Ökumenischer Austausch

Gemeinsam beim Hessentag: Das Verbindende im Mittelpunkt

Beim Gesprächsgottesdienst zum Thema Ökumene und Hessentag: Fuldas Generalvikar Dr. Martin Stanke, Pröpstin Sabine Kropf-Brandau, Öffentlichkeitsbeauftragte Claudia Pfannemüller und Dekan Dr. Thorsten Waap (von rechts).
Fotos: Bistum Fulda / Marzena Seidel

15.04.2026 / FULDA - Der Hessentag in Fulda wird in diesem Jahr auch kirchlich neue Akzente setzen: Erstmals gestalten katholische und evangelische Kirche ihr Programm in enger ökumenischer Zusammenarbeit. Wie dieses Miteinander konkret aussehen kann und welche Erfahrungen damit verbunden sind, stand im Mittelpunkt der "Fuldaer Gespräche" in der evangelischen Christuskirche.



Dekan Dr. Thorsten Waap hatte zu dem Gesprächsgottesdienst eingeladen, der auf großes Interesse stieß. Im Zentrum stand ein offener und sachkundiger Austausch zwischen Generalvikar Dr. Martin Stanke (Bistum Fulda) und Pröpstin Sabine Kropf-Brandau (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck).

Beide machten deutlich, dass sich die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren spürbar weiterentwickelt hat. Ökumene werde zunehmend selbstverständlich im Alltag gelebt: nicht als abstraktes Ziel, sondern in konkreten Projekten und Begegnungen.

Hessentag als gemeinsames Projekt

Beim Hessentag vom 12. bis 21. Juni in Fulda wird diese Entwicklung besonders sichtbar. Unter dem Leitwort "Im Herzen eins" treten beide Kirchen erstmals in dieser Form gemeinsam auf. Generalvikar Stanke betonte, dass dabei vor allem das Verbindende im Mittelpunkt stehen solle. Das gemeinsame Auftreten schaffe eine größere Präsenz und eröffne neue Möglichkeiten, Menschen anzusprechen. Zugleich sei der Hessentag auch ein Lernfeld: Erfahrungen aus der Zusammenarbeit könnten aufgenommen und für die Zukunft genutzt werden.

Auch Pröpstin Kropf-Brandau sieht in dem gemeinsamen Auftritt eine gute Grundlage, um die christliche Botschaft gemeinsam zu vermitteln. Trotz unterschiedlicher Traditionen gebe es viele Anknüpfungspunkte für ein konstruktives Miteinander.

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war der Hessentag 2024 in Fritzlar. Dort unterzeichneten Bischof Dr. Michael Gerber und Bischöfin Dr. Beate Hofmann eine Vereinbarung zur Intensivierung der ökumenischen Zusammenarbeit. In Fulda wird diese Vereinbarung nun weiter mit Leben gefüllt. Der Hessentag bietet dafür einen konkreten Rahmen, in dem gemeinsame Formate erprobt und weiterentwickelt werden können.

Aktuelle Herausforderungen

Im Gespräch wurde auch deutlich, dass beide Kirchen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Sinkende Mitgliederzahlen, veränderte Erwartungen und strukturelle Fragen, etwa im Blick auf Gebäude oder Finanzen, prägen die aktuelle Situation. Diese Themen betreffen viele Gemeinden unmittelbar. Umso wichtiger sei es, im Austausch zu bleiben und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, so der Tenor des Abends.

Ökumene im Alltag

Wie Zusammenarbeit konkret aussehen kann, zeigte sich auch in praktischen Beispielen. So wurde für den Hessentag ein gemeinsames Lied unter dem Titel "Im Herzen eins" entwickelt. Es stammt von Katja und Dr. Björn Simon aus Rodgau und wurde in der Christuskirche bereits gemeinsam gesungen. Beim Eröffnungsgottesdienst des Hessentages vor dem Fuldaer Dom soll es von zahlreichen Grundschulkindern vorgetragen werden.

Neben vielen Gemeinsamkeiten wurden auch bestehende Unterschiede angesprochen – etwa beim Abendmahl oder in ethischen Fragestellungen. Gerade der offene Umgang damit wurde im Gespräch als wichtig hervorgehoben. Er schafft die Grundlage dafür, den Dialog und das Miteinander weiterzuentwickeln und zugleich die jeweiligen Positionen ernst zu nehmen.

Begegnung und Gespräch im Anschluss

Im Anschluss an den Gottesdienst bot ein Empfang Gelegenheit, die angesprochenen Themen im persönlichen Gespräch zu vertiefen. Die Moderation des Abends lag bei Dekan Dr. Thorsten Waap und Claudia Pfannemüller, Öffentlichkeitsbeauftragte des Kirchenkreises Fulda. Liturgisch begleitet wurde die Veranstaltung von Simone Möhring, Diakonin in Ausbildung. (mmb/pm) +++

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