Kommt jetzt die höhere Kreisumlage?
Landrat Woide spricht Klartext: "Wir müssen an die staatlichen Leistungen ran!"
Landrat Woide spricht Klartext: "Wir müssen an die staatlichen Leistungen ran." Das betrifft ganz besonders die Kinder- und Jugendhilfe, aber auch die Eingliederungshilfe und unsere Sozialausgaben im Allgemeinen.
Fotos: Christian P. Stadtfeld
27.04.2026 / FULDA -
Seit über 20 Jahren steht Bernd Woide (CDU) für Verlässlichkeit und Kontinuität im Landkreis Fulda. Der Landrat und Christdemokrat ist Routinier – und bekannt für seine klare Linie, auch wenn es mal unangenehm wird. Verbiegen lässt er sich nicht. Und er stellt mit aller Deutlichkeit klar: "Wahlen sind keine Dankveranstaltungen." Den Menschen gehe es um Vertrauen und Zukunftsgestaltung. "Das ist unser Job als Politiker." Umso mehr mahnt Woide: "Die letzten Wahlen waren ein Weckruf. Bund und Länder müssen sich mehr als bisher um die Kommunen kümmern."
Bei der Kommunalwahl am 15. März hatte der 63-Jährige mit seiner Union zwar das beste Ergebnis landesweit, aber das Erstarken extremer Parteien und die Zersplitterung im Kreistag bereiten dem Fuldaer Kreischef Sorgen. "Die CDU ist zwar die bestimmende Kraft in der Region, aber wir brauchen Mehrheiten", sagt Woide im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch und betont: "Der Haushalt ist für den Kreistag der wichtigste Punkt im ganzen Jahr. Und hier sind stabile Verhältnisse elementar."
Der Landkreis Fulda mit seinen rund 220.000 Einwohnern ist weiterhin 'die CDU-Hochburg', aber ausruhen will sich Woide auf den aktuellen 44,46 Prozent (2021: 44,09 Prozent) seiner Partei keinesfalls. "Das Ergebnis freut uns, und wir werden solide weiterarbeiten und uns auf unsere Kernaufgaben konzentrieren." Scharf kritisiert der Landrat, dass die von der schwarz-roten Landesregierung angestrebte Wahlreform vor dem Hessischen Staatsgerichtshof gescheitert ist. "Mit der Vielzahl an Kleinstparteien ist eine stabile Mehrheitsbildung nur schwer möglich. Das Gericht ist an die Sache zu demokratietheoretisch herangegangen – ohne die Praxis in den Kommunen angemessen zu berücksichtigen."
Die Kommunalwahl hat deutlich gezeigt: "Teile der Bevölkerung sind unzufrieden: Die Kassen sind knapp, die Geldbeutel der Menschen nicht mehr so voll. Und auch bei den Kommunen schlägt sich das nieder: Wir haben in Deutschland ein Ausgabenproblem – und wir können als Staat nur das bezahlen, was wir einnehmen. Von allen Seiten wird nach mehr Geld gerufen. Die Wahrheit ist aber: Das Geld ist nicht da." Der CDU-Politiker hält nichts von Steuererhöhungen, die immer wieder auf das Berliner Tablett gehoben werden. Woide geht einen Schritt weiter: "Wir müssen an die staatlichen Leistungen ran." Das betrifft ganz besonders die Kinder- und Jugendhilfe, aber auch die Eingliederungshilfe und unsere Sozialausgaben im Allgemeinen. Kosten, für die der Landkreis aufkommen muss und die den Haushalt stark belasten. "Diese Wahrheit, die jeder kennt, die muss angesprochen werden."
In Zukunft höhere Kreis- und Schulumlage?
Finanziell geht es dem Landkreis Fulda im Hessen-Vergleich bisher noch deutlich besser als vielen anderen Kreisen. Das hatte für die Kommunen im Landkreis bisher einen großen Vorteil: Der Gesamthebesatz der Kreis- und Schulumlage für die Kommunen (ohne die Sonderstatusstadt Fulda) liegt mehr als 7 Prozentpunkte unter dem hessischen Landesdurchschnitt und ist somit einer der niedrigsten in Hessen. Damit werden die Kommunen des Landkreises allein in diesem Jahr um mehr als 20 Millionen Euro entlastet.
Was ist die Kreis- und Schulumlage? Die Städte und Gemeinden zahlen eine Abgabe an den Landkreis. Basis für die Berechnung ist die Steuerkraft der jeweiligen Kommune. Mit der Umlage werden allgemeine Aufgaben, die zentral auf Kreisebene organisiert sind, wie soziale Leistungen, Jugendhilfe, Gesundheitsdienste und Schulen, finanziert.
Insgesamt erhält der Landkreis Fulda über die Kreis- und Schulumlage 168.699.593 Euro, das sind 119.455.456 Euro über die Kreisumlage und 49.244.137 Euro über die Schulumlage. Das Haushaltsdefizit des Kreises betrug im Jahr 2024 rund 11,7 Mio. Euro. Für 2025 wird ein Haushaltsdefizit von rund 15-18 Millionen Euro erwartet. Der Landkreis geht für das Jahr 2026 von einem Defizit in Höhe von rund 28,5 Millionen Euro aus.
Alles nicht rosig und ein klarer Auftrag zum umsichtigen Haushalten. "Wir werden uns auf das Wesentliche konzentrieren müssen und keine Luftschlösser bauen", betont Woide, der eine höhere Kreisumlage für die Zukunft nicht ausschließen kann. In diesem Zusammenhang bringt der Landrat ein einfaches Rechenbeispiel: "Hätte der Landkreis in den letzten 20 Jahren nur die für Hessen durchschnittlichen Umlagen erhoben, hätte er 180 Mio. Euro mehr über die Zeit eingenommen und damit ein ausgeglichenes Haushaltsergebnis. Das haben wir aber nicht gemacht, damit unsere Städte und Gemeinden weiterhin gut in ihre Zukunft investieren können." Kritik erntete Bernd Woide zuletzt auch, weil kein einziger Haushaltsantrag der Opposition zugelassen wurde. "Zur Wahrheit gehört aber, dass auch die CDU und die FDP keinen Haushaltsantrag gestellt haben. Die Finanzen lassen das einfach nicht zu." (Christian P. Stadtfeld) +++