Vize-MP.
Fotos: Carsten Socher Fotografie

19.04.2026 / BAUNATAL - Der hessische SPD-Parteitag in Baunatal bei Kassel stand am Samstag ganz im Zeichen von Bildungspolitik und personellen Weichenstellungen - wurde aber auch von einer politischen Affäre überschattet, die weiterhin für Wirbel sorgt. Im Zentrum: Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Kaweh Mansoori, der nach der Entlassung seines Staatssekretärs Umut Sönmez (OSTHESSEN|NEWS berichtete bereits mehrfach darüber) wegen Belästigungsvorwürfen unter Druck geraten ist. Nach außen präsentierten die Genossen Einigkeit, hinter den Kulissen - gerade im politischen Wiesbaden - staubt es gewaltig.


Die Kritik aus der Opposition ließ nicht lange auf sich warten - die Grünen sprachen von einem "Chaosministerium". Auf dem Parteitag selbst zeigte sich zunächst ein anderes Bild: Die Delegierten stellten sich demonstrativ hinter Mansoori. Minutenlanger Applaus und stehende Ovationen unterstrichen den Rückhalt in der Partei. Auch SPD-Landeschef Sören Bartol - welcher kurze Zeit später mit gut 76 Prozent erneut zum Landesvorsitzenden gewählt wurde - rief zur Geschlossenheit auf und wertete die Angriffe als politisch motiviert: "Ein Angriff auf Kaweh ist ein Angriff auf uns alle."

Mansoori selbst zeigte sich selbstkritisch, ohne persönliche Schuld einzugestehen: "Auch wenn ich nicht dran schuld bin, was die letzten Tage passiert ist, ich trage die Verantwortung. Ich will sie auch tragen." Er entschuldigte sich bei den Genossinnen und Genossen für die Belastung in jüngster Zeit.

Persönliche Rede mit klarer Botschaft

In seiner Rede schlug Mansoori einen persönlichen und zugleich kämpferischen Ton an. Er erinnerte an seine Zeit bei den Jusos, an Wahlkämpfe, Infostände und ehrenamtliches Engagement bis spät in die Nacht - Erfahrungen, die ihn bis heute prägen. Die SPD sei für ihn "keine Karriereleiter, sondern politische Heimat". Besonders eindrücklich sprach er über den Begriff Heimat und Zugehörigkeit: Das hessische Selbstverständnis "Hesse ist, wer Hesse sein will" sei für ihn ein starkes Versprechen gesellschaftlicher Teilhabe. Inhaltlich rückt er klassische sozialdemokratische Themen in den Mittelpunkt: Chancengleichheit, soziale Sicherheit und bezahlbares Wohnen. Gerade für junge Menschen müsse es möglich sein, sich auf Ausbildung und Zukunft zu konzentrieren - "und nicht auf ihre Miete".

"Demokratisch oder autoritär": Mansoori geht in die Offensive

Mit Blick auf die politische Lage machte Mansoori deutlich: "Die Frage ist inzwischen nicht mehr, ob schwarz oder rot. Die Frage ist: demokratisch oder autoritär." Sinkendes Vertrauen in demokratische Parteien sei eine ernsthafte Herausforderung. Steigende Mieten und Lebenshaltungskosten bezeichnete er als "sozialen Sprengstoff", der die Gesellschaft spalten könne. Als Gegenmaßnahmen nannte er unter anderem ein Tariftreuegesetz für faire Löhne sowie Maßnahmen zur Beschleunigung des Wohnungsbaus. Sein Appell an die Partei war klar: Die SPD müsse konkrete Lösungen liefern und dürfe keinen Stillstand zulassen. Sie solle sich als "Garantin des Aufstiegsversprechens und Anwältin der Mitte" positionieren.

Bildung als zentrales Zukunftsthema

Neben der aktuellen Affäre blieb die Bildungspolitik, die in Hessen von CDU-Kultusminister Armin Schwarz besetzt ist, ein Schwerpunkt des Parteitags. Mit dem Leitantrag "Gute Schule 2035" setzt die SPD auf mehr Chancengleichheit im Bildungssystem. Geplant sind unter anderem kleinere Klassen - maximal 20 Kinder an Grundschulen mit hohem Sozialindex - sowie bis zu 30 Prozent mehr Personal an diesen Schulen. Zudem bekannte sich die Partei klar zur Integrierten Gesamtschule als bildungspolitischem Leitmodell. Diese solle gestärkt, ausgebaut und besser finanziert werden. Kürzungen aus der Vergangenheit, die für Proteste bei Jusos, Lehrkräften und Gewerkschaften gesorgt hatten, sollen ab 2027 wieder zurückgenommen werden.

Blick auf die Parteiwahlen mit schwachen Ergebnissen

Auch personell standen beim Parteitag in Nordhessen wichtige Entscheidungen an. Neben SPD-Landeschef Bartol wurde unter anderem auch Mansoori erneut zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Hatte man im Vorfeld noch auf ein besseres Ergebnis als zwei Jahre zuvor gehofft (68,7 Prozent) – gestützt durch die demonstrative Solidarität und den minutenlangen Applaus der Partei im nordhessischen Baunatal -, wirkte der Wirtschaftsminister nach Bekanntgabe des Ergebnisses sichtlich angeschlagen.

Mit gerade einmal 62,68 Prozent schnitt der Vize-MP mit Abstand am schlechtesten unter den Stellvertretern ab. Im Vergleich: Sophie Frühwald (72,46 Prozent), MdL Lisa Gnadl (74,91 Prozent) und Dr. Thomas Spies (71,74 Prozent).

Die Hessen-SPD ist nach dem Skandal im Wirtschaftsministerium stark angeschlagen. Aber auch ingesamt haben die Sozis schon bessere Zeiten erlebt. Nach jüngsten Umfragen steht die SPD bundesweit bei 12 Prozent, bei der Kommunalwahl hat sie hessenweit mit 20,8 Prozent ihr bisher schlechtestes Ergebnis erreicht. Wie das Thema "Sönmez" in Wiesbaden weitergeht, bleibt abzuwarten ebenso wie beschädigt Kaweh Mansoori noch aus der Sache rausgeht. Denn eins ist klar: der Belästigungsskandal ist inhaltlich noch lange nicht zu Ende. (Mathias Schmidt) +++

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