Lebensbedrohliche Diagnose

Wie Hans-Jürgen Heldmann zweimal dem sicheren Tod entkommen ist

Von links: Chefarzt Dr. Amer Jomha, Hans-Jürgen Heldmann und Oberärztin Isabelle Schmitt.
Foto: Klinikum Hersfeld-Rotenburg

15.04.2026 / BAD HERSFELD - Hans-Jürgen Heldmann aus Bad Hersfeld ist selbst für Chefarzt Dr. Amer Jomha am Klinikum Bad Hersfeld ein außergewöhnlicher Patient: In den Jahren 2021 und 2025 überlebt der heute 83-Jährige gleich zwei lebensbedrohliche Bauchaortenaneurysmen. "Der gesamte Verlauf ist äußerst selten", so der Chefarzt über seinen Patienten. Behandelt wurde er jeweils in der Notaufnahme sowie in der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum Bad Hersfeld.



Es ist Anfang August 2021, als Heldmann mitten in der Nacht mit einem unguten Gefühl aufwacht – ein Moment, der sein Leben für immer verändern wird. "Ich bin sehr geschwitzt wach geworden und hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Meine Frau und ich haben uns dann dazu entschieden, den Notruf zu alarmieren", erinnert er sich. Nach einer kurzen Abstimmung zwischen Rettungsdienst und Notarzt vor Ort wird keine Zeit verloren: Direkt geht es in die Notaufnahme – und innerhalb von nur einer Stunde weiter ins CT und anschließend in den Operationssaal.

Diagnose: geplatztes Bauchaortenaneurysma

Die Diagnose ist dramatisch: ein geplatztes Bauchaortenaneurysma mit einem Durchmesser von fast neun Zentimetern und massiver innerer Blutung. "Zu dem Zeitpunkt war Herr Heldmann ganz klar in Lebensgefahr. Wir mussten ihn zweimal wiederbeleben und die gerissene Bauchschlagader in einer Notoperation versorgen", erklärt Dr. Jomha.

Die Aorta, die größte Schlagader des Körpers, kann sich im Bauchraum krankhaft erweitern – ein sogenanntes Bauchaortenaneurysma entsteht. Reißt diese Aussackung, droht akute Lebensgefahr. "In diesem Fall kommt es zu einer enormen inneren Blutung, die zum Verbluten führen kann", so Jomha weiter. Heldmann selbst erinnert sich nur bruchstückhaft an die dramatischen Stunden: "Ich weiß noch, wie wir in Richtung Klinikum losgefahren sind – danach kann ich mich erst wieder an das Aufwachen auf der Intensivstation erinnern."

Ärzte warnen vor Komplikationen bei Eingriff

Dabei war die Gefahr nicht völlig unbekannt. Bereits zwei Jahre zuvor war das Aneurysma bei einer Untersuchung entdeckt worden. "Ich war wegen einer starken Durchblutungsstörung meines Beins im Klinikum. Bei der Untersuchung ist dem Arzt auch das Aneurysma aufgefallen", berichtet Heldmann. Doch eine sofortige Behandlung ist damals nicht möglich. Oberärztin Isabelle Schmitt erklärt: "Wenn bereits eine Infektion vorliegt, besteht bei der Implantation einer Kunststoffader das erhöhte Risiko, dass sich diese Keime im Körper verschleppen, was die Situation massiv verschlechtern würde."

Nach Abklingen der Infektion wird eine Kontrolle empfohlen. Doch Heldmann hat keine Schmerzen, kämpft zunächst mit den Folgen der Durchblutungsstörung und schiebt das Thema auf: "Ich hatte allerdings gar keine Schmerzen und habe auch zunächst einige Monate gebraucht, um nach der Durchblutungsstörung in meinem Bein wieder fit zu werden", so Heldmann weiter, "da hatte ich das Aneurysma erst einmal hintenangestellt."

Vier Jahre später folgt der nächste Schock

Vier Jahre später folgt der nächste Schock. 2025 lässt sich Heldmann wegen eines Leistenbruchs in einem Krankenhaus der Region behandeln. Kurz vor Weihnachten sowie im Januar 2026 wird er operiert. "Dabei wurde mir auch ein Netz eingesetzt, damit die große Wunde besser abheilt", erklärt der 83-Jährige. Doch die Wunde heilt nicht wie erhofft. Drei Wochen später sucht er seinen Hausarzt auf – und zeigt ihm nebenbei auch eine auffällige "Beule" am Unterbauch, die im Rhythmus seines Herzschlags pulsiert.

Was zunächst harmlos klingt, entpuppt sich als lebensgefährlich: "Ich bin mir sicher, dass der Hausarzt da überrascht war, denn was Herr Heldmann als "Beule" bezeichnet hat, war erneut eine rund zehn Zentimeter große Aussackung der Bauchschlagader – also ein weiteres lebensbedrohliches Bauchaortenaneurysma", so betont Dr. Jomha. Dieses Mal handelt es sich jedoch um eine sogenannte gedeckte Ruptur. "Bei einer gedeckten Ruptur ist die Gefäßwand eingerissen, die Blutung wird jedoch zunächst begrenzt. Diese Situation kann man durchaus als tickende Zeitbombe bezeichnen."

Wie lange dieser Zustand bereits bestand, bleibt unklar. Klar ist nur: Es zählt jede Minute. Der Hausarzt reagiert sofort, alarmiert den Notruf, nimmt persönlich Kontakt zu Oberärztin Schmitt auf und lässt Heldmann umgehend ins Klinikum Bad Hersfeld bringen.

Zweite Behandlung durch erfahrenes Ärzteteam

Dort übernimmt erneut das Team um Dr. Jomha. Anders als beim ersten Mal bleibt ein kleines Zeitfenster für eine geplante Operation. Gemeinsam entscheiden sich Ärzte und Patient für einen Eingriff am nächsten Tag – mit einer modernen endovaskulären Stentprothese. "Dabei handelt es sich um ein künstliches Gefäßimplantat, mit dem beschädigte oder erweiterte Gefäßabschnitte stabilisiert werden können. Diese gibt es entweder in Standard-Größen oder, wenn nötig, als individuelle Anfertigung passend für den jeweiligen Patienten", erklärt Schmitt.

Für Heldmann wird die Prothese speziell angefertigt – über Nacht. Pünktlich am nächsten Morgen trifft sie im Klinikum ein und wird direkt eingesetzt. Für den ehemaligen Ingenieur ein Detail, das ihn besonders fasziniert.

Nach dem Eingriff verbringt Heldmann etwa eine Woche im Krankenhaus, mehrere Tage davon auf der Intensivstation. Rückblickend ist er vor allem dankbar: "Alle Gespräche waren offen und klar. Meine Frau und ich waren uns sehr bewusst, wie ernst die Situation ist, aber auch, in welch erfahrenen Händen ich hier bin. Trotz der Lebensgefahr sind alle sehr ruhig und transparent mit mir umgegangen. Auch die Pflege und Betreuung auf der Station nach dem Eingriff waren wirklich gut."

Reha bewusst im eigenen Zuhause

Statt einer stationären Reha entscheidet sich Heldmann diesmal bewusst für den Weg zu Hause. Unterstützt von seiner Familie will er in vertrauter Umgebung wieder zu Kräften kommen. Seine Muskeln, geschwächt durch die lange Zeit im Bett, sollen Schritt für Schritt zurückkommen – gemeinsam mit seiner Frau, seiner Tochter, seinem Schwiegersohn und den Enkeln.

Zwei Mal stand Hans-Jürgen Heldmann am Rand des Todes – und zwei Mal hat er es zurückgeschafft. Seine Geschichte ist nicht nur medizinisch außergewöhnlich, sondern auch ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie schnell aus einem unscheinbaren Symptom eine lebensbedrohliche Situation werden kann – und wie entscheidend schnelles Handeln ist. (pm/cb) +++

X