"Nicht aus der Not, sondern Strategie"

Neues Kapitel für Osthessen‑Industrie: Kamax steht vor Verkauf an Fontana

Der nordhessische Verbindungselement‑Hersteller Kamax steht vor einem bedeutenden Schritt: Das Unternehmen soll an die italienische Fontana Gruppo verkauft werden.
Archivfoto: O|N/Luisa Heinz

15.04.2026 / HOMBERG (OHM) - Der nordhessische Verbindungselement‑Hersteller Kamax steht vor einem bedeutenden Schritt: Das Unternehmen soll an die italienische Fontana Gruppe verkauft werden. Beide Seiten haben am Freitag, den 10. April, eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Die Übernahme muss jedoch noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden.



Mit dem Kauf will Fontana, ein weltweit führender Hersteller von Verbindungselementen mit Sitz nahe Mailand, seine internationale Marktposition weiter stärken. Durch die Integration von Kamax würde die Gruppe künftig 42 Produktionsstandorte, mehr als 9.000 Mitarbeitende und rund zwei Milliarden Euro Umsatz vereinen.

"Keine Transaktion aus der Not heraus"

Im Jahr 2022 musste sich das Unternehmen vom Kamax-Werk in Alsfeld trennen. Im Sommer 2020 verkündete die Geschäftsleitung in einem internen Schreiben an ihre Mitarbeiter das Aus für den Standort im Vogelsbergkreis. Zwei Jahre später herrschte gähnende Leere auf dem ehemaligen Firmengelände.

Mit der Übernahme durch Fontana sei es allerdings anders. So ist für Kamax, das Standorte in Deutschland, Spanien, Polen, der Slowakei, Tschechien und China betreibt, der Schritt ein tiefgreifender Wandel – allerdings ein bewusst gewählter. Martin Burgholte, Vorsitzender des Beirats und Gesellschafter der Kamax-Gruppe, betont: "Dies ist keine aus der Not geborene Transaktion, sondern eine strategische Entscheidung, die aus einer Position der Stärke heraus getroffen wurde." Die Eigentümerfamilie habe über drei Generationen hinweg ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Nun sei es an der Zeit, "ein neues Kapitel aufzuschlagen". Entscheidend sei gewesen, einen Partner zu finden, der die Werte von Kamax teile und das Erbe weiterentwickle. "Kontinuität ist ein Eckpfeiler dieser Transaktion", so Burgholte weiter.

Fontana sieht große Chancen, doch Genehmigungen stehen noch aus

Auch auf italienischer Seite ist die Freude über den geplanten Zusammenschluss groß. Giuseppe Fontana, CEO der Fontana Gruppo, erklärt: "Aus strategischer, industrieller und unternehmerischer Sicht bietet diese Übernahme eine wichtige Chance, unser Geschäft weiterzuentwickeln und unsere herausragende Position auszubauen."

Kamax könne mit seinen 15 Standorten erheblich zum Ausbau der technologischen Fähigkeiten beitragen. Die Akquisition sei ein weiterer Schritt in Fontanas globaler Expansionsstrategie, nachdem das Unternehmen bereits 2025 Firmen in Indien und den USA übernommen hatte. Bis der Zusammenschluss endgültig vollzogen ist, wird es jedoch noch einige Monate dauern. Erst wenn alle behördlichen Freigaben vorliegen, kann die Übernahme abgeschlossen werden.

Fest steht schon jetzt: Mit dem geplanten Zusammenschluss entsteht ein neuer Schwergewichtsverbund in der internationalen Verbindungselement‑Industrie – und Kamax bleibt dabei Teil eines familiengeführten Unternehmens, das auf langfristige Entwicklung setzt. (mis/pm) +++

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